15:59 23 Juli 2018
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    „Damit Russland keine Existenzmittel hat“: US-Motive gegen neue Ostsee-Pipeline

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    Wirtschaft
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    Der Widerstand der USA gegen die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die mehr Erdgas-Lieferungen aus Russland nach Europa ermöglichen soll, hat sowohl wirtschaftliche als auch politische Hintergründe. Mit dem Thema beschäftigt sich die russische Onlinezeitung vz.ru.

    Vz.ru weist darauf hin, dass der kürzlich vom US-Senat verabschiedete Gesetzentwurf zu neuen Russland-Sanktionen im Klartext die Absicht bekräftige, das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 weiter zu bremsen.

    Die Onlinezeitung kommentiert:

    „Der politische Druck weist zweifelsohne einen wirtschaftlichen Hintergrund auf. Unter dem Deckmalmantel der Sorge um die ‚Energie-Sicherheit Europas‘ sowie um den Staatshaushalt des Ukraine, die nach der Inbetriebnahme der neuen Nord-Stream-Pipeline Milliarden Dollar verlieren wird, verdrängen die USA den russischen Konzern Gazprom vom europäischen Markt.“

    Technisch gebe es derzeit keine Hürden für Flüssigerdgas-Lieferungen aus Amerika nach Europa. In europäischen Ländern gebe es erforderliche Terminals. Nicht alle davon seien jedoch planmäßig ausgelastet, denn Pipeline-Gas aus Russland sei konkurrenzfähiger, stellt vz.ru fest.

    Anna Kokorewa, Analystin von Alpari, erläuterte: „Flüssigerdgas ist drei- bis viermal teurer als traditionelles Gas und apriorisch nicht in der Lage, damit zu konkurrieren. Selbst wenn man annimmt, dass es eine Konkurrenz zwischen den USA und Gazprom in Europa geben könnte, lassen sich da keine Marktmethoden anwenden.“

    Sergej Agibalow, Experte der in Moskau ansässigen Denkfabrik Institute for Energy and Finance, kommentierte für vz.ru:

    „Groß angelegte LNG-Lieferungen aus den USA auf den europäischen Markt werden durch niedrige Gaspreise am europäischen Markt verhindert, aber auch dadurch, dass es attraktivere Alternativen gibt – in Asien und in Lateinamerika. Eben dorthin wird US-Flüssigerdgas meistens geliefert.“

    Die Motive der Vereinigten Staaten sind laut Experten allerdings nicht rein wirtschaftlich. „Nord Stream 2 bedeutet zusätzliche Möglichkeiten in Sachen Gasexport und dadurch zusätzliche Einnahmen für Russland. Das Ziel der USA besteht darin, dass Russland keine Existenzmittel haben soll“, so Kokorewa.

    Agibalow sagte weiter: „Nicht nur die gegenwärtige US-Administration, sondern auch viele ihrer Vorgänger sind gegen russische Öl- und Gaspipeline-Projekte vorgegangen. Das Pipeline-Projekt Burgas-Alexandroupolis ist beispielsweise noch in den 2000er Jahren geplatzt – nicht zuletzt wegen des Widerstands der USA. Mittlerweile haben die Argumente der US-Administration auch einen geschäftlichen Hintergedanken – im Sinne der Förderung von US-Flüssigerdgas. Primär war jedoch eben die negative politische Betrachtungsweise russischer Projekte.“

    Kokorewa prognostizierte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die EU Nord Stream 2 blockieren wird, ist gering. Europa braucht unser Gas. Deshalb wird Europa seine Interessen verteidigen, denn es geht um seine Energie-Sicherheit.“

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    Tags:
    Sanktionen, Gaslieferungen, Flüssiggas, Nord Stream 2, EU, Gazprom, Asien, Lateinamerika, Europa, USA, Russland
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