01:38 17 August 2018
SNA Radio
    Deutsche Börse in Frankfurt (Archivbild)

    Platin und Palladium besser als Gold und Silber? – Marktanalytiker klärt auf

    © REUTERS / Staff
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    2415

    Für Kenner und Insider der Edelmetallmärkte sind sie schon lange kein Geheimtipp mehr: Platin und Palladium. Marktanalytiker Dimitri Speck aus München erklärt exklusiv gegenüber Sputnik, was die beiden Edelmetalle im Vergleich zu Gold und Silber auch für Kleinanleger bieten und leisten können.

    Platin und Palladium könnten für sogenannte Kleinanleger interessant sein. Unter ihnen gebe „sicher“ solche, „die in diesem Feld spekulieren oder die Geld dort anlegen“, sagte Finanzanalytiker Dimitri Speck. Dabei verwies er auf zwei wesentliche Unterschiede: „Wenn sie sich die Kursentwicklung von Palladium anschauen: Der Preis schwankt hier stärker. Es ist schon ein größerer Nischenmarkt als der vom Platin.“

    Bei Palladium habe es in den letzten Jahren „enorme Anstiege und Kurseinbrüche“ gegeben. Platin sei dagegen „konservativer“, aber auch dessen Preis habe schon Schwankungen erlebt, besonders um 2008/09 herum, allerdings in geringerem Maß als der Preis von Palladium. Speck verwies auf eine weltwirtschaftliche Besonderheit: Bei Platin und Palladium gibt es mit Russland und Südafrika weltweit nur zwei wesentliche Produzentenländer, die zusammen auf etwa 90 Prozent der Förderung kommen.

    Tipps für Anleger und Investoren

    Der Experte empfahl, sich nicht am Gold-Modell zu orientieren: „Viele denken natürlich, in Münzen oder Barren aus Platin oder Palladium zu investieren. Die sind aber für deutsche Anleger und europäische Kleinanleger, also Privatanleger, umsatzsteuerpflichtig. Damit hat man das große Problem, dass man diese 19 Prozent Umsatzsteuer erstmal verloren hat oder besser gesagt, als Gewinn erzielen muss, um über die Gewinnschwelle zu kommen.“

    Speck nannte als bessere Alternativen börsengehandelte Instrumente: Zum Beispiel die sogenannten Platin-ETC‘s (Exchange Traded Commodity). Das seien Anleihen, deren Kurs abhängig von der Platinpreisentwicklung selbst sei. Solche Anlagemöglichkeiten sind laut dem Marktanalytiker „relativ sicher“. Auch, weil das Platin „physisch hinterlegt“ sei und eine Bank dahinterstehe. Interessant seien ebenso Aktien von russischen oder südafrikanischen Unternehmen in der Palladium- und Platinförderung. Er verwies auf die „großen Namen“ wie MMC Norilsk Nickel, dem weltweit führenden Nickel- und Palladiumförderer mit Sitz in Moskau.

    Der Preis für Palladium wurde nach seiner Entdeckung 1803 zunächst willkürlich auf das fünfeinhalbfache des Goldpreises festgesetzt. „Der Palladiumpreis ist in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen. Aber Gold steht immer noch höher. Das ist auch das Problem, was ich ein wenig mit dem Palladiumpreis habe. Wir haben auf der einen Seite ein Angebotsdefizit. Auf der anderen Seite war es historisch so, dass der Palladiumpreis oft sehr viel niedriger als der Goldpreis stand.“ Heute stehe der Palladiumpreis bei etwa 950 Dollar und Gold läge bei über 1.300. „Wie gesagt: Die Schwankung des Palladiumpreises ist enorm. Weil man auch nicht genau weiß, wie die Angebots- und Nachfragezahlen sind. Aktuell scheint es ein Defizit zu geben und das scheint auch der Grund für den Anstieg (des Palladiumpreises) zu sein.“

    Preismanipulation kaum möglich

    Die Spekulation von großen Händlern habe auf die Marktpreise von Platin und Palladium nicht allzu viel Einfluss, so der Experte. „Ich habe zu der Manipulation von Edelmetallpreisen – bei Gold, Silber und Platin – viel geforscht. Ich habe als erster bei allen drei Elementen die sogenannte ‚Fixing-Manipulation‘ statistisch nachgewiesen.“ Allerdings gebe es dabei noch deutliche Unterschiede. „Sie können Verbrauchsgüter wie Platin und Palladium nicht langfristig manipulieren. Die Spekulation macht das Geschäft nicht schwieriger.“ Allenfalls könne der Einkäufer das Platinmetall „mal für ein paar Wochen günstiger, mal für ein paar Wochen teurer“ auf den Märkten einkaufen. „Im Großen und Ganzen ändert die Spekulation bei Verbrauchsgütern den Preis nicht.“

    Platin oder Palladium seien Verbrauchsmetalle, auch für die industrielle Fertigung. Die Autoindustrie ist einer der Industriezweige, die auf beide Metalle in der Produktion und Fertigung angewiesen sind. Das mache einen großen Unterschied aus. „Diese Eigenschaft, wirklich Anlagemetall zu sein, hat nur Gold und eingeschränkt Silber.“ Historisch gesehen war Platin im Vergleich zu Gold über lange Zeiträume „immer auf dem gleichen Niveau wie Gold und immer eine Spur teurer.“ Das habe sich seit der Finanzkrise 2008 geändert. „Seitdem liegt der Platinpreis unterhalb des Goldpreises. Mittlerweile sogar relativ stark. Es gibt eigentlich keine wirkliche Erklärung dazu. Und deshalb denke ich, dass Platin durchaus eine interessante Beimischung ist für einen Anleger unter dem Gesichtspunkt, dass hier aus langfristiger Perspektive ein Nachholbedarf zum Goldpreis herrscht.“ Speck riet generell zur Streuung (Diversifikation).

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Dimitri Speck zum Nachhören:

    Zum Thema:

    König der Arktis läuft in Russland vom Stapel
    Russlands größte Bank unter Sanktionendruck: Sberbank zieht sich aus Europa zurück
    Industrieländer kriegen wieder Appetit auf Öl - Medien
    Tags:
    Investitionen, Interview, Analyse, Markt, Gold, Platin, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren