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09:26 19 September 2019
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    Gedenkstag der islamischen Revolution in Tehran (Archivbild)

    US-Sanktionen auch gegen Iran: Welche Folgen hat Teheran zu befürchten?

    © AFP 2019 / ATTA KENARE
    Wirtschaft
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    Das jüngste Sanktionsgesetz sieht Strafmaßnahmen nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen Nordkorea und den Iran vor. Die Sanktionen gegen Teheran seien allerdings nur psychologischer Natur, sagt der iranische Ökonom und Politikwissenschaftler Behrooz Abdolvand im Sputnik-Interview.

    Nachdem die langjährigen Sanktionen im Rahmen des Atomdeals. Anfang 2016 aufgehoben wurden, würden sich die Iraner innenpolitisch psychologisch viel besser fühlen, meint der Geschäftsführer der DESB, einem Consulting-Unternehmen mit Fokus auf das Iran-Geschäft, im Interview mit Bolle Selke. Er erklärt:

    „Die Lösung des Konfliktes hat eine Integration in die Weltwirtschaft versprochen und man hofft immer noch. Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Auswirkungen mindestens auf der Bank- und Finanzebene immer noch schwierig, während sich aber die wirtschaftliche Entwicklung auf industrieller Basis rasant entwickelt hat. Viele französische Automobilbauer sind im Iran. VW versucht gerade dort ein neues Werk aufzubauen, Boeing und Airbus verkaufen ihre Flugzeuge. Das bedeutet, es hat sich vieles geändert, aber das Bankensystem hat sich bisher noch gesperrt und in diesem Sektor kann man sehr wenig Bewegung feststellen.“

    Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch hätten sich die Beziehungen zur Europäischen Union (EU) verbessert, so der Experte. Er verweist auf die Amtseinführung von Präsident Hassan Rohani am vergangenen Samstag, bei der auch die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini anwesend war. Für den Politologen war das ein sehr deutliches Signal, dass die EU sich an die Atomvereinbarungen halten und die Beziehungen mit Iran weiter pflegen werde.

    Da die Amerikaner die Integration von Iran in das Dollarsystem abgelehnt hätten, konnte man von Anfang an davon ausgehen, dass sich vor allem europäische Firmen wirtschaftlich im Iran integrieren würden, so Dr. Abdolvand.

    Die neuen Sanktionen würden sich mit Sicherheit zumindest psychologisch auf den Iran auswirken. Der Experte für Energiepolitik erklärt:

    „Sehr viele Firmen betrachten die Sanktionen als einen neuen Prozess. Wenn man aber die Inhalte berücksichtigt, ist es nur eine Erweiterung der alten Sanktionsprozesse und die Firmen und Personen, die die USA auf die Sanktionsliste gestellt haben, waren sowieso allen Marktteilnehmern bekannt. Alle, die mit Compliance zu tun haben, würden mit Sicherheit auch unter normalen Bedingungen nicht mit diesen Firmen arbeiten. Operativ hat das sehr wenig gewirkt, aber psychologisch haben sehr viele Firmen das Gefühl, dass ein neuer Druck von der US-Seite zustande gekommen ist.“

    Dann verweist der Experte allerdings auf den neuen Vertrag, den Renault gestern mit den iranischen Unternehmen Idro und Negin geschlossen hat. Der französische Autobauer hat die Iraner mit dem Bau von 150.000 Fahrzeugen beauftragt – mit einem Umfang von 660 Millionen Euro, das bisher größte Geschäft zwischen beiden Parteien. Das hieße also, europäische Firmen würden sich nicht von den Sanktionen beeindrucken lassen.    

    Natürlich erwarte man in Teheran, dass sich die US-iranischen Beziehungen nun politisch ein bisschen verschlechtern würden. Aber generell seien die Iraner sehr ruhig und die iranische Wirtschaft sei bemüht ihre Beziehungen mit der EU, China, Indien und Russland zu verbessern. Der Politologe resümiert:

    Plakat mit Donald Trump auf dem Boden während der Demonstration im Iran
    © AP Photo / Vahid Salemi
    „Wenn man aber generell das Verhalten der USA beurteilen soll, dann kann man feststellen, dass die USA überhaupt Kontinuität in der Außenpolitik haben. Bei jedem Präsidentenwechsel während des Kalten Krieges gab es keine große Differenz zwischen den außenpolitischen Trends, aber im Moment haben die USA eine Identitätskrise. Das liegt an der Transformation von einer unipolaren  zu einer multipolaren Welt. Die USA versuchen mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts die Politik des 21. Jahrhunderts zu beeinflussen. Das wird ihnen nicht gelingen. Die Welt ist viel diversifizierter als man denkt und der Trend entwickelt sich in Richtung Multipolarität. Einer der wichtigsten Akteure in dieser multipolaren Welt ist der Iran. Man muss akzeptieren, dass die Integration des Irans eine wichtige Herausforderung für die ganze Welt ist.“

    Die EU tue dies, und Abdolvand denkt, dass Handel und Wandel miteinander kommen würden. Wenn die EU mit dem Iran mehr wirtschaftliche Beziehungen hätte, könne sie auch politisch mehr auf die islamische Republik wirken.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Druck, Energiepolitik, Folgen, Sanktionen, Bolle Selke, Russland, Iran, USA