15:55 13 Dezember 2017
SNA Radio
    Das Leipziger Stahlbauunternehmen IMO Leipzig (Archivbild)

    Leipziger Firma insolvent wegen Energiewende und Russland-Sanktionen

    CC BY 3.0 / Joeb07 / Leipzig IMO
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    1722124

    Das Leipziger Stahlbauunternehmen IMO Leipzig ist insolvent. Ein Grund für die Pleite der Traditionsfirma, die unter anderem den Berliner Fernsehturm gebaut hat, sind die gegen Russland verhängten Sanktionen. Wichtige Auftraggeber von IMO Leipzig sitzen in Russland und die Firma selbst hat Dependancen in St. Petersburg und Kasachstan.

    Die IMO Leipzig ist bereits seit 120 Jahren im Stahlgeschäft tätig. Zu DDR-Zeiten spezialisierte sich die Firma auf den Bau von Kraftwerken und führte auch komplexe Schweißaufgaben an Atomkraftwerken aus. Aber auch im zivilen Bereich glänzte die Firma mit spektakulären Stahlkonstruktionen, wie dem Berliner Fernsehturm. Nach der Wende setzte man weiter auf den Kraftwerksbau, erweiterte das Spektrum aber auch auf Parkhäuser oder Stahlbrücken. Erst die Energiewende und in den letzten Jahren vor allem die von der EU verhängten Sanktionen auf die Zusammenarbeit mit Russland wurden der Firma zum Verhängnis.

    Die Bundesregierung beschloss, keine neuen Großkraftwerke zu bauen und stattdessen erneuerbare Energien zu subventionieren. IMO Leipzig hatte sich zu dem Zeitpunkt auf den Bau neuer Kraftwerke für die ostdeutschen Bundesländer spezialisiert. Außerdem setzte das Unternehmen auf die guten Kontakte nach Russland, die noch aus Ostzeiten bestanden. IMO Leipzig eröffnete  Niederlassungen in Russland und Kasachstan. Als dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen war, verhängte die EU Sanktionen auf den Handel mit Russland, die unter anderem auch sehr stark den Bereich des Maschinenbaus und der Stahlproduktion betreffen. Dies brach der Firma letzten Endes das Genick.

    Das Amtsgericht Leipzig setzte Ende Juli Prof. Dr. Nikolaus Schmidt als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Schmidt sieht nach einer Woche, in der er sich mit der Lage der Firma vertraut gemacht hat, die Gründe für die Insolvenz ähnlich:

    „Der eine Grund ist die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende, mit der ein Niedergang des Kraftwerkbaus einherging, was der Hauptgeschäftsbereich des Unternehmens war.  Daraufhin hat sich das Unternehmen umorientiert und auf die historische Beziehung zu Russland konzentriert und Niederlassungen in Kasachstan und St. Petersburg gegründet. Dann kam es zum Crash durch die EU-Russland-Sanktionen.“

    Allein in Leipzig bangen jetzt 228 Mitarbeiter um ihre Existenz. Nun wird nach einem Käufer für die Traditionsfirma gesucht. Es wird versucht, die Dependancen in St. Petersburg und Kasachstan aus der Firma herauszulösen und zu retten.

    Der Insolvenzverwalter bestätigte im Sputnik-Interview:

    „Wir prüfen gerade, ob die Dependancen dort überhaupt von der Insolvenz betroffen sind, da diese Niederlassungen als selbstständige Dependancen wirtschaften und in den Landesregistern entsprechend eingetragen sind.“

    Schmidt weist auch darauf hin, dass durchaus nicht nur militärische Projekte unter die EU-Russland-Sanktionen fallen, sondern sämtliche Stahlprojekte:

    „Das Unternehmen konzentriert sich auf hochspezialisierte Stahlhochbauprojekte, wie das Schweißen von Stahlkonstruktionen von Kernkraftwerken, die Konstruktion und Umsetzung von Stahlbau-Parkhäusern oder auch großer Stahlbrücken. All solche Stahlwerkskonstruktionen, also auch im zivilen Sektor, fallen unter die Sanktionen.“

    Montage der Gasturbinen an einem Kraftwerk in Russland (Archivbild)
    © Sputnik/ Alexander Kryazhew
    Prof. Schmidt hat nach Sichtung der Unterlagen einen Insolvenzplan erstellt und in einem ersten Schritt durch das Vorziehen von Aufträgen die Lohnfortzahlung der Mitarbeiter für die nächsten drei Monate bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens gesichert. Das Hauptaugenmerk liegt jetzt auf der Suche nach Investoren und Käufern, da es laut Schmidt sehr unwahrscheinlich, dass das Unternehmen aus sich heraus saniert werden kann. Es gibt, so Schmidt, auch bereits erste Interessenten aus Deutschland, man suche aber auch nach Käufern im Ausland, unter anderem in Russland.

    Insgesamt gibt sich Schmidt positiv und betont:

    „Die Firma hat hochqualifizierte, erfahrene Mitarbeiter, die teilweise schon 25-30 Jahre dort arbeiten. Diese spezialisierten Mitarbeiter sind absolute Fachkräfte und auch am Markt sehr gefragt.“

    Armin Siebert

    Das komplette Interview zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Wien fordert EU-weite Reaktion auf US-Sanktionen gegen Russland
    Moskau zu US-Sanktionen: Russland ändert seinen Kurs unter Druck und Drohungen nicht
    Nordkorea kritisiert neue US-Sanktionen
    Tags:
    Folgen, Sanktionen, Sputnik, EU, Russland, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren