01:15 17 Dezember 2017
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    Vorsitzende des Energieausschusses der Staatsduma Pawel Sawalnyj

    „Alles, was uns nicht tötet, macht uns stärker“ - Duma-Abgeordneter zu US-Sanktionen

    © Sputnik/ Wladimir Trefilow
    Wirtschaft
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    Direkt werden sich die neuen antirussischen US-Sanktionen auf die Energiewirtschaft in Russland nach den Worten des Vorsitzenden des Energieausschusses der Staatsduma Pawel Sawalnyj nicht auswirken, doch indirekt werden sie die Branche gewiss beeinflussen.

    „Wir brauchen noch Zeit, um das Problem der Importsubstitution zu lösen“, sagte Sawalnyj in einem Pressegespräch  in der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya. „Was die Gaswirtschaft betrifft, beträgt da die Abhängigkeit von Importen nicht mehr als etwa fünf Prozent. Außerdem sind dort großkalibrige Hochdruckgasrohre, die wir selbst herstellen, die wichtigste technische Ausrüstung.“

    Im Ölbereich sei die Abhängigkeit vom Import stärker und mache rund 40 Prozent aus. „Wir hatten stark auf den Westen gebaut, als wir uns in die europäische bzw. Weltwirtschaft integrierten. Dabei waren in mancher Hinsicht kritisch wichtige Verfahren notwendig: das Lochbohren, begleitet von waagerechtem Schichtaufbruch, und noch eine Reihe von Verfahren in der Rohölverarbeitung, wofür wir neue Ausrüstungen im Ausland gekauft haben, beispielsweise Katalysatoranlagen zur Erzeugung von hochwertigem Leichtöl.“

    Deshalb musste laut dem Parlamentarier eine eigene Produktion in Gang gebracht werden. Demnächst, versprach er, werde es mit der kritischen Abhängigkeit von den Importen vorbei sein. Er meinte dabei die Abhängigkeit von den Sanktionen, die früher verhängt worden sind. Was die Sanktionen, die Amerika jetzt einführe, betreffe, so würden sie „vorläufig noch nicht umgesetzt. Es sind im Moment nur Gespräche.“

    „Auf lange Sicht fördern die Sanktionen unsere Entwicklung“

    Sawalnyj sagt: „Zwar werden sie wohl keine wesentliche Wirkung erzielen, aber doch einige Probleme verursachen. Wie man so sagt, alles, was uns nicht umbringt, macht uns stärker‘. Wir haben schon immer, in allen Abschnitten der Geschichte unseres Landes mit Sanktionen gelebt. Auch die internationalen Erfahrungen zeigen, dass Sanktionen zwar die Entwicklung für eine gewisse Zeit aufhalten, aber auf lange Sicht diese jedoch fördern.“

    „Wenn wir im Wesentlichen eigenständig werden, unsere Wirtschaft entwickeln, insbesondere hinsichtlich dieser kritischen Verfahren, wenn wir es gelernt haben, alles selbst zu produzieren, dann kommt eine Zeit, die uns auch erlauben wird, etwa in Russland statt im Westen neue Arbeitsplätze zu schaffen. Indem wir die Öl- und Gasausrüstung und Technologien im Ausland kaufen, sorgen wir für Wohlstand in einem anderen statt im eigenen Land.“

    Weizen (Symbolfoto)
    © Sputnik/ Artem Kreminsky
    Als Beispiel führte Sawalnyj die Landwirtschaft an: „Um 2020 werden wir uns selbst ernähren. Noch vor zehn Jahren haben wir uns zu 60 Prozent selbst mit Lebensmitteln versorgt. Jetzt sind es bereits 90 Prozent. Und gegen 2020 werden es ganze 100 Prozent sein. Und die Sanktionen tragen zu einer schnelleren Lösung dieser Frage bei.“

    Was Europa betreffe, so der Duma-Abgeordnete, so hätten wir uns mit der EU doch nicht zerstritten, obwohl sich dort jetzt Russlandhass breitmache. „Einige sind daran interessiert, uns mit Europa möglichst stark zu entzweien, aber wir sind bemüht, uns gegenüber sowohl Amerika als auch Europa korrekt zu verhalten, fremde Meinungen zu respektieren.“

    „Russen sind bessere Demokraten als Europa oder Amerika“

    Der Parlamentarier bekomme allmählich den Eindruck, dass „wir gegenwärtig bessere Demokraten als Europa oder Amerika sind. Auch bringen wir, wie sich herausgestellt hat, gegenüber fremden Meinungen und Stellungnahmen mehr Toleranz und mehr Nachsicht auf. Folglich brauchen wir uns mit Europa nicht zu versöhnen, da wir uns mit ihm nicht erst überworfen haben.“

    Sawalnyj resümiert: „Wir müssen versuchen, die Beziehungen aufrechtzuerhalten, dabei aber nicht betteln, sondern unsere Position und unsere Standpunkte äußern. Wir sind kein Land, das sich vorschreiben lässt, was es zu tun und zu lassen hat. Unsere ganze Geschichte zeigt, dass wir uns nicht so behandeln lassen.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Entwicklung, Pressekonferenz, Landwirtschaft, EU, Nikolaj Jolkin, USA, Russland