09:12 14 November 2019
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    „Sinnlose Politik“: Ukraine befürchtet Probleme mit Gastransit

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    Wirtschaft
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    Der ukrainische Energieminister Igor Nassalik hat vor möglichen Problemen mit dem Transit von russischem Gas durch die Ukraine gewarnt. Der Gasnetzbetreiber Ukrtransgaz wird ihm zufolge wegen mangelnder Investitionen nicht dazu in der Lage sein, Gas zu pumpen.

    „Ich finde die Politik von Naftogas in Bezug auf das Transportsystem unsinnig. Sie haben sich selbst einen Strich dadurch gemacht und schauen nicht auf das Jahr 2019“, so der Minister. „Mit dieser Position von Naftogas könnte es dazu kommen, dass Ukrtransgaz technisch nicht dazu bereit sein wird, Gas zu pumpen.“ Die mögliche Nichtbereitschaft des Erdganstransportnetzes zum Gastransit ist dem Minister zufolge eine Katastrophe.

    Dabei betonte er, dass die Vorbereitung des Energiesektors auf den Winter planmäßig laufe. „Ich habe im Großen und Ganzen keine Probleme mit dem Übergang zu der Herbst-Winter-Periode“, sagte Nassalik.

    Transit wird reduziert

    Die Probleme Kiews werden immer schwerwiegender, weil der russische Exporteuer Gazprom begonnen hat, den Transit durch die Ukraine zu reduzieren.

    Am 1. August hatten erstmals nach langer Zeit Auktionen für teilregulierte OPAL-Transportkapazitäten stattgefunden. Gazprom bekam das Recht auf 40 Prozent von ihnen. Am 2. August vergrößerte sich die Kapazität der Gaspipeline von 56 Millionen auf bis zu 61 Millionen Kubikmeter pro Tag. 

    Am Donnerstag betrug die durchschnittliche Kapazität 2,337 Millionen Kubikmeter pro Stunde; am Mittwoch erreichte sie 2,976 Millionen.

    Nach Angaben des slowakischen Betreibers Eustream wurden am Dienstag 161 Millionen Kubikmeter russisches Erdgas durch die Verdichterstation Veľké Kapušany gepumpt. Am Mittwoch nur 147,6 Millionen. Am späten Abend des gleichen Tages wurde die Anfrage an den Gastransit durch die Ukraine auf 155,1 Millionen korrigiert. 

    Dmitri Marintschenko, Abteilungschef bei der Ratingagentur Fitch Ratings, sagte gegenüber der russischen Zeitung „Wedomosti“, dass der Gazprom-Konzern, der ständig sage, dass er sich wünsche, auf Gaslieferungen durch die Ukraine zu verzichten, maximal die OPAL-Kapazitäten nutzen werde.

    Die möglichen Verluste Kiews, das wegen OPAL 20 Prozent vom Jahrestransit verlieren könnte, betragen nach Einschätzung von Marintschenko etwa 400 Millionen US-Dollar.

    Vorteil für Gazprom

    Energieexperte Alexej Griwatsch hält es für durchaus nachvollziehbar, dass Gazprom Erdgas durch die OPAL-Leitung statt durch die Ukraine nach Westeuropa pumpen wolle. „Denn der Transport durch die Ostsee-Pipeline ist deutlich billiger“, sagte er gegenüber „Wedomosti“.

    „Der Tarif (für die Gasdurchleitung durch OPAL – Anm. d. Red.) ist einfach billiger. Es geht um einen Unterschied von mehreren Dollar, wenn wir über die Lieferung nach Baumgarten sprechen. Wenn wir beispielweise über die Lieferung auf den Markt Tschechiens oder in den Süden Deutschlands sprechen, ist die Einsparung wesentlich höher. Zudem sollte man nicht vergessen, dass OPAL auch eine gemeinsame Investition von Gazprom und Wintershall ist, das heißt also eine doppelt günstige Transportrichtung“, so der Experte.

    „Keine Katastrophe, aber spürbar“

    Ukrainische Experten teilen die Meinung, dass das Unternehmen Gazprom den Gastransit durch die Ukraine reduzieren werde.

    „Höchstwahrscheinlich wird das Volumen von der ukrainischen Route auf die OPAL-Route verlegt. Derzeit spürt man das nicht“, sagte der ehemalige Vize-Präsident und amtierende Chefingenieur des ukrainischen Gasnetzbetreibers Ukrtransgaz, Igor Burak.

    Ihm zufolge werden etwa 250 bis 260 Kubikmeter Gas pro Tag durch die Ukraine nach Europa transportiert, aber falls dieses Volumen durch die Vergrößerung der OPAL-Kapazität reduziert werden sollte, werde dies die Ukraine wahrnehmbar.

    „Es wird kurzfristig gesehen keine Katastrophe geben, aber es wird spürbar sein“, so Burak.

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    Tags:
    Reduzierung, Transit, Gas, Wintershall, Gazprom, Russland, Ukraine