16:02 13 Dezember 2017
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    Das russisch-deutsche Projekt „European XFEL“

    XFEL: Revolutionäre Idee aus Russland – Weltbester Röntgen-Laser bei Hamburg

    © AFP 2017/ TOBIAS SCHWARZ
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    Der "European XFEL" ist eine Weltneuheit - und basiert auf einer Idee russischer Wissenschaftler. Die kommt aus der Vergangenheit und verspricht der internationalen Forschergemeinde eine große Zukunft – auch mit Russen, die aktuell mitarbeiten. Russland ist zudem der zweitwichtigste Geldgeber der international einzigartigen Anlage.

    Maßgeblich verantwortlich für das Laser-Unikat in Schenefeld bei Hamburg war der russische Physiker Prof. Jewgenij Saldin mit seinem Team in den 80er Jahren. Das sagte Dr. Thomas Tschentscher, Mitglied im XFEL-Management-Board, gegenüber Sputnik am Rande der feierlichen Einweihungszeremonie am Freitag auf dem Gelände: „Jewgenij Saldin, der immer noch hier in Hamburg ist, ist als erster zu nennen.“

     

    Bereits Konrad Röntgen träumte von einer technischen Weiterentwicklung der Röntgenstrahlen. Diese hatte der deutsche Physiker 1896 entdeckt und sie tragen seitdem seinen Namen. „Wir werden das sehen, was wir sehen werden. Wir müssen aber jetzt beginnen; die Entwicklungen werden im Laufe der Zeit folgen.“

    Das russisch-deutsche Projekt „European XFEL“
    © Sputnik/
    Das russisch-deutsche Projekt „European XFEL“

    Mit diesen Worten vom Röntgenstrahl-Entdecker beendete Schleswig-Holsteins Ministerin für Bildung und Wissenschaft, Karin Prien, ihre Rede beim gestrigen Festakt zur Eröffnung der weltweit einzigartigen Großforschungsanlage bei Hamburg. Sputnik konnte zuvor  schon einen exklusiven Blick werfen. 

     

    „Herausragend“: Röntgenstrahl-Laser ist russische Erfindung

     

    Wie vom Erfinder Röntgen prophezeit: Die Zeit der Entwicklungen kam. Und sie brach in Russland an. Fast 90 Jahre später formulierten russische Wissenschaftler erstmalig die Theorie von einem Röntgenlaser. Damals noch utopische Gedankenspiele. Mittlerweile Realität.

     

    „Die Idee eines freien Elektronen-Lasers kommt schon aus den 1970er Jahren. Man wusste aber anfangs nicht, wie man das für Röntgenstrahlen technisch umsetzen sollte. Anfang der 80er Jahre ist es dann dem Team von russischen Wissenschaftlern gelungen, ein Konzept zu entwickeln, wie man das im Röntgenbereich bewerkstelligen könnte. Das waren damals herausragende Arbeiten. Das hatte aber damals noch keiner direkt umsetzen können, weil es die Technologie einfach noch nicht gab. Aber in den 90ern hat dann die Technologie nachgezogen. Damit war das Prinzip dann tatsächlich geboren. Und dann hat man auch den Vorschlag gemacht, die Anlage zu bauen“, so Tschentscher.


    Australischer Physiker: "Meine russischen Kollegen sind fantastisch"

     

    Dr. Adrian Mancuso ist wissenschaftlicher Leiter des „SPB/SFX Instruments“, einem der Experimente beim XFEL. Er erklärte im Sputnik-Interview: „Es waren russische Forscher, die den Grundstein für das Wissen gelegt haben, wie der Laser überhaupt funktioniert.“ Und der Australier sei froh, dass auch viele Russen beim Projekt in der Hamburger Region mit dabei sind. Die russischen Erfinder des Lasers, das seien „fantastische Wissenschaftler, die revolutionäre, bahnbrechende Arbeit geleistet haben“, so der Physiker weiter. „Ich kenne sie auch persönlich: Das sind alles liebenswerte Kollegen.“

     

    Russland stellt fast ein Drittel des internationalen Projekt-Budgets

     

    Mancuso erklärte nochmals die Funktionsweise des Röntgen-Elektronen-Lasers: „Der Laser entsteht, in dem Elektronen durch sich ständig ändernde elektro-magnetische Felder geschickt werden. Dort werden sie umhergewirbelt, dadurch entstehen  Röntgenstrahlen. Wenn man nun mehr Elektronen nimmt, entstehen logischerweise auch mehr Röntgenstrahlen. Diese gebündelt, ergeben den Laser. 

    Das Geheimnis des Lasers ist, dass er kleine, molekulare Strukturen heller anleuchtet, als wir es jemals zuvor in der Wissenschaftsgeschichte konnten.“ Das alles wäre ohne die Arbeit der russischen Forscher niemals möglich gewesen, so der Physiker. 

     

    Das internationale Projekt „European XFEL“, an dem elf Nationen beteiligt sind, kostete bisher rund 1,5 Milliarden Euro. Russland ist nach Deutschland der zweitgrößte Geldgeber: Die Russische Föderation trägt fast ein Drittel des Budgets.

     

    Alexander Boos

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    Tags:
    Röntgen, Laser, Wissenschaft, European XFEL, Hamburg
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