19:14 23 Oktober 2017
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    Traders bei New Yorker Börse (NYSE)

    135 Billionen Dollar Schulden: Gewaltiges Risiko für die Weltwirtschaft

    © REUTERS/ Brendan McDermid
    Wirtschaft
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    Der Weltwährungsfonds hat am vergangenen Dienstag seine Prognose für die Weltwirtschaft nach oben korrigiert. Gleich am Tag darauf schlug der Fonds aber die Alarmglocke, so die Zeitschrift „Expert“: Schulden treiben demnach die Weltwirtschaft wieder in den Ruin. Alle sind überschuldet: die Banken, die Wirtschaft, die Privathaushalte.

    Die Erholung der Finanzmärkte schreite eindeutig voran. „Aber wenn man sich nicht um die Gefahren kümmert, drohen Risiken für das weltweite Wachstum“, sagte der Direktor für Geldpolitik und Kapitalmärkte beim IWF, Tobias Adrian, am Mittwoch in Washington.

    In guten Zeiten komme auf den Märkten und bei den Verbrauchern ein Gefühl der Erleichterung auf, heißt es in dem IWF-Bericht zur globalen Finanzmarktstabilität, den Adrian vorstellte. Doch sei diese Ruhe eine trügerische, führe sie doch zu negativen Folgen auf den Finanzmärkten, warnt der Regulator.

    Bleiben diese Risiken unbeachtet, könne es zu einer Krise kommen. Dann würden die Aktienmärkte um 15, die Immobilienpreise um neun Prozent einbrechen und die Weltwirtschaft mit sich reißen – um 1,7 Prozent könnte die globale Wirtschaftsleistung schrumpfen.

    Ein Hoffnungsschimmer: Zwar werde die neue Krise ebenso umfassend wie tiefgreifend sein, heißt es in dem IWF-Bericht weiter, an die Weltfinanzkrise von 2008 werde sie jedoch nicht heranreichen. Die nächste Krise werde „nur“ rund 60 Prozent der vergangenen Finanzapokalypse ausmachen, rechnet der Währungsfonds vor. Und anders als beim letzten Mal werden die Vereinigten Staaten laut der IWF-Prognose weniger betroffen sein als die EU und die Schwellenländer.

    Grund für die trüben Aussichten sind laut dem Währungsfonds die Schulden. Die Realwirtschaft der G20-Länder ist demnach mit 135 Billionen Dollar in den Miesen – das entspricht 235 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dieser Schuldenberg ist seit 2006 um 80 Billionen Dollar angewachsen, ein Drittel davon entfällt allein auf die USA und China. Die Niedrigzinsen machen diese Last zwar erträglich, doch müssen Firmen und Privathaushalte in den G20-Ländern einen immer größeren Teil ihrer Einnahmen zur Bedienung ihrer Verpflichtungen aufbringen. Der Finanzdruck steigt. Besonders schwer ist die Lage laut dem IWF in Australien, Kanada und in China.

    Sorgen macht dem IWF auch der Zustand vieler Banken. Rund die Hälfte aller Großbanken auf der Welt haben eine Eigenkapitalrendite von weniger als acht Prozent – mit anderen Worten: Mit dem Geld, das die Banken haben, können sie nicht lukrativ wirtschaften. Sie müssen Kredite aufnehmen, um rentabel zu sein.

    Und dann sind da noch die faulen Kredite, die die Banken vergeben haben: Rund ein Drittel der Schuldtitel werden heute schon als kritisch bewertet. Der anhaltende Niedrigzins zwinge die Geldhäuser und Finanzversicherer auf der Suche nach lukrativen Investitionsmöglichkeiten ungerechtfertigte Risiken einzugehen: Bankenpleiten drohen, warnt der IWF.

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    Tags:
    Risiko, Prognose, Schulden, EU, IWF, China, USA
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