08:30 23 April 2019
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    VW-Werk in Wolfsburg

    Wegen möglichen Autokartells: Vorzeigebranche zerbeult „Made in Germany“

    © AFP 2019 / Odd Andersen
    Wirtschaft
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    Vom Dieselgate immer noch angeschlagen stehen Deutschlands Top-Autobauer erneut unter Verdacht, ihr Geschäft unsauber zu betreiben. Die größten deutschen Automarken werden bezichtigt, das Wettbewerbsrecht seit den Neunzigerjahren mit einem riesigen Kartell regelrecht überrollt zu haben, wie der TV-Sender CNN berichtet.

    Auf dem Spiel steht eine ganze Menge. Sollte die EU nachweisen, dass deutsche Autobauer das Wettbewerbsrecht gebrochen haben, könnten Milliardenstrafen die Folge sein. Und der ganze Schaden würde weit über die Autokonzerne hinausreichen.

    Nicht nur, dass die deutsche Autoindustrie allein in der Bundesrepublik rund 800.000 Menschen beschäftigt und an die 20 Prozent der gesamten Industrieumsätze einfährt. Die deutschen Autobauer sind auch das Aushängeschild der größten Volkswirtschaft Europas.

    Jedes fünfte Auto weltweit trägt ein deutsches Markenschild auf dem Kühlergrill. Deren exzellenter Ruf hat dem Label „Made in Germany“ zu seinem Ansehen in der Welt verholfen.

    Volkswagen hatte jedoch in einem Brief an die deutschen Wettbewerbshüter letzten Sommer eingeräumt, möglicherweise gegen das Kartellrecht verstoßen zu haben. Dies berichtet der TV-Sender unter Berufung auf das Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

    Demnach sollen Hunderte Mitarbeiter von Volkswagen (samt dessen Töchtern Audi und Porsche), Daimler und BMW jahrzehntelang in 60 geheimen Arbeitsgruppen mitgewirkt haben, um den Wettbewerb im Autobau auszuhebeln – angefangen bei der Entwicklung neuer Modelle, Motoren und Abgassysteme bis hin zur Auswahl von Zulieferfirmen.

    Die Aktienmärkte haben auf das „Geständnis“ prompt reagiert: Am Freitag stürzten die Werte der drei Autokonzerne ein und sind heute, am Montag schwach gestartet – mit Verlusten von bis zu drei Prozent, wie CNN berichtet.

    Die EU-Kommission prüfe den Verdacht bereits, so CNN. Für weitere Spekulationen sei es aber zu früh, heißt es in einer Mitteilung der Kommission laut dem Sender. Das Bundeskartellamt sei auf einen Kommentar am Freitag nicht zu haben gewesen.

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    Tags:
    Vorwürfe, Kartell, Der Spiegel, CNN, Porsche, Daimler AG, VW-Konzern, Deutschland