17:16 23 Juli 2018
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    Deutschlands Energiepolitik und Energiepreise geraten außer Kontrolle – Studie

    © Sputnik / Marina Lystsova
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    Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey hat Probleme und unerreichbare Ziele der Energiepolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel enthüllt, schreibt die „Welt“ am Sonntag.

    Nach den Berechnungen der Experten, die der „Welt“ vorliegen, entfernen sich die Strompreise für private Haushalte in Deutschland immer weiter vom europäischen Durchschnitt. Die Energiewende koste die Deutschen immer mehr Geld.

    Der Strompreis für deutsche Privathaushalte soll in den letzten Monaten um weitere 1,4 Prozent auf nunmehr 30,8 Cent pro Kilowattstunde gestiegen sein. Im europäischen Ausland seien hingegen die Stromkosten weiter auf nun noch 20,5 Cent gesunken.

    „Der Preisabstand zum europäischen Durchschnitt hat sich damit seit Beginn der Index-Erhebung nahezu verdoppelt“, hieß es in der Zusammenfassung.

    Demzufolge werden einige Versprechen der Bundesregierung – wie etwa stabile oder wachsende Arbeitsplatzzahlen im Bereich der erneuerbaren Energien und in der Industrie oder eine hohe Versorgungssicherheit mit Strom – realistischerweise erfüllt, dennoch gelten acht von der Bundesregierung formulierte Ziele sogar als völlig „unrealistisch“.

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    Sonne (Symbolbild)
    © RIA Novosti . Vitaly Ankov
    Dazu gehöre beispielweise das Versprechen, die Industriestrompreise, die heute bei 13,4 Cent liegen, bei 8,5 Cent pro Kilowattstunde zu stabilisieren. Zugleich hätten sich die Kosten für netzstabilisierende Eingriffe seit 2014 auf nunmehr 7,34 Euro pro Megawattstunde verdoppelt.

    Ebenso unerreichbar gilt demnach das zentrale Energiewende-Ziel, den CO2-Ausstoß Deutschlands bis 2020 auf 750 Millionen Tonnen zu senken, wobei der Wert seit der letzten Indexberechnung bei 916 Millionen Tonnen stagniert. Die Senkung des deutschen Primärenergie- und Stromverbrauchs müssen ebenfalls innerhalb der vorgegebenen Frist als unerreichbar gelten, so die Beratungsgesellschaft.

    Nach dem Bundesbedarfsplangesetz müssen bis 2020 rund 3582 Kilometer Stromleitungen gebaut werden. Da bis dato erst 816 Kilometer errichtet wurden, können die Planzahlen laut den Experten nicht erfüllt werden.

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    Die Fortschritte im Bereich E-Auto-Quote blieben McKinsey zufolge „überschaubar“, und auch bei der „Wärmewende“ erreiche Deutschland die gesteckten Teilziele nicht. Die kommende Bundesregierung müsse „zeitnah einen neuen, umfassenden Kompass für die Energiewende entwickeln“.

    „Mit einer bloßen Fortsetzung der bisherigen,Fahrt auf Sicht‘ wird Deutschland der anstehenden Aufgabe nicht gerecht“, warnt das Autorenteam des Energiewende-Indizes.

    Die Folgen der fehlenden Planungssicherheit seien „unnötig hohe Kosten für Stromverbraucher und Steuerzahler auf der ökonomischen Seite und das Verfehlen unserer Klimaschutzziele auf der ökologischen.“

    Die Beratungsgesellschaft McKinsey misst seit nunmehr fünf Jahren im halbjährlichen Rhythmus die Fortschritte der Energiewende anhand von 15 quantifizierbaren Kriterien.

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    Tags:
    Energiepolitik, Energie, Stromversorgung, Strom, Unternehmensberatung McKinsey, Die Welt, Deutschland
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