16:40 20 November 2018
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    BWM-Werk in Russland – Vorzeigebeispiel an die Politik

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    Wirtschaft
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    Der deutsche Autohersteller BMW will in Russland ein Werk zur Komplettfertigung seiner Autos aufbauen. Auf diese Weise will der Konzern seinen Anteil am russischen Markt erhöhen und die Produktion unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Schocks gestalten, schreibt das Nachrichtenportal „Ekonomika segodnja“.

    Der wahrscheinlichste Ort zum Aufbau des neuen BMW-Werkes könnte dabei das Gebiet Kaliningrad werden, das sich durch die sogenannte „besondere Wirtschaftszone“ auszeichnet. In dieser Zone werden den dort angesiedelten Unternehmen verschiedene Privilegien gewährt.

    Wie die Online-Ausgabe der russischen Zeitung „Vedomosti“ schreibt, könnte dieses Werk zur Komplettfertigung vor allem dazu dienen, den gesamten Absatz der BMW-Produktion in Russland zu sichern.

    Es wird berichtet, dass die Investitionen mehrere hundert Millionen Euro betragen könnten.

    Die Entscheidung, die eigene Produktion gerade jetzt auszuweiten, hänge derweil mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen sei dies die staatliche wirtschaftliche Regulierungspolitik. Demnach sind die Unternehmen dazu angehalten, zunehmend mehr Produktionsetappen in Russland anzusiedeln, wenn sie den russischen Markt beliefern wollen.

    Zum anderen sei dies aber auch die politische Situation, „die sich zwischen Russland, Europa und Deutschlands zunehmend verbessert.“

    Nachdem der russische Automarkt zweimal infolge von Krisen eingebrochen sei, könne er sich nun wieder erholen.

    Gute Logistik

    BMW hätte sich eigentlich schon vor dem Ausbruch der letzten Krise entschieden, zusammen mit dem russischen Produzenten „Avtotor“ ein eigenes Werk in dem Land zu errichten, erklärt Igor Morscharetto, Autoexperte und Partner des analytischen Zentrums „Avtostat“.

    „Danach ereignete sich die Krise, sodass die endgültige Entscheidung verschoben wurde. Aber als ich in diesem Jahr mit dem Chef von BMW-Russland gesprochen habe, hat er mir mitgeteilt, dass die Entscheidung doch getroffen werden wird. Und das vermutlich bis zum Ende des Jahres“, sagt der Experte.

    Eine zusätzliche Motivation hierfür sei bestimmt auch die Tatsache gewesen, dass auch der Konkurrent Mercedes ein eigenes Werk errichten wolle – und zwar im Gebiet Moskau.

    Dass das BMW-Werk dagegen vermutlich im Gebiet Kaliningrad gebaut werde, hätte laut dem Experten mehrere gute Gründe.

    Erstens befinde sich in dem Gebiet die bereits angesprochene „besondere Wirtschaftszone“ mit verschiedenen Privilegien für das produzierende Gewerbe.

    Zweitens habe BMW bereits in der Vergangenheit sehr positive Erfahrungen bei der Kooperation mit „Avtotor“ gehabt.

    Und drittens, Kaliningrad habe eine sehr gut ausgebaute Logistik. Durch die unikale Lage sei es sowohl gut mit Russlands Hauptmarkt verbunden als auch habe gleichzeitig einen direkten Zugang zu den europäischen Märkten.

    Dies sei wichtig, weil im Falle einer erneuten Krise der Verkauf der dort vor Ort produzierten Wagen relativ einfach auf andere Märkte umgeleitet werden könnte.

    Stabile Preise

    Dennoch, einen signifikanten Preisnachlass sollten die Endabnehmer in Russland trotzdem nicht erwarten – wohl dagegen mehr Stabilität der Preise. So ist laut dem Experten die Komplettmontage vor Ort deutlich anpassungsfähiger an verschiedene wirtschaftliche Krisen, was der Stabilität der Produktion und der Preise zu gute kommen werde.

    „Wenn das Werk die Autos in Russland mit unseren Arbeitern und aus russischem Stahl produzieren wird, ist er versichert gegen Schwankungen in der Wirtschaft allgemein“, betont Morscharetto.

    Zusammenfassend sieht der Autoexperte nur Vorteile, wenn sich BMW für eine Komplettfertigung in Russland entscheiden sollte.

    Die Entscheidung sei auch ein klares Indiz dafür, dass sich Russlands Wirtschaft allgemein und die Autowirtschaft als solches – trotz der westlichen Sanktionen – zunehmend erholen würde.

    „Es gibt positive Indizien, Anzeichen einer Belebung des Marktes. Es wird keinen rasanten Aufschwung geben, aber dafür wird er gleichmäßig und über Jahre hinweg sein“ erklärt der Experte abschließend.

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    Tags:
    Autoindustrie, Mercedes, BMW, Kaliningrad, Russland