12:35 25 November 2017
SNA Radio
    die russische Hochschule für Wirtschaft (Archivbild)

    Praktikum in Russland? - Die Türen stehen offen

    © Sputnik/ Witaliy Belousow
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    2857432

    In diesem Herbst haben 51 deutsche Studenten im Rahmen des Programms „Russland in der Praxis“ ein Praktikum in Russland absolviert. Deutsche Unternehmen in Russland stellen Praktikumsplätze zur Verfügung und haben so die Chance, Nachwuchskräfte mit frischen innovativen Ideen für ihre zukünftigen Arbeitsfelder zu gewinnen.

    Die jungen Leute versammelten sich im Gebäude der Deutschen Botschaft in Moskau, um ihre Urkunde für das absolvierte Praktikum zu bekommen. Diejenigen, die ihr Praktikum erst beginnen, erhielten Studentenausweise, weil sie auch ein Seminar an der russischen Hochschule für Wirtschaft besuchen werden.

    Natascha Hoffmann absolvierte ihr halbjähriges Praktikum bei Siemens und berichtete über ihre Eindrücke:

    „Ich bin hierhergekommen, um mehr Erfahrung in meinem Fachgebiet zu sammeln, ich war bei Siemens im Controlling tätig, es war also mein Ziel nach dem Studium noch ein Praktikum zu machen. Ich wollte auch Russisch lernen, mehr über die russische Wirtschaft erfahren und über die Möglichkeiten, die deutsche Firmen in Russland haben.“

    Yana Ishitskaya hat ihr Praktikum auch bei Siemens, im Mobility Departement in Moskau, gemacht. Dabei ging es unter anderem um die Instandhaltung der Züge, die am MZK (Moskauer Zug-Ring) fahren. Da sie gut Russisch spricht, gehörte auch Übersetzen gehörte zu ihren Aufgaben.

    „Ich wurde in Russland geboren und kann die Sprache, darum war es für mich von Anfang an um einiges leichter. Ich hatte aber einige Schwierigkeiten beim Arbeitsablauf, weil es etwas anders in Russland ist als in Deutschland. Man musste am Anfang mehr auf die Leute zugehen. Aber sie waren freundlich und offen, und am Ende fiel der Abschied äußerst schwer, weil man sich schon sehr gut verstanden hat. Ich fahre jetzt nach Deutschland, um meinen Master zu machen. Dann werde ich ein paar Jahre in Russland sein — ich habe die Möglichkeit bekommen, im Unternehmen zu bleiben.“

    Die Möglichkeiten für ein Praktikum in Russland waren aus juristischen und anderen Gründen bisher kaum möglich, und das, obwohl es inzwischen über 5000 deutsche Unternehmen in Russland gibt. Die Idee eines Programms für deutsche Praktikanten in Russland beruht auf einer Initiative der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer Moskau, von Volkswagen RUS und der Deutschen Botschaft Moskau im Jahr 2011. Initiator des Programms war auch Karsten Heinz vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, damals Leiter des Referats für Wissenschaft und Bildung der Deutschen Botschaft. Er sei stolz auf die erzielten Erfolge:

    „Ich freue mich ganz besonders, dass sich dieses Programm so hervorragend entwickelt. Immer mehr junge Menschen interessieren sich dafür. Das ist ein großartiger Erfolg! Das war der richtige Weg der deutschen Wirtschaft. Dieses Programm hat wirklich eine Tür geöffnet."

    Die akademische Mobilität zwischen Deutschland und Russland ist sehr hoch, übrigens die höchste im DAAD-Bereich, aber sie ist asymmetrisch. Auf rund 12 000 russische Studenten, die in Deutschland studieren, kommen nur 1600 deutsche Studenten in Russland. Auch ist die Zahl russischer Praktikanten in Betrieben in Deutschland erheblich höher, bedingt durch die Pflichtpraktika während des Studiums. Das Programm „Russland in der Praxis“ schafft hier einen Ausgleich. Doch die russischen Firmen sollten sich etwas aktiver engagieren, meint Karsten Heinz.

    „Der einzige Punkt, den ich mir noch wünsche, ist, dass mehr russische Unternehmen an diesem Programm teilnehmen. Das wünsche ich mir von Gazprom bis zu kleinen Consultings, bis zu kleineren Unternehmen, die mit Deutschland zu tun haben. Dann wird es ein richtiges deutsch-russisches Programm sein. Alle Türen stehen offen.“ 

    Die Möglichkeit, das Land und die Leute, die Sprache und die russische Kultur intensiv kennenzulernen, ist ein Riesenvorteil dieses Programms, sagten meine Gesprächspartner bei der Veranstaltung. Der 23-jährige Lukas Geyer hat sein Studium in Deutschland schon abgeschlossen und ist nach Russland gekommen, um ein Praktikum bei der KfW IPEX-Bank zu absolvieren. Warum hat er gerade Russland gewählt?

    „Das fing damit an, dass ich zufälligerweise nach Kirgistan gekommen bin, um freiwillig ein soziales Jahr zu verbringen. Dabei habe ich die russische Sprache kennengelernt, mich in sie verliebt, und wollte mich dementsprechend weiter mit Russisch und dem russischen Raum beschäftigen. Ich habe ein Außensemester in St. Petersburg verbracht und habe jetzt die Möglichkeit durch dieses Programm in Russland ein Praktikum zu machen. Ich habe mir gedacht, was wäre denn besser als ein Praktikum in Russland, als die Leute kennenzulernen, die russische Sprache zu lernen, Moskau kennenzulernen? Deswegen bin ich hier.“

    Die Russische Föderation ist das erste Land, in dem dieses weltweit einmalige Praktikantenprogramm der Bundesrepublik Deutschland realisiert wird. Insgesamt 38 Unternehmen stellen 241 Praktikumsplätze in acht Städten (Moskau, St. Petersburg, Krasnodar, Kaluga, Kursk, Gus-Chrustalny, Woronesch, Omsk) zur Verfügung.

    Zum Thema:

    Wirtschaft: Russland schaltet Konkurrenten aus
    Wirtschaftsminister: Russlands Wirtschaft ist stabil – Investment zahlt sich aus
    Mut zum Dialog – deutsche Wirtschaft in Russland begrüßt Schwesig-Reise
    Tags:
    Erfahrungen, Studenten, Ausbildung, Volkswagen Group Rus, Siemens, Deutschland, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren