22:00 11 Dezember 2017
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    Gas-Lagerstätte auf Jamal-Halbinsel (Archivbild)

    „Moskau soll die Widersprüche zwischen Europa und den USA ausnutzen“

    © Sputnik/ Yurij Luschin
    Wirtschaft
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    Die Differenzen um die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 bestätigen, dass die Widersprüche zwischen Europa und den USA zunehmen. Dies könnte einen größeren Bewegungsraum für Russland bedeuten, wie die russische Onlinezeitung vz.ru prognostiziert.

    Die Onlinezeitung titelt: „Moskau soll die Widersprüche zwischen Europa und den USA ausnutzen“. Sie schreibt im Hinblick auf den vom US-Senat kürzlich verabschiedeten Gesetzentwurf, der Sanktionen für die Unterstützung russischer Pipeline-Projekte vorsieht: „Selbstverständlich ist das eine unmittelbare Bedrohung für jene europäischen Unternehmen, die Geschäfte mit Russland haben. Mehr noch: Dies demonstriert offen die Absicht der USA, den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 zu blockieren.“

    Diese Entscheidung der Amerikaner sei in Europa auf eine beispiellos harte Rhetorik gestoßen. Die entsprechenden US-Sanktionspläne seien von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel sowie vom österreichischen Kanzler Christian Kern verurteilt worden, kommentiert die Onlinezeitung.

    Sie postuliert, im Zuge des gegenwärtigen geopolitischen Wandels hätten sich die Widersprüche zwischen Russland und dem Westen zugespitzt – aber auch Differenzen zwischen Europa und den USA seien zum Vorschein gekommen.

    Einerseits werde Russland im Westen als Bedrohung betrachtet – nicht zuletzt deswegen, weil Russland sein Recht auf einen eigenen Weg verteidige und die Versuche ablehne, ihm irgendwelche Ansätze aufzuzwingen, hieß es.

    „Für das westliche Establishment ist die ‚russische Bedrohung‘ ein äußerst wichtiger Bestandteil seiner Propaganda. Dies ist eine bequeme Methode, um innenpolitische Fragen zu klären. Außerdem soll dies in der öffentlichen Meinung Sympathien für Russland verhindern“, so der Kommentar.

    Andererseits sei Russland für den Westen ein bedeutender Partner. In jenen Bereichen, die für ihn kritisch wichtig seien, baue der Westen seine Kooperation mit Russland aus. Allerdings bräuchten die USA und Europa dies aus unterschiedlichen Gründen. Für Westeuropa (besonders für Deutschland) und für die USA sei eine Zusammenarbeit mit Russland jeweils im Energiebereich und in Sachen Raumfahrt von Bedeutung. Deshalb sei das Projekt Nord Stream 2 in europäischen Instanzen doch vereinbart worden – trotz der Proteste einiger osteuropäischer Länder. Der US-Senat habe unterdessen die Kooperation zwischen Russland und der Nasa von möglichen neuen Sanktionen befreit, hieß es weiter.

    Die innenwestliche Konkurrenz spitze sich dabei zu: „Die Vereinigten Staaten wollen das für Deutschland äußerst wichtige Projekt Nord Stream 2 unverhohlen ‚versenken‘, während sich Deutschland mit aller Kraft dagegen wehrt – ungeachtet seiner gekürzten Souveränität.“

    „Trotz aller Schwierigkeiten und Auswüchse der aktuellen Phase kommt eine solche Situation Moskau zupass. Russland hat jene faktisch monolithische antirussische Position des Westens durchgehalten. Nun fängt eine Fragmentierung der Meinungen an, die Widersprüche zwischen den Verbündeten nehmen zu. Dies gibt dem Kreml wesentlich mehr Spielraum“, schreibt vz.ru zum Schluss.

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    Tags:
    Widerstand, Gaslieferungen, Sanktionen, Nord Stream 2, US-Kongress, EU, Europa, Deutschland, USA, Russland