Widgets Magazine
10:15 19 September 2019
SNA Radio
    Nord-Stream-Mitarbeiter in Lubmin, Deutschland

    Gazprom schickt „ukrainisches“ Gas nun durch Deutschland

    © AFP 2019 / John Macdougal
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    712707
    Abonnieren

    Nach dem Wegfall der Nutzungsbeschränkungen für die Pipeline-Anbindungsleitung (OPAL) hat der russische Exporteur Gazprom Medienberichten zufolge den Gastransit durch die deutsche Leitung aufgestockt. Zugleich pumpt der russische Staatskonzern weniger Erdgas durch die Ukraine und die Slowakei.

    Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hatte in dieser Woche der Vermarktung von Kapazitäten der Gasleitung OPAL grünes Licht gegeben. Damit bekam Gazprom ab dem 2. August – nach rund sechs Monaten Pause – wieder die Möglichkeit, zusätzlich 40 Prozent der OPAL-Kapazitäten zu ersteigern. Diese werden durch tägliche Versteigerungen vergeben.

    Schon am 2. August wuchs die Tagesauslastung dieser Pipeline nach Angaben des Betreibens OPAL Gastransport um ein Viertel auf 71,5 Millionen Kubikmeter, schreibt die russische Zeitung „Wedomosti“. „Bei Vollauslastung der Kapazitäten könnten durch diese Leitung zusätzlich bis zu 33,3 Millionen Kubikmeter pro Tag oder mehr als zwölf Milliarden Kubikmeter pro Jahr strömen.“

    „Offenbar verlagert Gazprom Erdgas für OPAL aus der Transitrichtung Ukraine“, schreibt die Zeitung weiter. Nach Angaben des slowakischen Betreibers Eustream werden am Donnerstag nur 155,1 Millionen Kubikmeter russisches Erdgas durch die Verdichterstation Veľké Kapušany gepumpt. Am Tag davor seien es noch 161 Millionen Kubikmeter gewesen.

    Energieexperte Alexej Griwatsch hält es für durchaus nachvollziehbar, dass Gazprom Erdgas durch die OPAL-Leitung statt durch die Ukraine nach Westeuropa pumpen wolle. „Denn der Transport durch die Ostsee-Pipeline ist deutlich billiger“, sagte der Experte zu „Wedomosti“.

    Nach Angaben des russischen Exporteurs Gazprom kostet der Gastransport durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2,1 US-Dollar je 1000 Kubikmeter/100 Kilometer, der Transit durch die Ukraine 2,5 Dollar.

    Die Ostsee-Pipeline war 2011 von Russland direkt nach Deutschland gebaut worden, um die Abhängigkeit von dem instabilen Transitland Ukraine zu verringern. Zum Jahreswechsel 2008/2009 war es zu einem mehr als zwei Wochen langen Lieferstopp für europäische Verbraucher gekommen, weil die Ukraine das Transitgas für sich abzweigte. Laut „Wedomosti“ könnten dem finanziell angeschlagenen Land nun Hunderte Millionen Dollar Transiteinnahmen entgehen, sollte die OPAL-Leitung voll ausgelastet werden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Ukraine fordert neuen Milliardenkredit: „Extra für Gaseinkäufe“
    Bezahlt die EU Erdgas für Ukraine? Gespräche in Wien geplant
    Russland siegt vor Londoner Gericht: Ukraine soll Milliardenkredit zurückzahlen
    Tags:
    Gazprom, Deutschland, Russland