12:30 26 Januar 2020
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    Russlands größter Gaskonzern Gazprom wird das Problem der Finanzierung des Gasprojekts Nord Stream 2 auch allein lösen können. Zu diesem Schluss gelangen von der Föderalen Business-Agentur „Ekonomika Segodnja“ (Wirtschaft heute) befragte Experten.

    Dass Deutschland politische Hindernisse auftürmen wird, scheint kaum wahrscheinlich zu sein. Denn Berlin würde mit dem Ausstieg aus dem Projekt sich die Chance nehmen, zum wichtigsten Gastransiteur in Europa aufzusteigen, hieß es.

    „Gazprom ist in finanzieller Hinsicht ein sehr stabiles Unternehmen. Neben Europa gibt es zudem die asiatisch-pazifische Region, wo (Russland) Geld leihen könnte“, sagte der Vorsitzende des Gazprom-Aufsichtsrates, Viktor Subkow, in dem am Dienstag abgedruckten Beitrag. „Auch Gazprom selbst erwirtschaftet keinen schlechten Gewinn. Ich glaube, dass es bei der Finanzierung des Projekts Nord Stream 2 keine Probleme geben wird“, sagte Subkow.

    Es sei daran erinnert, dass der Gesamtwert des Vorhabens rund 9,5 Milliarden Euro beträgt. Die europäischen Gesellschafter – Shell, OMV, Engie, Uniper und Wintershall – wollten die Hälfte übernehmen und jeweils 950 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Für die andere Hälfte ist Gazprom zuständig.

    US-Sanktionen gegen Russland könnten die Beteiligung der europäischen Partner beeinträchtigen. OMV hatte vor zwei Wochen erklärt, dass sich der Konzern gezwungen sieht, Terminplan und Volumen seiner Investitionen zu revidieren.

    „Investitionen sind aber nicht der springende Punkt beim Projekt“, hatte Stanislaw Mitrachowitsch vom Fonds der nationalen Energiesicherheit der Agentur früher gesagt. Seine Meinung wird auch von Iwan Kapitonow vom Wirtschaftsinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften geteilt: „Objektiv gesehen werden wir Partner finden, die in das Projekt einsteigen. Im Notfall werden wir Geld innerhalb unseres Landes aufbringen.“

    Deutschland ist der wichtigste Partner von Nord Stream 2. Die jüngste Bundestagswahl hat einen Regierungswechsel zur Folge, wenngleich Kanzlerin Angela Merkel ihre Positionen beibehalten konnte. Die Einstellung des künftigen Kabinetts ist ohne Zweifel wichtig für das Schicksal des Projekts. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte dieser Tage vor der Presse in Moskau: „Warten Sie mal. Die neue Regierung (in Berlin) ist noch nicht gebildet. Erst wenn das Kabinett steht, könnten wir irgendetwas besprechen.“

    „Auch deutsche Unternehmen sind an Nord Stream interessiert. Wenn die Behörden das Projekt aufgeben, sollten sie der Geschäftswelt eine Alternative anbieten. Aber zu Nord Stream 2 gibt es keine Alternative“, sagte der Direktor des Instituts für nationale Energiewirtschaft, Sergej Prawossudow.

    Zudem würde das Projekt Deutschland zum größten Gashub in Europa machen. „Die beiden Nord-Stream-Pipelines würden bis zu 110 Milliarden Kubikmeter Gas (im Jahr) nach Europa transportieren. Auch die Gasleitung Jamal führt ebenfalls nach Deutschland… Berlin hat also keine Nachteile zu befürchten“, betonte Prawossudow.

     

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    Probleme, Nord Stream 2, Bundesregierung, Deutschland