10:50 17 November 2019
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    Eisbrecher Sibir (Archivbild)

    König der Arktis läuft in Russland vom Stapel

    © Sputnik / Anatoliy Medwed
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    Der Eisbrecher des Projektes 22220 ist ein 170 Meter langer Riese, der drei Meter dickes Eis brechen und einen Schiffskonvoi hinter sich führen kann. In der Baltischen Werft in St. Petersburg ist am Freitag die „Sibir“, der zweite Atom-Eisbrecher des Projktes, vom Stapel gelaufen.

    Das erste Schiff dieses Typs war die „Arktika“, deren Stapellauf im Juni 2016 erfolgt war. Diese beiden Atom-Eisbrecher sind die stärksten weltweit.

    Atom-Eismonster

    Die Baltische Werft brauchte lediglich zweieinhalb Jahre, um die „Sibir“ zu bauen – auf Kiel war sie erst im Mai 2015 gelegt worden.  Nach dem Stapellauf wird das Schiff allerdings noch zusätzlich vervollkommnet werden müssen. Es ist das erste in Serie gebaute Schiff des Projekts 22220 – neben der „Sibir“ baut der Betrieb entsprechend Vertrag mit dem Staatsunternehmen „Atomflot“ noch zwei weitere Schiffe: das Flaggschiff „Arktika“ und die „Ural“.

    Die „Arktika“ soll im ersten Halbjahr 2019 in Betrieb genommen werden, die „Sibir“ und die „Ural“ im November 2020 beziehungsweise im November 2021. Die Liefertermine mussten wegen gewisser Probleme mit der Zulieferung von Turboanlagen für die Triebwerke verschoben werden.

    Eisbrecher Arktika
    © Sputnik / Swjatoslaw Akimow
    Eisbrecher "Arktika"

    Die universalen Atom-Eisbrecher LK-70Ja (Projekt 22220) werden die größten in der Welt sein. Ihre Größe beeindruckt: sie sind 173,3 Meter lang, 34 Meter breit und haben eine Wasserverdrängung von 33 500 Tonnen. Die Besatzung wird aus 75 Personen bestehen. Das technische Projekt hat das Konstruktionsbüro „Aisberg“ entwickelt.

    Das Herz des Giganten

    Vor einer Woche hatte die Maschinenbaudivision der Staatskorporation „Rosatom“, die Holding „Atomenergomasch“, den Bau des ersten Meilers für das Triebwerk RITM-200 beendet und nach St. Petersburg geschickt, der speziell für die „Sibir“ bestimmt ist. Dieses Triebwerk wird aus insgesamt zwei Reaktoren mit einer Heizkraft von je 175 Megawatt bestehen.

    Das ist eine neue Generation von Anlagen, für die spezielle Technologien und Instrumente entwickelt wurden, die bislang weder in Russland noch sonst irgendwo auf der Welt verwendet worden waren. Das Triebwerk RITM-200 hat eine einmalige energieeffiziente Integral-Konstruktion, dank der die neuen Schiffe eine höhere Geschwindigkeit erreichen und effizienter durch das Eis durchdringen können. Darüber hinaus haben sie einen doppelten Tiefgang, so dass sie nicht nur in arktischen Meeren, sondern auch in Mündungen von arktischen Flüssen eingesetzt werden können. Mit neuem Brennstoff müssen die Schiffe dieses Typs alle sieben Jahre versorgt werden. Zum Vergleich: Ein Diesel-Eisbrecher würde in dieser Zeit 540 000 Tonnen arktischen Dieselbrennstoff verbrauchen.

    Projekt des Dieseleisbrechers 22600 LK-25 Wiktor Tschernomyrdin
    Projekt des Dieseleisbrechers 22600 LK-25 "Wiktor Tschernomyrdin"

    Vor einem Jahr, als die „Arktika“ vom Stapel lief, sagte „Rosatom“-Generaldirektor Sergej Kirijenko, dass sich für Russland mit den neuen Eisbrechern prinzipiell neue Möglichkeiten sowohl im Bereich der Festigung seiner nationalen Sicherheit als auch aus der  Sicht der Lösung von diversen Wirtschaftsaufgaben eröffnen würden. Unter anderem werden diese Eisbrecher beispielsweise Fracht- und Tankschiffe mit Erdöl oder Erdgas von den Vorkommen im Hohen Norden hinter sich führen.

    Mit 30 Diesel- und vier Atom-Eisbrechern ist Russland der größte Dienstanbieter in der Arktis. Die Nordostpassage wird wohl nie den Suezkanal ersetzen, aber auf sie könnten etwa 20 Prozent der Schifffahrt zwischen Europa und Asien entfallen,  besonders wenn man die russischen Projekte zur Öl- und Gaserschließung in der Arktis bedenkt.

    Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg stellte jüngst fest: „Aktuell werden 95 Prozent der riesigen Erdgasvorkommen in Russland und 75 Prozent der Ölvorkommen gerade in dieser Region gefördert, so dass dort ein Fünftel des russischen BIP produziert wird.“

    Künftig soll noch ein weiterer Atom-Eisbrecher (Projekt 10510) gebaut werden, der den Namen „Lider“ tragen wird. Mit seiner Entwicklung befasst sich das staatliche Krylow-Forschungszentrum. Das neue Schiff soll eine bis zu viereinhalb Meter dicke Eisschicht mit einer Geschwindigkeit von zwei Knoten durchbrechen können. (Seine Geschwindigkeit auf eisfreiem Wasser wird bei höchstens 24 Knoten liegen.) Wie Präsident Wladimir Putin unlängst verkündete, soll die „Lider“ bis 2025 gebaut werden.

    Dieser Eisbrecher soll die Schifffahrt in der Nordostpassage zu jeder Jahreszeit unabhängig von den Wetterbedingungen ermöglichen. (Dafür wären allerdings drei oder vier solche Riesen erforderlich). Die „Lider“ wird voraussichtlich 209 Meter lang und 47,7 Meter breit sein, so dass sie selbst die größten Tankschiffe hinter sich führen könnte. Ihre Fahrweite wird dabei unbegrenzt sein. Es ist offensichtlich, dass die Schiffe des Projekts 10510 in allen Arktis-Seen – von der Barenz- und der  Karasee bis zur Laptewsee, der Ostsibirischen und der Tschuktschensee – gefragt sein werden.

    Auf dem Deck des Eisbrechers gibt es einen Landungsplatz für Hubschrauber der Typen Mi-8, Mi-38  und ähnliche ausländische Modelle. Dank der multifunktionalen Krane sind diverse Reparaturarbeiten möglich, darunter der Austausch von Schraubenflügeln. Die zwei Reaktoren des Triebwerks befinden sich unter einer dichten Schutzhülle aus strahlungsfestem Stahl und Beton. Die Konstruktion des Meilermoduls ist so, dass es den Absturz eines Hubschraubers, eine Strandung und eine Kollision mit einem anderen Schiff ertragen könnte.

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    Tags:
    Eisbrecher, Atomeisbrecher "Sibir", Rosatom, Russland