23:27 18 Dezember 2017
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    Hafen in Hamburg (Archivbild)

    Sanktionen gegen Russland als Bumerang für deutsche Wirtschaft

    © AP Photo/ Fabian Bimmer
    Wirtschaft
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    Die Exportnation Deutschland verzeichnet seit Beginn der anti-russischen Wirtschaftssanktionen einen Verlust von elf Milliarden Euro im Russland-Handel. Eine österreichische Studie macht auf 30 Milliarden Euro Verlust für die Europäische Union (EU) aufmerksam. Ein deutscher Mittelständler wirft der Politik Fehler vor und fordert das Sanktionsende.

    Der Export nach Russland sei „zunehmend schwieriger geworden“, stellte Wolfgang Pluhm, Geschäftsführer des „Zerbster Handelskontors“, gegenüber Sputnik fest. Sein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Sachsen-Anhalt exportiere seit 1990 unter anderem Baumaschinen, Landwirtschaftsmaschinen und Motorentechnik nach Russland.

    Seit Beginn der Sanktionen stocke der Handel: „Weil die Umstände schlechter geworden sind, um da was hin zu exportieren.“ Davor habe sein Unternehmen 80 Prozent seines gesamten Handels mit russischen Geschäftspartnern abgewickelt. „Und jetzt ist es fast Null.“

    Pluhm erinnerte sich an „rege Geschäfte mit Russland“, die er als positiv empfunden habe. Seine Geschäftspartner hätten nach Technik angefragt: „Man hat die verkauft und dabei hat man was verdient. Das war ein gutes Geschäft. Ich denke mal für alle.“

    Einbruch für Wirtschaft durch politische Fehler

    „Die Handelsbeziehungen der EU-Länder zu Russland haben durch die Sanktionen stark gelitten“, heißt in einer aktuellen Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) mit Sitz in Wien. Laut dieser sind seit Beginn der 2014 durch die EU beschlossenen Russland-Sanktionen die Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent eingebrochen – in der gesamten EU.

    Deutschland sei als Exportland mit einem Minus von 11,1 Milliarden Euro besonders betroffen und trage so allein mehr als ein Drittel des sanktionsbedingten Exportrückganges.

    Dieser Bumerang-Effekt für die deutsche Wirtschaft war laut dem Unternehmer absehbar: „Das war doch eigentlich klar, dass sich die EU und Deutschland damit selbst am meisten schaden.“ Für ihn seien das Fehler der Politik. Er frage sich, „was in den Köpfen der Politiker so vor sich geht. Ich denke mal, das kommt von Amerika.“ Die EU sei der Vorgabe der US-amerikanischen Außenwirtschaftspolitik gefolgt – „warum auch immer.“

    „Aufhebung der Sanktionen wäre vernünftig“

    Bau der Nord Stream 2 Pipeline (Archivbild)
    © Foto: Nord Stream 2/ Axel Schmidt
    Maschinenhändler Pluhm plädierte dafür, die anti-russischen Wirtschaftssanktionen aufzuheben: „Ich denke mal, das wäre für alle Seiten vernünftig.“ Laut der WIFO-Studie waren die deutsch-russischen Handelsbeziehungen in den Jahren vor den Sanktionen zunehmend enger geworden. So seien die EU-Exporte nach Russland zwischen 2009 und 2012 um jährlich durchschnittlich 23,5 Prozent gestiegen.

    „Die Sanktionen (…) sind eine zweischneidige Waffe und greifen jene mit einem Bumerang an, die diese verhängen“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Sotschi auf einer Podiumsdiskussion zu den deutsch-russischen Handelsbeziehungen.

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Unternehmer Wolfgang Pluhm zum Nachhören:

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    Tags:
    Studie, Export, Handel, Sanktionen, Russland, Deutschland
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