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    Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Öl- und Gasproduzenten Wintershall, Mario Mehren (der erste von links) bei Unterzeichnung der Dokumente zu Nord Stream 2 (Archivbild)

    Wintershall-Chef fordert: Gas statt Politik

    © AFP 2019 / John Macdougall
    Wirtschaft
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    Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Öl- und Gasproduzenten Wintershall, Mario Mehren, hat die deutsche Politik aufgefordert, sich in den Beziehungen zu Russland zu besinnen und ökonomischer Vernunft den Vorrang zu geben, wie die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    Vor über 40 Jahren, am 1. Oktober 1973, sei erstmals Gas aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik geliefert worden, erinnert der Wintershall-Chef. Die neue Ostpolitik des Sozialdemokraten Willy Brandt habe diese Zusammenarbeit ermöglicht.

    Der Wintershall-Chef betont: In den zurückliegenden 40 Jahren habe sich die politische Landschaft Deutschlands grundlegend gewandelt. Es habe nicht nur in der politischen Führung Wechsel gegeben – ganze Regime und Staaten seien verschwunden.

    Nur eins blieb laut Mehren unverändert: Das russische Gas ist nach wie vor eine Konstante der europäischen Energiesicherheit.

    Die Ängste vieler europäischer Politiker, die EU mache sich abhängig vom russischen Gas, hält der Unternehmenschef für unbegründet. Die Beziehungen zwischen Russland und Europa hätten gezeigt, so Mehren, dass letztlich nur das zähle, was in gemeinsamem Interesse sei: Das russische Gas ströme nach wie vor nach Europa.

    Überdies betont Mehren: Die wechselseitige Abhängigkeit sei der unverzichtbare Bestandteil einer jeden Zusammenarbeit. Die Kritiker der Abhängigkeit würden eines aus dem Blick verlieren: Russisches Gas – geliefert vom Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall und Gasprom – habe die Konkurrenz auf dem Gasmarkt überhaupt erst ermöglicht. Auf diese Weise sei es europäischen Firmen möglich geworden, sich an der Förderung und dem Transport von russischem Gas weiter zu beteiligen.

    Die heutige Russland-Politik des Westens stecke in einer Sackgasse, so der Wintershall-Chef weiter: Die Sanktionen – ursprünglich gegen Russland gerichtet – würden allmählich europäische Interessen bedrohen. Dies gelte vor allem für die neuen US-Sanktionen. Europa verliere dadurch die Freiheit, sich die Partner im Energiesektor auszusuchen – den Europäern werde Flüssiggas aus den USA aufgezwungen. Dabei bediene das teure Flüssiggas am wenigsten die Interessen europäischer Verbraucher.

    Mario Mehren mahnt: Es entstehe der Eindruck, europäische Politiker lebten im Hier-und-Jetzt, ohne an die Zukunft zu denken. Doch sollten langfristige Perspektiven und historische Erfahrungen nicht vergessen werden. Welch wichtige Rolle das russische Gas in den russisch-europäischen Beziehungen spielen könne, zeige fast ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Zusammenarbeit im Energiesektor.

    Derweil bestätige auch die Internationale Energieagentur, dass das russische Erdgas alle anderen Energiequellen für Europa wirtschaftlich übertreffe. Auch nach der jüngsten Bundestagswahl bleibe die Energiesicherheit ein grundlegendes Element der deutschen Wirtschaftspolitik.

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    Tags:
    Gaslieferungen, Sanktionen, EU, Gazprom, Wintershall, USA, Deutschland, Russland