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10:55 21 September 2019
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    Digitaler Angriff (Symbolbild)

    55 Milliarden Euro Schaden für Unternehmen durch Daten-Spionage und -Sabotage

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    Wirtschaft
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    Jedes zweite deutsche Unternehmen wurde in den vergangenen zwei Jahren digital angegriffen. Dennoch hat nur jedes dritte Unternehmen die Attacken gemeldet – aus Sorge vor Imageschäden. Das melden der Branchenverband Bitkom und das Bundesamt für Verfassungsschutz.

    Laut einer am Freitag in Berlin vom Verband und dem Verfassungsschutz vorgestellten Bitkom-Studie sind in den letzten beiden Jahren mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen Opfer von Wirtschaftsspionage, Sabotage und Datendiebstahl geworden. Dadurch sei ein Schaden von knapp 55 Milliarden Euro jährlich entstanden.

    In jedem sechsten Unternehmen wurden laut der Studie sensible digitale Daten gestohlen. Dabei seien in 17 Prozent der Fälle Kundedaten, in 11 Prozent der Fälle Patente oder Informationen aus Forschung und Entwicklung sowie in 10 Prozent Mitarbeiterdaten entwendet worden.

    „Die Angreifer haben es aber nicht immer ausschließlich oder direkt auf digitale Daten abgesehen. Häufigstes Delikt ist der Diebstahl von IT- oder Telekommunikationsgeräten wie Notebooks oder Smartphones. Davon waren 30 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren betroffen, wobei in der Regel unklar ist, ob die Täter es auf die Geräte an sich oder auf die darauf gespeicherten Daten abgesehen haben. Rund jedes fünfte Unternehmen berichtet von Social Engineering (Analoges Social Engineering 20 Prozent, Digitales Social Engineering 18 Prozent). Dabei werden Mitarbeiter manipuliert, um an sensible Informationen zu kommen, mit denen dann in einem weiteren Schritt zum Beispiel Schadsoftware auf die Firmenrechner gebracht werden kann.“

    Täter seien „besonders häufig aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens“. 62 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl wurden, hätten die Täter in diesem Personenkreis identifiziert. Der Großteil der Angriffe aber komme aus dem Ausland: „23 Prozent der Unternehmen berichten von Tätern aus Osteuropa, 20 Prozent aus China und 18 Prozent aus Russland. Erst danach folgen die USA (15 Prozent), die Summe aller westeuropäischen Länder (12 Prozent) und Japan (7 Prozent).“

    Bitkom machte darauf aufmerksam auch, dass nicht einmal jedes dritte Unternehmen bei solchen Vorfällen staatliche Stellen einschalten würde, was für eine Entwicklung von Abwehrstrategien sehr wichtig sei. Als Hauptgrund wird die Angst vor Imageschäden angeführt. Außerdem glauben die Unternehmen oft nicht, dass der Täter gefasst wird und halten den Aufwand für zu hoch. Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen meinte dazu: „Es gilt der Grundsatz ‚Need to share‘, wenn wir gemeinsam die deutsche Volkswirtschaft widerstandsfähiger gegen Wirtschaftsspionage machen wollen. Nur wenn Unternehmen Angriffe melden, können die Sicherheitsbehörden ein realitätsnahes Lagebild erstellen und Abwehrstrategien entwickeln.“

    Die Studie wurde von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt. Dabei wurden 1.069 Unternehmen mit 10 oder mehr Mitarbeitern befragt. Die Interviews wurden mit Führungskräften durchgeführt, die in ihrem Unternehmen für das Thema Wirtschaftsschutz verantwortlich sind. Dazu zählen Geschäftsführer sowie Führungskräfte aus den Bereichen Unternehmenssicherheit, IT-Sicherheit, Risikomanagement und Finanzen. Die Umfrage sei repräsentativ für die Gesamtwirtschaft, so Bitkom.

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    Tags:
    Daten, Unternehmen, Spionage, Sabotage, Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, Deutschland