07:09 19 Februar 2018
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    Bildschirm mit Logo des US-Ölunternehmens ExxonMobil im Gebäude der New Yorker Börse

    Die USA bereiten Öl-Preissturz durch grandiose „Überraschung“ vor

    © REUTERS/ Lucas Jackson
    Wirtschaft
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    Donald Trump plant einem Zeitungsbericht zufolge mehrere groß angelegte Maßnahmen am Ölmarkt. Die Hälfte der US-Ölreserven soll verkauft werden, die Schieferöl-Förderung nimmt zu. Es ist geplant, Ölprojekte am US-Kontinentalschelf wieder zu genehmigen. All dies dämpft Hoffnungen auf höhere Ölpreise.

    Die russische Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ titelt in ihrer Onlineausgabe: „Die USA bereiten Öl-Preissturz durch grandiose Überraschung vor.“ Wie sie berichtet, steigt die Zahl der funktionierenden Bohranlagen in den USA seit 52 Wochen ständig an, wodurch die Förderung um mehr als zehn Prozent zunahm.

    Ölpumpe in Nord Dakota, USA (Archivbild)
    © AP Photo/ Eric Gay
    Nach Angaben des US-Energieministeriums sind derzeit rund 690 Millionen Barrel Öl in Ölspeichern akkumuliert. Dies soll bei Bedarf für nahezu 150 Tage ausreichen. Wie das Blatt erläutert, war die strategische Ölreserve während der Regierungszeit von Barack Obama deutlich aufgestockt worden. Der damalige Durchschnittspreis betrug 29,7 Dollar pro Barrel, doch mittlerweile ist er fast doppelt so hoch.

    Nun will Donald Trump, so der Bericht weiter, die Hälfe der strategischen Reserve verkaufen. Das zum Verkauf geplante Volumen ist zehnmal so groß wie die tägliche Fördermenge aller Opec-Länder insgesamt.

    „Wenn Washington diese Rohstoffmenge auf den Markt bringt, werden die Preise zurück auf die 40-Dollar-Marke stürzen, wobei ein weiterer Preisverfall möglich bleibt“, heißt es im Zeitungskommentar.

    Doch Trump bereitet, wie das Blatt schreibt, auch weitere Überraschungen vor. Schon jetzt nimmt die Schieferöl-Förderung in den USA drastisch zu. Zusammen mit neuen Projekten in Kanada und Brasilien soll die wachsende Ölproduktion in den Vereinigten Staaten ermöglichen, die US-Binnennachfrage nach Treibstoff völlig zu decken, obwohl sie im Sommer immer wächst. Außerdem will Libyen seine Ölförderung erhöhen – dieses Land ist genauso wie der Iran von den Opec-Quoten befreit.

    „Noch ein Geschenk von Trump ist die angekündigte Genehmigung für eine Wiederaufnahme von Ölprojekten am US-Kontinentalschelf. Dadurch wird das Rohstoff-Angebot am Weltmarkt künftig weiter zunehmen“, kommentiert die Zeitung.

    „Eine Überproduktion von Erdöl wird dabei weiter bestehen. Mit einer positiven Wachstumsdynamik in Sachen Nachfrage ist nicht zu rechnen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hat der Ölverbrauch derzeit in praktisch allen Industrieländern seinen Höhepunkt erreicht und wird sich in absehbarer Zukunft kaum erhöhen. Zwar besteht nach wie vor die Hoffnung auf zusätzliche Exportmengen nach Indien und China, doch die Wirtschaften dieser Länder sind ziemlich unbeständig, deshalb sollte man nicht auf sie setzen“, mahnt das Blatt.

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    Tags:
    Ölexport, Ölförderung, OPEC, Donald Trump, USA