13:22 18 Juni 2019
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    Ein Tankwagen von ExxonMobil (Archivbild)

    Kaum Schaden für Russlands Ölbranche durch Sanktionen – eher für US-Konzerne

    © AP Photo / Donna McWilliam
    Wirtschaft
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    Die westlichen Wirtschaftssanktionen bremsen kaum die russische Ölbranche, schaden aber US-Konzernen wie Exxon Mobil. Die russische Zeitschrift „Profil“ beschäftigt sich mit dem Thema.

    Das Magazin bezieht sich in seiner Onlineausgabe auf den jüngsten Bericht der US-Zeitung „Wall Street Journal“ (WSJ), wonach die Ölförderung in Russland im vergangenen Jahr ein Rekordhoch (elf Millionen Barrel täglich) erreicht hatte – trotz der vom Westen verhängten Sanktionen gegen das Land. Jenem „WSJ“-Bericht zufolge leidet eher der US-Konzern Exxon Mobil unter den antirussischen Strafmaßnahmen.

    Die russische Zeitschrift konkretisiert nun, Exxon habe noch im Jahr 2014 seine Russland-Projekte zu 90 Projekt auf Eis legen müssen. Alle beeinträchtigten Projekte hätten die Kooperation mit dem russischen Staatskonzern Rosneft beinhaltet.

    „Insbesondere musste man auf Erkundung und Erschließung des Schwarzmeer-, Arktis- und Westsibirien-Kontinentalschelfs verzichten. Nur für ein Gemeinschaftsunternehmen wurde damals eine Ausnahme gemacht, und zwar für die Erschließung einer Lagerstätte in der Karasee. Washington erlaubte damals, den Ausstieg aus dem Projekt aufzuschieben, weil ein schneller Abbau der Arbeiten schwere Umweltschäden verursacht hätte“, schreibt „Profil“.

    Im vergangenen Jahr habe Exxon Mobil das Weiße Haus um Erlaubnis gebeten, die Projekte in der Arktis und am Schwarzmeer-Schelf wiederaufzunehmen, berichtet die russische Zeitschrift weiter und zitiert den neuen US-Finanzminister Steven Mnuchin mit den Worten: „Nach einer Konsultation mit Präsident Donald Trump beschloss das Finanzministerium, keinen US-Konzernen (darunter auch Exxon) Bohrungsarbeiten zu erlauben, die von den geltenden Sanktionen gegen Russland verboten sind.“

    Im Kommentar des „Profils“ heißt es: „Die Bitte von Exxon Mobil hatte von vornherein keine Chancen. Die beiden Kammern des US-Kongresses setzen sich derzeit für schärfere Russland-Sanktionen ein – vor dem Hintergrund der Ermittlungen um die mutmaßliche Einmischung des Kremls in die US-Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Der republikanische Senator Marco Rubio sagte kürzlich, eine Lockerung für Exxon könne zwar dem Konzern selbst, aber nicht den nationalen Interessen der USA zugutekommen. ‚Neue günstige Geschäftsmöglichkeiten für Putin und seine Freunde zu eröffnen, wäre das Letzte, womit sich die USA beschäftigen sollten’, stimmte der US-Demokrat Eliot Engel zu.“

    Seit der Nominierung des ehemaligen Exxon-Chefs Rex Tillerson zum US-Außenminister habe es reichlich Prognosen gegeben, wonach dem Konzern nun eine privilegierte Lage am russischen Markt winke. Doch in Wirklichkeit gebe es vorerst nicht viele positive Momente für das Unternehmen in dieser Hinsicht, so der Kommentar.

    Europäischen Energiekonzernen gelinge es indes, unter verschiedenen Vorwänden die Sanktionen zu umgehen: „Die italienische Eni bereitet sich gemeinsam mit Rosneft darauf vor, mit der Ausbeutung des Ölfelds Val Shatsky im Schwarzen Meer gegen Jahresende anzufangen (es ist geplant, 50 bis 55 Milliarden US-Dollar ins Projekt zu investieren; die gewinnbaren Vorräte werden dabei auf insgesamt zehn Milliarden Barrel geschätzt). Ursprünglich war der US-Konzern Chevron dafür zuständig, doch wegen der Sanktionen musste er Russland verlassen. Das italienische Unternehmen plant außerdem, die arktischen Gewässer in der Barentssee zu untersuchen.“

    Die russische Zeitschrift zitiert auch BP-Chef Robert Dudley, der 2015 gesagt hatte: „Wir verstoßen nie gegen die Sanktionen, doch dies hindert uns nicht daran, mit Rosneft an bestimmten Projekten zu arbeiten (…) Die Sanktionen sind sehr konkret und beinhalten die Arktis-Arbeit, die sich offenbar in die Länge ziehen wird, sowie nicht traditionelle Öl-Ressourcen. Es gibt aber auch viele herkömmliche, darunter auch neue, Projekte, die nicht von den Sanktionen betroffen sind.“

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