18:09 17 November 2017
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    Bau der Nord Stream 2 Pipeline (Archivbild)

    US-Kritik an Nord Stream 2: Wie einst Reagan gegen Sowjet-Pipeline

    © Foto: Nord Stream 2
    Wirtschaft
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    Die US-Kritik an der geplanten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die mehr Gaslieferungen aus Russland nach Europa ermöglichen soll, ähnelt nach Ansicht der russischen Onlinezeitung vz.ru den einstigen Argumenten von Ronald Reagan gegen die Erdgasleitung Jamal-Europa.

    Vz.ru schreibt im Hinblick auf jenen Paragraphen des jüngsten US-Sanktionspakets gegen Russland, der einen Widerstand gegen Nord Stream 2 vorsieht: „Die Amerikaner machen nicht einmal einen Hehl daraus, dass sie dies zwecks ihrer kommerziellen Profite tun, um russisches Gas zu beseitigen und den Weg für amerikanisches Flüssigerdgas zu ebnen, das die Konkurrenz in Europa verliert.“

    Der Streit um Nord Stream 2 lasse an die Ereignisse vor 35 Jahren zurückdenken, und zwar an die damaligen sowjetischen Pläne für eine Pipeline, um Erdgas von der Halbinsel Jamal nach Deutschland zu liefern, so der Kommentar.

    „US-Präsident Ronald Reagan lehnte sich damals ebenfalls gegen die sowjetische Pipeline auf und griff dabei fast zu denselben Argumenten, die jetzt von amerikanischen Politikern gebraucht werden. Reagan brandmarkte die neue Pipeline als Instrument des sowjetischen Einflusses in Europa. Genauso wird derzeit Nord Stream 2 (wie auch Turkish Stream) von den Kritikern als Bedrohung für Europas Energie-Sicherheit bezeichnet. Hinter jener Rhetorik steckte jedoch nichts anderes als Reagans Wunsch, die Sowjetunion am günstigen Vertrag zu hindern“, kommentiert vz.ru.

    Letztendlich sei die Jamal-Leitung mit Unterstützung der BRD doch zustande gekommen und funktioniere bis heute. Unterdessen steige die Nachfrage nach russischem Gas in Europa, hieß es. 

    „Wenn wir zurückblicken, ist die Bedeutung der Jamal-Leitung kaum zu überschätzen. Hätte Deutschland keinen Zugang zu russischem Gas gehabt, hätte es derzeit möglicherweise keinen dermaßen starken und industriell entwickelten Spitzenreiter in Europa gegeben. Auch Russland wäre vielleicht in der Öl- und Gasbranche nicht so stark geworden. Bei allen Nachteilen von Rohstoffmächten hätte Russland ohne seinen Öl- und Gas-Tropf wahrscheinlich bis heute in der Knechtschaft des IWF und seines Hauptaktionärs Washington gesteckt, in die das Land nach dem Zerfall der Sowjetunion geraten war“, schreibt vz.ru.

    Mit Blick auf die gegenwärtige Diskussion um Nord Stream 2 warnt vz.ru Europa vor Zugeständnissen gegenüber Washington: „Wenn die Europäer einmal einlenken, werden sie ständig einlenken müssen. Letztendlich werden dann die USA die EU-Energiepolitik übernehmen und den europäischen Markt mit ihrem eigenen Flüssigerdgas füllen – zu einem Preis, der für sie günstig wäre.“

    Ihre jüngsten Sanktionen gegen Russland hatten die USA im Sommer beschlossen – die Kongressabgeordneten stimmten mit einer überwältigenden Mehrheit dafür. Die Onlinezeitung gazeta.ru zitierte damals aus dem Dokument, Washington müsse sich unter anderem gegen Nord Stream 2 weiter einsetzen, und zwar wegen dessen „schädlicher Auswirkungen für die Energie-Sicherheit der EU, die Gas-Marktentwicklung in Zentral- und Osteuropa sowie die Energiereformen in der Ukraine“.

    Generell reagierten die USA mit ihren Sanktionen auf Russlands internationales Vorgehen. Ein besonderer Stein des Anstoßes ist die Krim, die von Russland nach Ansicht der USA illegitim annektiert wurde. Die Vereinigten Staaten machen den Kreml auch für die Eskalation in der Ost-Ukraine verantwortlich. Der Westen wirft Russland vor, die dortigen Separatisten militärisch zu unterstützen. Die Regierung in Moskau weist den Vorwurf ständig zurück.

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    Tags:
    Streit, Kritik, Gaslieferung, Pipeline, Flüssiggas, Nord Stream 2, EU, Ronald Reagan, USA, Russland
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