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12:04 21 August 2019
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    Präsentation des Transportflugzeugs An-132

    Flugzeugbauer Antonov: Einstiger Gigant will nochmal hoch hinaus – mit fremden Händen

    © Sputnik / Mikhaul Markiw
    Wirtschaft
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    Ganze 70 Flugzeuge will der ukrainische Luftfahrtkonzern Antonov in den nächsten fünf Jahren bauen. Ein ambitioniertes Ziel, findet der Experte Roman Gussarow vom Verkehrsausschuss der russischen Staatsduma (Unterhaus). Dieses Ziel zu erreichen, gelingt demnach nur durch den Ausverkauf geistigen Eigentums des Flugzeugbauers.

    „Solche großangelegten Pläne sind für das heutige Antonov-Werk einfach zu viel. Dies ist jenseits der Möglichkeiten des Konzerns“, sagte der Fachmann im Gespräch mit dem Portal „rueconomics“. „Antonov ist heute mehr ein Entwickler als ein Flugzeugbauer. Insofern glaube ich nicht, dass es gelingt, die erklärten Ziele zu erreichen. Es sei denn, man verlagert die Produktion ins Ausland und verkauft Lizenzen an andere Länder.“

    Die Produktionskapazitäten des einstigen Giganten reichen laut dem Experten für 70 Flugzeuge innerhalb von fünf Jahren also nicht mehr aus. Und in den letzten zehn Jahren sind die meisten Antonov-Maschinen nicht in der Ukraine, sondern in Russland gebaut worden, wie Gussarow betont. 

    Der ukrainische Luftfahrtkonzern hatte zuvor seine Produktionspläne veröffentlicht. Demnach sollen in den nächsten fünf Jahren mindestens 70 Flugzeuge gebaut werden, darunter 20 Transportmaschinen An-178. Diese sollen in die Länder der GUS, Afrikas, Asiens sowie in die Türkei geliefert werden. Zudem wolle Antonov den Markt für Regionalverkehrsmaschinen wieder erschließen, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

    Inzwischen ist Antonov eine Sparte des ukrainischen Rüstungskonzerns Ukroboronprom. Deshalb könne der Flugzeugbauer auf den Import russischer Komponenten nun verzichten, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns: „Betrug der Anteil russischer Komponenten an der Produktion der An-178 im Jahr 2015 noch 41 Prozent, so konnte das Unternehmen im Jahr 2016 schon gänzlich auf die Bauteile aus diesem Land verzichten“. Das Werk werde nun von anderen Zulieferern beliefert.

    Gussarow bezweifelt auch dies: „Es ist sehr schwierig, den Import von Komponenten für jene Projekte zu ersetzen, an denen Russland tiefgreifend beteiligt war.“ Bei einer Militärmaschine wie der An-178 könne man sicherlich Bauteile aus dem Ausland verwenden und das Flugzeug dann auch ohne Zertifizierung auf den Markt bringen. Aber „die Vermarktung von Passagierflugzeugen ohne Zertifizierung ist unmöglich“.

    Sicherlich könnte das erklärte Ziel von 70 Flugzeugen für Antonov ein Durchbruch werden – wenn es denn umgesetzt wird. Doch: „Wenn Antonov früher schon, als der russische Markt für den Konzern noch offen war, solche Vorhaben nicht in die Tat umsetzen konnte, wie will das Unternehmen dies heute schaffen – ohne russische Partner und Zulieferer? Da gibt es nur einen Ausweg. Und zwar den Ausverkauf geistigen Kapitals. Darauf ist die heutige Ukraine aber ohnehin orientiert.“

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    Tags:
    Import, Ausland, Kooperation, Entwicklung, Flugzeug, Staatsduma, GUS, Flugzeugbauer KB Antonow, Ukraine