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    Gaspipeline OPAL (Archiv)

    Nach Freigabe der OPAL-Leitung: Status Deutschlands als Gastransitland wächst

    CC BY-SA 3.0 / DynaMoToR / Luftbild 271 OPAL 2
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    Die Transportkapazität auf der durch Ostdeutschland führenden Gaspipeline OPAL darf weiter versteigert werden. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat am Mittwoch (11. Oktober) entsprechende Eilanträge gegen eine Versteigerung zurückgewiesen.

    Die beiden Beschwerdeführer – der polnische Gaskonzern PGNiG sowie seine deutsche Tochter PGNiG Supply & Trading (PST) — hätten nicht belegen können, dass Versorgungssicherheit und Wettbewerb in Polen gefährdet seien, begründete der Vorsitzende Richter Wiegand Laubenstein die Entscheidung. Die Versteigerung schaffe die Möglichkeit, die OPAL vollständig zu nutzen, schrieb das Portal energate-messenger.de.

    Die Entscheidung sei für Experten vorprogrammiert gewesen, in erster Linie angesichts der bevorstehenden steigenden Nachfrage nach Gas, hieß es in einem am Freitag vom russischen Internetportal rueconomics.ru veröffentlichten Beitrag.

    „Das umso mehr, als Deutschland nicht zu den Ländern gehört, die Energieprojekte des russischen Gaskonzerns Gazprom mit harter Politik abwenden wollen. Es liegt klar auf der Hand, dass Deutschland dank der Beteiligung an russischen Energieprojekten, einschließlich der vollständigen Freigabe der OPAL-Kapazitäten und des Baus der Gaspipeline Nord Stream 2, seinen Status als Transitland nur erhöht“, hieß es.

    Dennoch werde das ukrainische Gastransportnetz auch nach der OPAL-Freigabe eine Rolle spielen. Gewisse Gasmengen würden weiter über ukrainisches Gebiet gepumpt. „Aber ökonomisch gesehen ist der Gastransport via Nord Stream für Russland wesentlich vorteilhafter“, wurde Alexander Pasetschnik, Leiter der analytischen Abteilung im Fonds der nationalen Energiesicherheit, im Artikel zitiert.

    Die EU-Kommission hatte bereits im Oktober 2016 dem Gazprom-Konzern erlaubt, mehr Kapazitäten der OPAL-Leitung zu nutzen. Bislang hatte Gazprom Alleinrecht auf 50 Prozent der Kapazitäten. Noch 40 Prozent durfte der russische Staatkonzern ersteigern. Zehn Prozent behielt die EU-Kommission als Reserve.

    PGNiG und PST reichten beim Europäischen Gericht eine Klage gegen die Entscheidung. Sie argumentieren unter anderem, dass es durch die zusätzliche Nutzung der OPAL zu einer Verlagerung von Gasmengen kommt, die bisher durch die Ukraine transportiert werden. An dieser Transitroute liege aber auch der Einspeisepunkt in das polnische System, Drozdowicze, über den PGNiG einen Teil seiner russischen Lieferungen bezieht. Dieser Punkt könnte nicht mehr bedient werden, wenn bestimmte Mindestflüsse auf der Transitroute unterschritten werden, hieß es. 

    Die Beschwerdeführer erklärten zudem, dass Gazprom durch die verstärkte Nutzung der OPAL Druck auf Polen ausüben könnte, ohne Lieferverpflichtungen in andere Länder zu gefährden. Beiden Argumenten folgten die Richter nicht, so energate-messenger.de.

    Für die nächste Zeit peilt Gazprom Rekordexporte von Erdgas nach Europa. Der ukrainische Transit wird auch nach der Freigabe der OPAL im Vergleich zum Vorjahr leicht zunehmen. Expertenschätzung zufolge wird die Ukraine im Durchschnitt 83 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr gen Westen transportieren. Dieses Niveau wird höchstwahrscheinlich bleiben, bis Russland die Pipelines Nord Stream 2 und Turkish Stream fertig gebaut hat.

    „Allein die Verbindungspipeline OPAL wird die Ukraine um etwa ein Fünftel der Transiteinnahmen bringen. Und nach der Inbetriebnahme von Nord Stream 2 und Turkish Stream dürfte der ukrainische Transit auf höchstens 15 Milliarden Kubikmeter absacken. Mit dieser Menge werden Moldawien, Transnistrien und Rumänien versorgt“, schrieb rueconomics.ru.

     

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    Tags:
    Zunahme, Rolle, Transit, Gerichtsentscheidung, OPAL-Gasleitung, Ukraine, Polen, Deutschland