03:31 30 Oktober 2020
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    Stephan Kohler, Geschäftsführer der deutsch-russischen EnergyEfficiencyInvest Eurasia GmbH, analysiert im Gespräch mit Sputnik die Ergebnisse des jüngsten Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Ob diese sich auf die antirussischen Sanktionen und das Gas-Projekt Nord Stream 2 auswirken?

    Russland und Deutschland bleiben im Dialog, hieß es nach Merkels Sotschi-Besuch am 2. Mai. Dieses Ergebnis sei relativ dünn, behauptet nun Stephan Kohler. Er hofft, dass die beiden Politiker im Vier-Augen-Gespräch zu weitergehenden Ergebnissen gekommen sind, die sie nicht kommunizieren möchten. Beim kommenden G20-Gipfel sei außerdem ein direktes Gespräch zwischen Wladimir Putin und Donald Trump geplant.

    „Man kann nur hoffen, dass es auf dem G20-Gipfel eine Verständigung darüber gibt, dass die Zusammenarbeit mit Russland wieder in eine positive Strategie umgewandelt wird, dass man auch über die Aufhebung der Sanktionen spricht. Das ist einer der wichtigsten Punkte, der die Grundlage dafür schafft, bei den vielfältigen Krisenherden, ob Ukraine, Syrien oder Nordkorea, eine Lösung zu finden“, so Kohler.

    Der Leiter des deutsch-russischen Unternehmens ist der Ansicht, man dürfe die Aufhebung der Sanktionen nicht unmittelbar von der Erfüllung der Minsker Vereinbarung anhängig machen.

    „Die Umsetzung der Minsker Abkommen wird nicht nur durch Russland bestimmt, sondern auch durch die Ukraine. Von der ukrainischen Seite gibt es wichtige Punkte, die nicht erfüllt worden sind. Es ist einseitig, wenn man nur gegen Russland Sanktionen verhängt, und nicht gegen die Ukraine. Die Umsetzung der Minsker Vereinbarung muss auch von der Ukraine her folgen, da gibt es auch Defizite. Dass es immer wieder zu Gefechten an der Ostgrenze kommt, daran ist auch die ukrainische Seite beteiligt. Deshalb müssten Frankreich und Deutschland viel höheren Druck auf die Ukraine ausüben“, sagte der Unternehmer ferner.

    Vertrauen zwischen Moskau und Berlin

    Einen Vertrauensverlust zwischen Russland und Deutschland gebe es nicht, wie es in den Medien oder von den Politikern beschrieben wird, so Kohler.

    „Der Vertrauensverlust ist in der Bevölkerung nicht spürbar und nicht nachweisbar. Zwei Drittel der Deutschen möchten, dass es wieder zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen Russland und Deutschland kommt“, sagte er.

    „Auch in der Wirtschaft. Ich arbeite mit vielen deutschen Unternehmen zusammen, die auch in Russland aktiv sind, und höre nur positive Rückmeldung. Man muss sehr genau differenzieren, wo genau der Vertrauensverlust ist — in der Bevölkerung oder in der Wirtschaft. Die Medien und die Politik sollten endlich damit aufhören und eben auch positiv unterstützen, dass sich die Verhältnisse zwischen Russland und Deutschland wieder normalisieren.“

    Nord Stream 2

    Der Ex-Chef der Deutschen Energieagentur DENA nannte in diesem Zusammenhang Nord Stream 2 ein wichtiges Projekt für Deutschland und Europa insgesamt.

    „Nord Stream 2 ist derzeit auf einem sehr guten Weg. In Deutschland gibt es nicht irgendwelche sehr starken Einsprüche dagegen. Ich denke, dass in Europa, in Brüssel, auch in den Nachbarstaaten Dänemark und Schweden die Ansicht um sich greift, dass wir dringend Erdgas benötigen. Einerseits, um den Ausstieg aus der Atomenergie zu kompensieren, andererseits, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Das bedeutet, dass wir sukzessiv aus der Kohle aussteigen müssen. Dann bleibt als einziger fossiler Energieträger, der kostengünstig ist und der die Versorgungssicherheit bietet, eben Erdgas. Nord Stream ist ein wichtiges Projekt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa, für Frankreich, auch für Großbritannien, deshalb haben sich Unternehmen aus diesen Ländern an diesem Projekt beteiligt.“

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    Partnerschaft, Wirtschaft, Unternehmen, Treffen, Minsker Abkommen, Nord Stream 2, Sotschi, Minsk, Russland, Deutschland