00:33 16 Dezember 2017
SNA Radio
    Montage der Gasturbinen an einem Kraftwerk in Russland (Archivbild)

    Krim kommt ohne Siemens klar

    © Sputnik/ Alexander Kryazhew
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 2365

    Das Energieministerium der Krim arbeitet eifrig daran, die Halbinsel von der Außenversorgung mit Strom unabhängig zu machen – auch wenn die Anti-Russland-Sanktionen der EU dem im Wege stehen. Wenn dafür keine Siemens-Turbinen zur Verfügung stehen, kommt eben russische Technik zum Einsatz, berichtet die Onlinezeitung Gazeta.ru.

    Das Urlaubsstädtchen Saky im Westen der Krim ist jüngst in den Fokus von EU-Beamten und internationalen Medien gerückt: Dorthin wurden Berichten zufolge vier Gasturbinen für die Modernisierung des örtlichen Kraftwerks geliefert – entgegen den Anti-Russland-Sanktionen der EU.

    Hergestellt wurden die Anlagen von einem Gemeinschaftsunternehmen des deutschen Technologiekonzerns Siemens und des russischen Anlagenbauers Power Machines. Für den Einsatz in jenem Kraftwerk auf der Krim kommen diese Turbinen nun nicht mehr in Frage. Modernisiert werden muss das Kraftwerk aber – und zwar dringend.

    Der Strombedarf der Halbinsel Krim hing einst nämlich zu 90 Prozent an der Versorgung vom ukrainischen Festland. Die Ukraine hat die Versorgungsnetze schon vor Langem gekappt.

    Derzeit kommen über eine provisorische „Strombrücke“ 800 Megawatt aus dem Süden Russlands auf die Halbinsel, weitere 460 Megawatt erzeugen 15 mobile Hochleistungsgeneratoren, die bald nach dem Energiekollaps auf der Krim installiert wurden. Zusätzlichen Strom produzieren lokale Wärmekraftwerke, eines davon eben in der Stadt Saky.

    Bis 2020 soll die Krim ihren Strombedarf eigenständig decken, so sieht es der Entwicklungsplan der Regionalregierung vor. Deshalb soll unter anderem die Leistung des Kraftwerks von Saky auf 120 Megawatt erweitert werden – genau dafür waren die Siemens-Turbinen eigentlich bestimmt.

    Noch im April dieses Jahres – also vor dem Siemens-Debakel – hatte der Betreiber des Kraftwerks, die KrimTEZ AG, ein Konzept vorgeschlagen, wie das Kraftwerk mit russischer Ausrüstung modernisiert werden könnte.

    Nach einer erneuten Ausschreibung hat KrimTEZ den Zuschlag für die Umsetzung dieses Konzepts erhalten. Eine der Anforderungen in der Ausschreibung war: Die neuen Anlagen der Kraftwerksblöcke – also Dampf- und Gasturbinen, Dampfkessel, Generatoren – müssen auf russischem Territorium hergestellt werden.

    Die Ausrüstung stammt vom russischen Motorenbauer United Engine Corporation. Der Konzern liefert vier Gas- und zwei Dampfturbinen, die zu Kombikraftwerken gekoppelt werden. Ab dem ersten Quartal 2018 soll damit bereits Strom produziert werden.

    An dieser Frist halte man fest, versicherte der Vize-Energieminister der Krim, Andrej Tscheresow: „Die Frist steht fest. Das erste Quartal 2018. Daran ändert sich nichts. Unsere Hauptaufgabe ist, dass unsere Kraftwerke im ersten Quartal neuen Strom erzeugen. Die Krim ist russisches Territorium, und wir müssen es schützen“, sagte er.

    Zum Thema:

    Nach Skandal mit Siemens: Russland verpflichtet Turbinenbauer zu Code-Freigabe
    Deutsche Wirtschaft schlägt Ausweg aus Situation um Siemens-Gasturbinen vor
    Neue EU-Sanktionen: Nicht gegen Russland – sondern gegen Siemens
    Bundesaußenamt bereitet gesamteuropäische Antwort auf Skandal um Siemens-Turbinen vor
    Krim-Gasturbinen: Bleibt Siemens hart, fallen da in Russland selbst die ICE-Züge aus?
    Tags:
    Lieferung, Sanktionen, Skandal, Turbinen, Siemens, Krim, Russland, Deutschland