15:04 15 Dezember 2017
SNA Radio
    Start der Rakete nach ISS (Archivbild)

    Experte rät: Das machen, was US-Sanktionsgesetz gerade nicht vorschreibt

    © Sputnik/ Sergej Mamontow
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    61522

    Um gegen die antirussischen Sanktionen für die USA empfindlich vorzugehen, soll Russland laut dem Moskauer Politologen und Ex-Diplomaten Nikolaj Platoschkin dem Beispiel der EU-Staaten folgen.

    „2002 haben die Amerikaner große Sanktionen gegen die Stahlerzeuger der Europäischen Union in Kraft gesetzt“, erläutert er im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Die Europäer haben prompt reagiert und die Sanktionen gegen die genmodifizierten Produkte aus den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen.“

    Was weiter passierte, beschreibt Platoschkin folgendermaßen: „Die Senatoren von den Staaten, die solche Produkte produzierten, hatten sofort begonnen, sich für die Abschaffung der Sanktionen gegen die Europäische Union einzusetzen. Das sollen wir auch machen!“

    Der Experte schlägt vor: „In dem Gesetzentwurf steht, dass die Sanktionen nicht für die Weltraumfahrt gelten sollen – dann lassen wir sie doch gelten. Dann kann die US-Raumfahrtbehörde Nasa keinen Astronauten mehr zur ISS befördern. Die Senatoren vom Staat Texas, sehr einflussreich in den Vereinigten Staaten, würden sofort bei den Kongressleuten vorstellig werden, die Sanktionen gegen Russland zu überdenken. Leider verstehen die Amerikaner keine andere Sprache.“

    Im Gesetzentwurf stehe fest, dass alle Sanktionen nur Russland schaden müssten, aber bloß nicht dem amerikanischen Binnenmarkt, fährt Platoschkin fort.

    „Dann verhängen wir Sanktionen, die den Amerikanern mehr schaden, nicht aber dem russischen Binnenmarkt. In der Weltraumfahrt beispielsweise gibt es eine Zusammenarbeit mit den Europäern, Japanern, mit den Chinesen. Wir können mit unseren Raketen mehr Satelliten aus diesen Staaten ins Weltall schießen und auch mehr Menschen zu der Internationalen Weltraumstation befördern.“

    Wenn die Amerikaner bereit seien, die Energiesicherheit der Europäer aufs Spiel zu setzen, nicht aber ihre eigene, äußert der Experte, „dann müssen wir leider das auch machen. Nicht wir haben das begonnen.“

    Auch McDonald‘s in Russland verbieten?

    Das hält der Experte für Blödsinn. „Warum sollen wir gegen einfache Menschen und Gesellschaften vorgehen? Das haben sie doch nicht verschuldet. Die Sanktionen werden gegen Präsident Trump gerichtet. Er darf jetzt auch die bisherigen Sanktionen nicht mehr ohne den Kongress abschaffen. Wieso sollen wir dann etwas gegen McDonald‘s unternehmen? Die russischen jungen Leute, schätzen McDonald‘s sehr, vor allem aber nicht wegen der Buletten, sondern wegen des WLANs. Sollen sie doch dabei bleiben.“

    Gibt es in Deutschland Politiker von Maßstab?

    Während des Kalten Krieges konnten die deutsche Wirtschaft und Politik dem US-Embargo im Röhren-Erdgas-Geschäft mit der Sowjetunion widerstehen. Mit Wehmut erinnert sich Platoschkin an Helmut Kohl, mit dem er mehrmals gesprochen hat.

    „Er war nicht unbedingt ein Freund der Sowjetunion. Er war aber eine Persönlichkeit, die mit sich nicht umspringen ließ. Unter Helmut Kohl haben sich die Deutschen erfolgreich gegen die amerikanischen Sanktionen von damals gewehrt, weil die Sanktionen gegen Erdgaslieferungen aus der Sowjetunion vor allem den Deutschen schadeten.“

    Sie wären den Verträgen mit der einstigen Sowjetunion treu, „und sieh mal da: die Bundesrepublik ist nach wie vor Nato-Mitglied, und die Russen haben mit diesen Gaslieferungen keine kommunistische Revolution gestartet.“

    Der Politologe bemängelt jetzt die standhaften Politiker in Deutschland. „Viele sind in Büros aufgewachsen, als Referenten, Gehilfen usw. Deshalb hoffe ich, dass sich nach den Bundestagswahlen eine Regierung bildet, die einfach mehr Unabhängigkeit zeigt und stärker deutsche Interessen verteidigt, egal, zusammen mit Russland oder für sich selbst.“

    Das komplette Interview mit Nikolaj Platoschkin zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Putin schuldet US-Kongress Dankeschön für Sanktionen – Forbes
    Vier Nichtmitglieder der EU unterstützen EU-Sanktionen gegen Russland
    Moskau: Erklärungen des Weißen Hauses über Sanktionen sind widersprüchlich
    Tags:
    Gegenmaßnahmen, Sanktionen, ISS, EU, McDonald’s, Nikolaj Platoschkin, Nikolaj Jolkin, Helmut Kohl, Deutschland, Russland, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren