05:23 22 November 2019
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    AHK-Chef Schepp: Deutsche Firmen trotz Sanktionen in Russland immer aktiver

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    Wirtschaft
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    Würden die neuen Sanktionen so umgesetzt, wie vom US-Senat beschlossen, hätte das weit gravierendere Folgen als die früheren Sanktionen, meint Matthias Schepp. Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) erwartet negative Folgen nicht nur für Wirtschaft, sondern auch für Politik.

    „Wir als Deutsch-Russische Auslandshandelskammer wären froh, wenn die Sanktionen schnell fallen würden. Sie haben nicht nur wirtschaftlich schlechte Folgen für beide Nationen, sondern auch auf politischem Gebiet“, sagte Schepp in einem Sputnik-Interview. „Niemand soll denken, dass sich Russland in die Richtung entwickelt, die wir uns im Westen wünschen. Wenn die Sanktionen 15 bis 20 Jahre bleiben, das wird Russland im Gegenteil abschotten und im Westen noch skeptischer gegenüber stehen lassen. Trotz der Sanktionen wird der Kurs der Wirtschaftsreformen hier weiter verfolgt. Wir sehen das daran, dass Russland im Investitionsranking der Weltbank von Platz 124 inzwischen auf Platz 40  hervorgekommen ist. Die Regierung hat es geschafft, dass der Reformkurs nicht stehengeblieben ist. In einigen Bereichen wurden bedeutende Fortschritte beim Investitionsklima erzielt.“

    Die Bereitschaft zur Lokalisierung zeichnet deutsche Unternehmen aus, sagte Schepp weiter.

    „Aus keinem anderen Land investieren und lokalisieren Firmen so viel, wie aus Deutschland in Russland“, stellte er fest. „Allein im vergangenen Jahr hat die von der Bundesbank gezahlte Summe rund  zwei Mrd. Euro betragen. Das ist eine seit vielen Jahren die höchste Ziffer.“

    Das Engagement deutscher Unternehmen in Russland ist trotz der Sanktionen stark geblieben und nimmt in diesen Monaten zu. Im Mai weihte der Elektronikkomponentenhersteller Phoenix Contact ein Werk in Moskau ein. Am 20. Juni legte Daimler den Grundstein seiner neuen Mercedes-Benz-Fabrik im Moskauer Gebiet. Das Unternehmen will über 250 Millionen Euro in den Produktionsstandort im Esipovo Industrial Park  investieren. Auch Bionorica plant demnächst die Grundsteinlegung für einen neuen Pharmakomplex in der zentralrussischen Stadt Woronesch. Der Messtechnik-Hersteller Wika Mera wird in den nächsten Monaten seinen Betrieb in Moskau eröffnen.

    Im Rahmen des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums Anfang Juni  vertieften deutsche Unternehmen wie Siemens, SAP (System Analysis and Program Development), Knauf und weitere mit Vertragsabschlüssen ihr Engagement in Russland. Deutschland ist momentan der zweitgrößte Außenhandelspartner Russlands nach China.

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    Tags:
    Interview, St. Petersburger Internationales Wirtschaftsforum (SPIEF) 2017, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), Matthias Schepp, Deutschland, Russland