01:30 17 Dezember 2017
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    Bau von Nord Stream 2 (Archivbild)

    US-Sanktionen gegen Energiesektor haben Europa konsolidiert

    © Foto: Nord Stream 2
    Wirtschaft
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    Die neuen US- Sanktionen sind in erster Linie gegen den Energiesektor und direkt gegen die Pipeline Nord Stream 2 gerichtet. Doch die Europäische Kommission hat laut dem Ex-Chef der Deutschen Energieagentur DENA Stephan Kohler klargemacht, dass sie für das Projekt kämpfen wird. Kohler äußerte sich dazu in einem Interview für Sputnik.

    Die neuen US-Sanktionen hätten, wenn sie in Kraft treten würden, eine erhebliche Auswirkung auf die Energieversorgungsicherheit  von Europa, weil die Sanktionen nicht nur den Neubau von Pipelines beträfen, sondern auch bestehende Erdgas- und Ölpipelines und alle Firmen, die daran beteiligt seien, so der Energieexperte.

    „Es gibt derzeit intensive Verhandlungen zwischen Europa und USA, wie die genauen Ausführungsbestimmungen für die Sanktionen sind. Die Europäische Kommission hat eindeutig klargemacht, dass sie die US-Sanktionen nicht akzeptiert, weil es eine Einmischung in die europäischen Angelegenheiten ist.  Die Europäische Kommission wird für die Verwirklichung von Nord Stream 2 kämpfen, es wird vielleicht eine Zeitverzögerung eintreten, aber ich bin davon  überzeugt, dass die Europäische Kommission in diesem Fall stark und geschlossen gegenüber den USA auftreten wird, dass sie auch weiterhin Nord Stream 2 verfolgt  und das Projekt realisiert werden wird.“

    Die europäischen Unternehmen werden ihre Verpflichtungen erfüllen, ungeachtet dessen, wie die Konzeption der Finanzierung aussehen werde. Deutschland werde in Zukunft mehr Erdgas benötigen. Es schalte seine Atomkraftwerke ab, es beginne auch eine heftige Diskussion darüber, die Kohlekraftwerke abzuschalten.  Erdgas weise bezüglich der CO2- Emission viel niedrigere Werte im Vergleich zu Braunkohle oder Steinkohle auf. „Deshalb brauchen die Unternehmen sichere Bezugsquellen, und da ist eben Russland und Nord Stream 2 ein wichtiger Partner und ein wichtiges Instrument, um genügend Erdgas nach Europa zu bekommen und eben die Versorgungssicherheit weiterhin garantieren zu können.“

    In der EU gebe es Länder, die Nord Stream 2 ablehnen würden, wie Polen und die baltischen Staaten. Aber in der Europäischen Kommission gebe es eine einhellige Meinung bezüglich der Pipeline Nord Stream 2, unterstrich der jetzige Geschäftsführer der EnergyEfficiencyInvest-Eurasia GmbH.

    „Die US-Sanktionen haben auch den Hintergrund, dass die USA den zusätzlichen Export von Erdgas aus Russland verhindern wollen, um selbst LNG nach Europa exportieren zu können. Diese klar formulierten Interessen der USA haben dazu geführt, dass Europa einheitlich auftritt und sagt: Wir lassen uns Amerikas Energiepolitik nicht aufzuzwingen und uns bevormunden, von wem wir welches Erdgas bekommen. Die US-Sanktionen haben dazu geführt, dass die Einigkeit in Europa bezüglich Nord Stream 2 erhöht worden ist.“

    Dieses große europäische Projekt trügen der russische Konzern Gasprom und europäische Partner — Energiekonzerne aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden gemeinsam. Nord Stream 2 umfasse zwei Gaspipeline-Stränge, die insgesamt 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von der russischen Ostseeküste bis nach Deutschland transportieren sollen. Nord Stream 2 solle die bereits bestehenden Stränge von Nord Stream ergänzen und somit die Transitkapazität des russischen Gases direkt bis nach Deutschland deutlich erhöhen.

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    Tags:
    Sanktionen, Bau, Nord Stream 2, Gazprom, Deutschland, Russland, USA