23:00 23 November 2017
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    Streit um Kryptogeld: „Wilder Westen der Weltfinanzen“ - Medien

    © REUTERS/ Benoit Tessier
    Wirtschaft
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    Digitale Währungen wie der Bitcoin finden international immer mehr Befürworter – die russische Zeitschrift „Profil“ analysiert die Hintergründe sowie die Situation um Kryptogeld unmittelbar in Russland.

    Die Zeitschrift titelt: „Wilder Westen der Weltfinanzen“ und schreibt: „Im Jahr 2017 hat ein richtiger Boom um Kryptowährungen begonnen, ein ‚Goldfieber‘ der Gegenwart (…) Doch fast überall in der Welt sind die Kryptowährungen ein vom Staat ungeregelter bzw. teilweise geregelter Markt. Die Situation lässt an den Wilden Westen des 19. Jahrhunderts in den USA zurückdenken.“

    Im laufenden Jahr habe sich der Bitcoin-Kurs innerhalb von acht Monaten verfünffacht. Dabei erlebe der Bitcoin eine stetig wachsende Konkurrenz durch andere Kryptowährungen. In Sachen Marktkapitalisierung betrage sein Anteil mittlerweile nur noch 45,4 Prozent, hieß es.

    „Man sagt, dass die Kryptowährungen durch nichts gedeckt seien. Aber auch das herkömmliche Fiatgeld ist lediglich durch das Vertrauen zu der jeweiligen Zentralbank gedeckt, von der es emittiert wird. Die Menschen glauben, dass die Menge der im Auftrag der Fed gedruckten US-Dollar nicht größer sein wird als es für den Umlauf nötig ist, wodurch eine Dollar-Abwertung verhindert werden soll. Genauso sind die Kryptowährungen durch das Vertrauen in sie gedeckt – und in jenen Algorithmus, der ihrer Erzeugung zugrunde liegt“, kommentiert die Zeitschrift.

    Sie verweist auf das Netzwerkprotokoll, das die maximale Bitcoin-Menge auf 21 Millionen Einheiten beschränkt: „Mittlerweile sind rund 16,5 Millionen Einheiten in Umlauf – und es wird immer teurer, jeden neuen Bitcoin zu schürfen. Diejenigen, die in den Bitcoin investieren, sind deshalb davon überzeugt, dass sich dieser langfristig nur verteuern wird.“

    Die wirtschaftliche Natur von Kryptogeld sei nach wie vor heiß umstritten, dessen rechtlicher Status in den meisten Ländern einschließlich Russland nicht festgelegt. Für Investoren sei es schwierig, mit solchen Geldern zu arbeiten. Doch von Privatpersonen werde die fehlende Regelung keineswegs als Hürde betrachtet – im Gegenteil: „Du zahlst keine Steuern für diese Einnahmen — nicht etwa wegen deines Gesetzesgehorsams sondern weil diese Steuern einfach nicht festgelegt sind.“

    Wie die Zeitschrift berichtet, hatte Russlands Zentralbank im Januar 2014 russische Bürger und juristische Personen vor digitalen Währungen gewarnt, ein Jahr später aber zurückgerudert: „Wir verbieten nicht die Kryptowährungen, wir nehmen sie unter die Lupe“, hatte Zentralbankchefin Elwira Nabiullina im Jahr 2015 betont. German Gref, Chef der russischen Sberbank, sagte dem Bericht zufolge sogar, er habe mehrere Bitcoins gekauft. 

    Die Zeitschrift berichtet zudem, eine Bierstube in Nowosibirsk habe 2017 angefangen, Bitcoins als Zahlungsmittel entgegenzunehmen, dann aber eine Warnung von der Staatsanwaltschaft erhalten und damit aufgehört. Ein russischer Agrarbetrieb habe dagegen eine Prüfung durch die Staatsanwaltschaft erfolgreich bestanden und arbeite nun offiziell mit Bitcoins. Außerdem gebe es einige Restaurants und sogar erotische Massagesalons, die Bitcoins entgegennehmen würden. Bei Moskau stehe ein Einfamilienhaus für 3000 Bitcoins zum Verkauf.

    Anfang September 2017 hatte die Zentralbank nach Angaben des „Profil“ allerdings den Enthusiasmus etwas gedämpft, und erklärt, sie bestätige ihre im Januar 2014 zum Ausdruck gebrachte Position und halte einen Umlauf von Kryptogeld in Russland für verfrüht. „Ein direktes Verbot für Bürger oder juristische Personen hat die Zentralbank aber nicht eingeführt“, steht es im Bericht der Zeitschrift.

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    Tags:
    Kryptowährung, Bitcoin, Russlands Zentralbank, Russland