18:42 15 Dezember 2017
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    Proteste während Diesel-Gipfel in Berlin (Archivbild)

    Nicht die Software, die Hardware gehört überholt! – Experte zum Diesel-Gipfel

    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
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    Auf dem Diesel-Gipfel in Berlin wird über eine neue Software als Lösung des Problems gesprochen. Dabei muss die Hardware überholt werden, denn die jetzige sei eine reine „Mogelpackung“ – findet der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

    Beim Nationalen Forum Diesel, auch „Diesel-Gipfel“ genannt, am Mittwoch in Berlin soll nach einem technischen Ausweg aus der Dieselkrise gesucht werden. Die favorisierte Lösung für das Problem ist ein Software-Update. Medienberichten zufolge sollen rund fünf Millionen Dieselfahrzeuge mit einer solchen Software nachgerüstet und durch diese Maßnahme der Stickstoff-Ausstoß um 30 Prozent verringert werden. Doch kann ein Update einer Software, die vorher bei Abgaskontrollen manipuliert hat, wirklich die Lösung sein? War es nicht vielmehr so, dass die Software aus dem Grund manipulierte, weil die Hardware sonst nicht hielt was sie versprach?

    Ein Software-Update sei zwar „ein erster Ansatz“, aber nach dem aktuellen Kenntnisstand sei nicht davon auszugehen, dass damit die Probleme behoben würden, kommentiert Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer diesen Lösungsansatz. „Nach meiner Einschätzung wird auch nach der Software-Lösung das Risiko groß sein, dass Fahrverbote auf die Autofahrer zukommen können.“

    Eine erfolgversprechende Maßnahme hingegen wäre eine Nachrüstung mit einem SCR-Kat. Das ist eine Filteranlage, die Harnstoff in das Abgas einspritzt und die Stickoxide dabei in Wasser und Stickstoff zerlegt. Im Gegensatz zum Software-Update, das rund 100 Euro kosten soll, würde sich eine solche Hardware-Aufrüstung allerdings auf mindestens 1.500 Euro belaufen und diese Kosten würden nach Dudenhöffers Einschätzung die Autobauer nicht tragen. Also müsste der Kunde entweder in die eigene Tasche greifen oder weiter mit einem Fahrverbot rechnen.

    Überhaupt muss nach Ansicht des Experten die Hardware dringend verbessert werden, denn ihre Aufgabe sei es, das Diesel rein zu machen und gerade daran scheiterte auch der Großteil der neuen Euro-6-Diesel, die der Autoexperte deshalb auch als „Mogelpackungen“ bezeichnet.

    Im Vorfeld des Gipfels standen auch die unabhängigen Prüfinstanzen in der Kritik. Was den Vorwurf gegen das Kraftfahrtbundesamt betrifft, es habe seine Berichte über Porschefahrzeuge beschönigt, bemerkt der Experte, dass dieses Amt schon seit zwei Jahren in massiver Kritik stünde und schließt daraus: „Es wäre notwendig, dass man diese Behörde neu ausgestaltet, auch in ihren Kompetenzen und Teile der Aufgaben, die dort etabliert sind, in andere Behörden gibt, die sie mit mehr Kompetenz ausführen können.“

    Die Empörung des ADAC dagegen, dass Verbraucherverbände nicht zu dem Gipfel eingeladen worden sind, teilt Dudenhöffer nur bedingt: Es sei zwar „ungewöhnlich“, dass nur mit der Automobilindustrie auf so einem Gipfel gesprochen würde. Aber der Gipfel selbst sei als Zukunftsgipfel gedacht, auf dem Perspektiven für die Mobilität und Reparaturlösungen diskutiert werden sollten. Und da hätten nach Ansicht Dudenhöffers die Verbraucherschützer „auch nicht mehr sagen können, als dass sie den jetzigen Stand nicht akzeptabel finden.“

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview mit Ferdinand Dudenhöffer zum Nachhören:

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    Tags:
    Proteste, Skandal, Abgasen, Software, Gipfel, Ferdinand Dudenhöffer, Deutschland
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