22:36 19 Januar 2020
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    Luxuskarossen sind meist ein krisenfestes Marktsegment. Selbst wenn der Absatz von Massenmodellen ins Bodenlose fällt, können noble Limousinen und SUVs noch Gewinne einfahren. Nur bei Audi greift diese einfache Formel offenbar nicht, berichtet die Zeitung „Kommersant“.

    Der Absatz der VW-Tochter ist in Russland 2016 um 19 Prozent eingebrochen – ein unverhältnismäßiger Rückgang, schrumpfte der russische Automarkt in dem Krisenjahr doch „nur“ um elf Prozent.

    Der Marktanteil der Ingolstädter in Russland ist auf 1,1 Prozent zurückgegangen. Zum Vergleich: Mercedes und BMW konnten ihre Position mit 2,4 respektive zwei Prozent am russischen Markt auch in der Krise behaupten.

    Schuld an der Misere sei die vergleichsweise karge Modellpalette von Audi, beklagen die russischen Händler laut dem Blatt. Diese sei in Russland schon lange nicht mehr erneuert worden. Seit Beginn 2016 hat es bei Audi gemäß der Zeitung vier Facelifts und sechs neue Modelle gegeben. Der Konkurrent aus Stuttgart hat hingegen 17 seiner Modelle erneuert und elf neue präsentiert – die Münchner präsentierten fünf Facelifts und zwölf Neuheiten.

    Auch das russische Statistikamt hält die „Modellarmut“ für das größte Problem der Ingolstädter auf dem russischen Markt. Beim Preis würden Audis mit der Konkurrenz mithalten oder seien sogar günstiger, so die Behörde. Vor allem bei den SUVs – dem wachsenden Segment in Russland – habe Audi dem russischen Kunden nur „eine bescheidene Auswahl“ zu bieten. Bei den Geländewagen sei die Marke später eingestiegen und auch nur mit drei Modellen – BMW biete fünf, Mercedes ganze sieben. Und dann stünden innerhalb der Modellreihen auch nur wenige Triebwerke zur Auswahl. Die Experten kritisieren außerdem:

    „Der in Russland sehr beliebte Diesel fehlt bei Audi nahezu völlig. Nur der teure Q7 wird damit ausgestattet, die Konkurrenten aber bieten den Dieselmotor in allen Klassen“, so einer der russischen Audi-Händler.

    Apropos Händler: Zu dünn ist nicht nur das Modellangebot, sondern auch das Verkaufsnetz von Audi. Und Absatzprobleme hat Audi offenkundig nicht nur in Russland. In Mexiko betrug der Rückgang fünf Prozent, in China zwölf und in Brasilien ganze 34 Prozent.

    Am Stammsitz des Ingolstädter Autobauers heißt es indes, der russische Markt komme „selbstverständlich“ eine wichtige Rolle zu. Im kommenden Jahr sollen gleich drei neue Modelle die Marktstellung zurückerobern: Neben dem neuen A8 starten 2018 in Russland auch der neue A7, Q8 und A6.

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    Verluste, Markt, VW-Konzern, Audi, Deutschland, Russland