03:53 24 Juni 2017
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    Teil der Pipeline Nord Stream (Archivbild)

    Deutsche Firmen halten am russischen Markt fest Außenhandel drückt aufs Gas

    © AP Photo/ Frank Hormann
    Wirtschaft
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    Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) hat am Montag in einer Pressemitteilung vor massiven Schäden der deutschen Wirtschaft durch die neuen antirussischen US-Sanktionen gewarnt. Dennoch halten deutsche Unternehmen am russischen Markt fest, heißt es: Im ersten Halbjahr 2017 gab es zahlreiche Werkseröffnungen und Milliarden-Investitionen.

    „Weitere Sanktionen werden nicht zu Stabilität und Frieden in Europa und der Welt beitragen, sondern die Situation im Gegenteil verschärfen“, sagte AHK-Vorstandsvorsitzender Matthias Schepp. „Gerade in politischen Krisenzeiten ist die Wirtschaft die verlässlichste Brücke.“

    Sollten die neuen Sanktionen so umgesetzt werden, wie vom US-Senat beschlossen, hätte das weitaus massivere Folgen als die früheren Einschränkungen, so Schepp ferner. Wie es aus der Mitteilung ferner heißt, ist das Engagement deutscher Unternehmen in Russland trotz der Sanktionen stark geblieben und nimmt in diesen Monaten an Fahrt auf.

    Zahlreiche Werkseröffnungen und Investitionen

    Daimler beispielsweise werde am morgigen Dienstag den Grundstein seiner neuen Mercedes-Benz-Fabrik im Moskauer Gebiet legen. Es heißt, das Unternehmen wolle mehr als 250 Millionen Euro in den Produktionsstandort im Esipovo Industrial Park, rund 40 Kilometer nordwestlich der russischen Hauptstadt investieren. 1000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Außerdem sei es die erste Pkw-Produktion von Daimler in Russland.

    „Werkseröffnungen und Einweihungen flankieren den leichten wirtschaftlichen Aufschwung im größten Flächenstaat der Erde“, so Schepp. „Die deutsche Wirtschaft hält weiter am russischen Markt fest.“

    Die Bereitschaft zur Lokalisierung zeichne die deutschen Unternehmen aus. Besonders erfreulich sei das enorme Engagement mittelständischer Betriebe, die in ihren Branchen zu den Weltmarktführern zählen. Erst in der vergangen Woche nahm der hessische Heiztechnik-Hersteller Viessmann in Lipezk (rund 425 Kilometer südöstlich von Moskau) die Produktion von Heizkesseln auf. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 23 Millionen Euro darin investiert.

    Im Mai weihte der Elektronikkomponentenhersteller Phoenix Contact ein Werk in Moskau ein. Anfang Juni eröffnete das Baumaschinen-Unternehmen Liebherr aus Badem-Württemberg einen neuen Reparatur- und Lagerkomplex bei Belowo (Gebiet Kemerowo in Westsibirien). Dieser sei bereits sein dritter in Russland, hieß es in einer Pressemeldung. 

    Deutsch-Russischer Außenhandel am steigenden Ast

    Wie es aus der AHK-Mitteilung unter Verweis auf Daten des russischen Zolls verlautet, legte der Handel zwischen Deutschland und Russland zwischen Januar und April 2017 im Vergleich zum Vorjahr um ganze 28,8 Prozent zu. Der Warenaustausch habe sich auf 15,4 Milliarden US-Dollar belaufen. Die deutschen Exporte nach Russland seien um 16,7 Prozent auf 6,5 Mrd. Dollar gestiegen, die Importe aus Russland um 39,3 Prozent auf 8,9 Mrd. Dollar.

    Deutschland sei mit einem Anteil von neun Prozent am russischen Außenhandel nach China (14,3 Prozent) der zweitgrößte Handelspartner Russlands.

    Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer ist die Interessensvertretung deutscher Unternehmen in Russland und russischer Unternehmen in Deutschland. Sie ist Teil des weltweiten AHK-Netzwerks. Die AHK Russland hat momentan rund 800 Mitgliedsunternehmen.

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    Tags:
    Import, Exporte, Sanktionen, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), Mercedes-Benz, US-Senat, Matthias Schepp, Russland, Deutschland