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18:10 23 Oktober 2019
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    Erdölverarbeitungswerk in Kurdistan (Archivbild)

    Ölprojekt von Rosneft und Irakisch-Kurdistan: Lohnen sich die Risiken?

    © AFP 2019 / ALI AL-SAADI
    Wirtschaft
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    Die neuen Projekte des russischen Ölkonzerns Rosneft im Irakischen Kurdistan werden einen positiven Einfluss auf die russische Wirtschaft haben. Darüber sprach der Direktor des russischen Forschungszentrums für globale Energiemärkte und des Instituts für Energieforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften, Wjatscheslaw Kulagin.

    Die standardmäßige Weltpolitik sei so aufgebaut, dass in ruhigen Ländern gearbeitet und dabei ein Mindestgewinn durch die Anlagen erhalten werden könne. Doch gerade dort, wo ein Investor zu jedem Zeitpunkt alles verlieren könne, sei der Gewinn immer höher. Lokale Behörden, die verstehen, dass Investoren ihr Geld nicht in eine unruhige Region stecken wollen, schaffen Kulagin zufolge maximal attraktive Bedingungen.

    „Gerade mit einem hohen Gewinn rechnet Rosneft bei den Projekten in Kurdistan, das im Hintergrund des Kampfs um die Autonomie als eine der für das Geschäft riskantesten Regionen der Welt gilt“, zitiert das Portal rueconomics den Energieexperten.  

    „Der russische Operator strebt danach, seine Arbeit zu diversifizieren und Möglichkeiten für die Lieferungen zu variieren: Eine solche Tätigkeit ermöglicht es, die Gewinne durch den richtigen Logistikaufbau zu vergrößern. Im Hintergrund der Erträge, die das Unternehmen nun wegen erhöhter Arbeitsrisiken in der Region bekommt, ist das kein schlechter Bonus“, so der Experte weiter. 

    Im Irakischen Kurdistan wie im ganzen Nahen Osten gebe es viel Öl. Im Unterschied zu den arktischen Projekten von Rosneft koste die Ölförderung in heißen Ländern viel weniger. Das ist Kulagin zufolge ein weiterer Grund für die Beteiligung des Konzerns an diesen Projekten.

    Sind es die Risiken wert?

    Vor wenigen Tagen hatte Rosneft erklärt, dass das Unternehmen ein Abkommen mit der Autonomie über den Kauf von einem Anteil von 80 Prozent von fünf Ölfeldern der Region abgeschlossen habe. Der Vertrag werde auf 400 Millionen US-Dollar geschätzt, heißt es. Der Gesamtlagerstätteninhalt betrage etwa 670 Millionen Barrel Öl.

    Nach dem Unabhängigkeitsreferendum am 25. September hatten irakische Beamte allerdings erklärt, dass die Ölabkommen zwischen dem russischen Unternehmen und der Autonomie illegal seien und vor nationalen und internationalen Gerichten angefochten werden könnten. Die Leitung von Rosneft hält den Streit um die Unabhängigkeit

    Kurdistans eigenen Angaben nach für eine innere Angelegenheit. Der Konzern erklärte, dass er gültige Gesetze befolgen werde.

    „Große Vereinbarungen zu einem Lagerstättenabbau oder der Nutzung von Gaspipelines leiten für gewöhnlich politische Verhandlungen zwischen den Staaten ein. Höchstwahrscheinlich hat der russische Investor bereits bestimmte politische Garantien bekommen. Alle Risiken von Investitionen in ein unruhiges Land und von Verhandlungen vor internationalen Gerichten wurden berücksichtigt. Und für das Unternehmen ist es viel wichtiger, sich bestimmte Projekte und den Einfluss in der Region zu sichern“, erläuterte Kulagin und betonte, dass die neuen Projekte auch eine Beteiligung von Fachleuten vorsehen würden. Damit würden neue Arbeitsplätze geschaffen.

    Zuvor war mitgeteilt worden, dass der russische Ölkonzern Rosneft und die Regierung des Irakischen Kurdistans den Beginn der Umsetzung des Projekts in dieser Region bekannt gegeben hätten. Rosneft wird eigenen Angaben nach zusammen mit der kurdischen KAR Group eine Ölpipeline betreiben, über die das kurdische Öl nach Europa, darunter in die Ölverarbeitungswerke von Rosneft in Deutschland, transportiert wird. Der Anteil des russischen Unternehmens an diesem gemeinsamen Projekt soll 60 Prozent betragen.

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    Tags:
    Risiko, Investitionen, Gewinn, Ölförderung, Deal, Rosneft, Kurdistan, Russland