00:02 21 November 2017
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    Eröffnung der Trans-Adria-Pipeline, die als unmittelbarer Konkurrent für Gazprom-Projekte in Europa gilt (Archivbild)

    „Die Verführung Europas“: Wessen Gas kauft die EU in naher Zukunft?

    © AFP 2017/ Gent Shkullaku
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    Die USA wollen den Weg für ihre Flüssigerdgas-Lieferungen nach Europa ebnen und russisches Gas verdrängen. Die Europäer suchen unterdessen Optionen für ihren Gasmarkt. Mit dem Thema beschäftigt sich Andrej Konopljanik, Professor der Russischen Staatsuniversität für Öl und Gas, in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift „Profil“.

    Der Beitrag ist betitelt: „Die Verführung Europas“. Konopljanik nimmt das Projekt Quo Vadis der EU-Kommission unter die Lupe. Wie er erläutert, handelt es sich dabei um eine Studie zu möglichen Entwicklungswegen in Sachen Regulierung am europäischen Gasmarkt – Experten der tschechischen Filiale von Ernst & Young und der ungarischen Denkfabrik REKK haben daran gearbeitet; im Rahmen der Studie werden einige Regulierungsmaßnahmen in Form von fünf Szenarien vorgeschlagen.

    Ein Gastanker im niederländischen Hafen Rotterdam (Archivbild)
    © AFP 2017/ ANP/ Lex Van Lieshout
    Die ersten vier Szenarien beinhalten laut Konopljanik faktisch ein System von Maßnahmen, um russisches Gas an die EU-Peripherie zu verdrängen, während das fünfte Szenario die Einrichtung einer europäischen Transport-Infrastruktur vorsieht, um Flüssigerdgas-Terminals an der Küste mit dem Binnenland zu verbinden.

    Konopljanik kommentiert, die Studie ziele in ihrer derzeitigen Form faktisch darauf ab, eine Ersetzung von billigerem Pipeline-Gas aus Russland durch teureres Flüssigerdgas aus den USA zu begründen: „Die Quo-Vadis-Szenarien korrelieren gut mit dem Inhalt der erweiterten antirussischen US-Sanktionen, die den Bau von Gaspipelines unter Umgehung der Ukraine verhindern sollen.“

    Die Regierung in Washington betreibe eine pragmatische Politik zum Schutz der Interessen des US-Business. Die USA seien darauf aus, Platz für amerikanisches Flüssigerdgas in Europa zu schaffen, schreibt Konopljanik.

    „Bei den US-Plänen handelt es sich um keine transatlantische Solidarität mit der EU und erst recht mit der Ukraine, sondern lediglich um einen Versuch, innere amerikanische Wirtschaftsprobleme pragmatisch zu lösen“, so Konopljanik weiter.

    Seiner Meinung nach wollen die USA die Expansion ihres Flüssigerdgases durch den Aufbau administrativer Hürden für die russischen Gaslieferungen nach Europa erleichtern, aber auch durch die Verhinderung neuer preiswerter Gas-Lieferwege aus Russland.

    Konopljanik zitiert den Chef der US-Denkfabrik Stratfor, George Friedman, mit einer Aussage aus dem Jahr 2015, wonach ein wichtiges Ziel der USA darin bestehe, das deutsche Kapital und die deutschen Technologien daran zu hindern, sich mit den russischen Rohstoffen und Arbeitskräften zu einer „unbesiegbaren Kombination“ zu vereinigen.

    „Die amerikanische Aufgabe definierte Friedman als Einrichtung eines ‚Cordon sanitaire‘ um Russland, der ermöglichen soll, Deutschland und die ganze EU künftig an der kurzen Leine zu halten. Das Projekt Quo Vadis mit seiner derzeitigen vorläufigen Palette von Modell-Szenarien scheint sich in diese Idee wunderbar einzubetten“, schreibt Konopljanik.

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    Tags:
    Gaslieferungen, LNG, Flüssiggas, USA, Europa
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