04:10 16 Dezember 2018
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    Gasstation in der Westukraine (Archivbild)

    Kiewer Teufelskreis: Russisches Gas ist böse – russisches Gas-Geld ist gut

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    Wirtschaft
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    Die Beziehungen zu Russland abzubrechen, wo es nur geht, ist in Kiew inzwischen Staatsdoktrin. Auf diesem Irrweg manövriert sich die Ukraine zwangsläufig in eine Sackgasse, aus der sie alleine nicht mehr herausfindet, wie der Energiemarktexperte Stanislaw Mitrachowitsch dem Portal „rueconomics“ sagte.

    „Gas von Russland zu kaufen, kommt für Kiew nicht in Frage. Aber die Einnahmen aus dem Transit des russischen Gases zu verlieren, erzeugt auf einmal Panik.“ Dies sei ein Messen mit zweierlei Maß, sagte der Experte.

    Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte zuvor erklärt, Russland wolle der Ukraine zwei Milliarden US-Dollar wegnehmen, die das Land am Transit russischen Gases verdiene. Deshalb sei die Pipeline Nord Stream 2 „eine sehr große Bedrohung für die Ukraine“. Mit dieser Ostseeleitung würden keine wirtschaftlichen oder energiewirtschaftlichen Ziele verfolgt, so der ukrainische Präsident weiter.

    Dabei lägen gerade die wirtschaftlichen Vorteile von Nord Stream 2 klar auf der Hand, erklärt der Experte: „Durch die Leitung werden die EU-Länder russisches Gas deutlich günstiger bekommen. Die Einsparung beträgt mindestens 15 Prozent, je nach Entfernung der Länder von Russlands Grenzen.“

    Zudem könnten jene Länder, die russisches Gas dann durch Nord Stream 2 beziehen würden, noch an dessen Weiterleitung verdienen. „Für Deutschland und Österreich ist das sehr wichtig“, sagte der Fachmann.

    Mit seinen lautstarken Erklärungen wolle Poroschenko die Europäische Union dazu bringen, auf Nord Stream 2 zu verzichten. Ob dies gelinge, sei jedoch fraglich. „Nord Stream 2 ist für Europa von großem Vorteil“, betonte Mitrachowitsch.

    Zumal „Kiew sich mehrmals schon als unzuverlässiger Partner erwiesen hat und auch so weitermacht. Gegen Gazprom wurden aus dem Nichts heraus Vorwürfe erhoben, Aktiva und Dividenden des Konzerns wurden beschlagnahmt.“

    Ganz abgesehen davon, dass „das Pipelineprojekt Nord Stream 2 lange vor dem Streit zwischen Gazprom und Naftogaz gestartet wurde. Eine endgültige Entscheidung ist in dem Streit auch noch nicht getroffen.“

    Seit Juni 2014 verhandelt der internationale Wirtschaftsgerichtshof in Stockholm einen Streit zwischen dem russischen Gaskonzern Gazprom und dem ukrainischen Gasnetzbetreiber Naftogas. Streitpunkt sind Lieferverträge für russisches Gas und dessen Weiterleitung durch die Ukraine aus dem Jahr 2009. Gazprom fordert von Naftogas wegen Vertragsbruch insgesamt mehr als 37 Milliarden US-Dollar.

    Kiew erklärte im Mai dieses Jahres: Das Stockholmer Gericht habe Gazproms Ansprüche aus dem Vertragsgrundsatz „Take-or-Pay“ abgelehnt und das Verbot auf den Re-Export russischen Gases durch die Ukraine aufgehoben. Die Juristen des russischen Konzerns haben diese Gerichtsentscheidung später angefochten, wie das Portal schreibt.

    Außer diesen Spitzfindigkeiten ist eines aber auch sehr wichtig: Das ukrainische Gasnetz muss tiefgreifend modernisiert werden, wie der Experte sagte. „Schon Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre hieß es: Die ukrainische Gaswirtschaft ist zu über 50 Prozent verschlissen.“ Das sei eine ernste Gefahr für die europäischen Verbraucher. Für die Modernisierung aber würden Milliarden benötigt, die Kosten seien mit den Investitionen in Nord Stream 2 vergleichbar.

    Die EU könne solche Investitionen in ein fremdes Land nicht gebrauchen, auch Russland werde die Erneuerung der ukrainischen Gasleitungen nicht finanzieren, sagt der Spezialist. Ende 2019 laufen die Transitverträge mit Russland aus, Kiew werde darauf bestehen, sie neu zu verhandeln. „In die neuen Tarife würden dann die Modernisierungskosten und vor allem Kiews Finanzhunger eingehen. Dies zu bezahlen, wäre dann an Europa“, mahnt er.

    Die Ukraine verzichtet derweil darauf, ihr Gasnetz selbstständig zu erneuern. Damit solche Projekte sich rechnen, würden langfristige Liefergarantien großer Mengen russischen Gases benötigt. Doch die Ukraine breche alle Beziehungen zu Russland ab.

    „Russland und Europa werden das verschlissene Gasnetz der Ukraine nicht mehr nutzen. Damit schließt die Ukraine mit eigenen Händen einen Teufelskreis, aus dem sie nicht mehr herausfindet“, so Mitrachowitsch.

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    Tags:
    Gaslieferungen, Geld, Streit, Nord Stream 2, Naftogaz, Gazprom, Ukraine, Russland