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    Erdölverarbeitungswerk in Kurdistan (Archivbild)

    Riskanter Rosneft-Vorstoß: Experte über Folgen von Pipeline-Bau in Irakisch-Kurdistan

    © AFP 2019 / ALI AL-SAADI
    Wirtschaft
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    Rosneft verkauft Öl, Gazprom liefert Gas – so kennt man die beiden russischen Konzerne im Ausland. Jetzt aber will der Ölförderer am Gas mitverdienen. Dafür muss er das Exportmonopol des russischen Gasgiganten brechen, was gewaltige Risiken birgt – für alle Beteiligten, wie das Portal „rueconomics“ schreibt.

    „Es wäre absurd, würden zwei russische Staatskonzerne miteinander konkurrieren. Verlieren würde dabei vor allem Russlands Wirtschaft und der Staatshaushalt“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Igor Juschkow von der Finanzuniversität der russischen Regierung dem Portal.

    Doch die Pipeline-Pläne von Rosneft in Irakisch-Kurdistan sind eben ein Angriff auf die Übermacht von Gazprom im Gasgeschäft: Rosneft sei der Ansicht, „eine effektivere Politik auf dem europäischen Markt betreiben zu können. Auch betont der Ölkonzern, über zusätzliche Kapazitäten für den Export zu verfügen“, so der Experte weiter. Nur das Recht auf den Export habe diese Firma bislang nicht.

    In jedem Fall hat die russische Regierung bei den Plänen des Ölkonzerns ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Und sie befürchtet, der Wettbewerb zweier russischer Firmen auf dem europäischen Markt werde die Preise drücken.

    „Der russische Staatshaushalt würde unter niedrigen Gaspreisen leiden“, sagt der Experte, „denn dann würden auch die Exportzölle und die Steuern auf die Förderung von Rohstoffen sinken.“

    Aber auch von den Staatsfinanzen einmal abgesehen: Die Pläne von Rosneft für den Bau einer Pipeline in Irakisch-Kurdistan seien derzeit ein Wagnisstück, warnt der Finanzexperte Juschkow. Irakisch-Kurdistan sei ein autonomes Gebiet, das in Kürze ein Referendum abhalten und seine Unabhängigkeit erklären werde. Doch was dann?

    „Die Zentralregierung in Bagdad hat nicht vor, das Referendum anzuerkennen. Auch die Türkei ist gegen die Volksabstimmung. Unterstützt wird Kurdistan in dieser Frage von den USA und Israel.“

    Letztlich bleibe Irakisch-Kurdistan „ein teils anerkannter Staat mit einem Haufen Probleme in einer instabilen Region, wo Krieg herrscht“, betont der Experte. „Die Türkei kann jederzeit offen gegen die Kurden ins Feld ziehen, denn die Unabhängigkeitserklärung von Irakisch-Kurdistan wird die Kurden in der Türkei automatisch dazu treiben, ihren Kampf für die Unabhängigkeit aktiver voranzutreiben. Für Ankara ist das inakzeptabel“, erklärt der Analyst.

    Und außerdem: „Schon heute sprengen die Kurden in aller Regelmäßigkeit die Iraner Gasleitung. Sollte die Rosneft-Pipeline gebaut werden, würde auch sie in einer Risikozone verlaufen.“

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    Tags:
    Analyse, Pipeline, Ölexporte, Rosneft, Kurdistan, Russland