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12:32 22 September 2019
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    USA auf europäischem Gasmarkt nur schwache Konkurrenz für Russland – Rohstoffexperte

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    Wirtschaft
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    Flüssiggas aus den USA wird laut Eugen Weinberg, Rohstoffspezialist der Commerzbank, den europäischen Markt nicht dominieren können. Im Interview mit den „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ sagte er, der Lieferumfang sei nicht mit dem von russischem Gas vergleichbar, selbst wenn das Pipelineprojekt Nord Stream 2 nicht abgeschlossen werden sollte.

    Wie Weinberg erläuterte, werden die neuen antirussischen US-Sanktionen eher einen positiven Einfluss auf die Preise in der Öl- und Gasindustrie haben.

    „Wenn sich die Sanktionen auf die Öl- und Gaspreisentwicklung auswirken, dann eher positiv. Denn die Sanktionen dürften vor allem den Ausbau der Transport und Förderinfrastruktur beeinträchtigen, während die Nachfrage weiter steigen wird“, so der Experte im Gespräch mit den „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“.

    Die Sanktionen könnten ihm zufolge auf mehreren Ebenen wirken: Einerseits würden sich die Bauarbeiten an den Pipelines – die Transportinfrastruktur – verlängern. Andererseits würden sie den Technologietransfer nach Russland, der für die Förderung von eigenen Vorkommen notwendig sei, deutlich beschränken.

    Trotz der in den Medien und in politischen Kreisen vorherrschenden Meinung, die USA seien mit ihrem LNG-Gas ein großer Konkurrent für Russland und deshalb die Sanktionen als Handelskrieg einzustufen, rief Weinberg dazu auf, diesen Effekt nicht überzubewerten. Ihm zufolge würden die USA auch ohne Nord Stream 2 Flüssiggas nach Europa liefern und dieser Effekt im „gesamten Energiemix“ eher gering sein. 

    „Zum anderen aber wird auch Russland weiterhin Erdgas nach Europa im gleichen Umfang liefern. Natürlich ist LNG aus den USA eine Konkurrenz für russisches Gas, doch sind die Dimensionen überhaupt nicht vergleichbar. LNG aus den USA wird einen kleinen Einfluss haben und dürfte eher den Konkurrenzkampf um europäische Kunden stärken“, betonte der Rohstoffexperte.

    Ferner räumte er jedoch ein, dass die Umsetzung von Nord Stream 2 gefährdet sei. Die Energiesicherheit Deutschlands sei allerdings, wenn überhaupt, „nur geringfügig beeinflusst“. 

    Weinberg erläuterte, in Europa nehme die Bedeutung des deutschen Markts nicht ab – auch ohne die zusätzlichen Importe über diese Pipeline. Nord Stream 2 würde laut ihm Deutschland sicherlich in eine noch bessere Position katapultieren, doch von einer Gefährdung der Energiesicherheit könne nicht die Rede sein.

    Wie Weinberg im Gespräch mit den „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ zuletzt anmerkte, bot Russland in den letzten Jahren sein Erdgas teuer an, aber es verfüge über die Möglichkeit, günstigere Bedingungen im Vergleich zu Lieferungen von Flüssiggas aus den USA zu schaffen. In Bezug auf LNG-Gas aus den USA verwies er zudem darauf, dass die Preisgestaltung nicht transparent sei.

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    Tags:
    Energiesicherheit, Flüssiggas, LNG, Gas, Nord Stream 2, Commerzbank, Eugen Weinberg, Europa, Deutschland, USA, Russland