07:15 23 Oktober 2018
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    Russland und Saudi-Arabien könnten gemeinsam den Öl-Dollar killen

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    Wirtschaft
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    Es sind mehrere Wochen seit dem historischen Russland-Besuch des saudischen Königs vergangen und schon jetzt kann man sehen, wie der Westen auf die Annäherung zwischen Riad und Moskau reagiert, wie Iwan Danilow, Autor des Blogs „Crimson Alter“ schreibt.

    Laut westlichen Medienberichten will man die Saudis dafür bestrafen, und zwar dadurch, dass der Börsengang ihres Vorzeigeprojekts, des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco, ignoriert wird.

    Bis zuletzt hatte man gedacht, die Börsen in New York und London würden für das Recht auf die Platzierung der Wertpapiere der Saudi Aramco für schätzungsweise zwei Billionen Dollar gegeneinander kämpfen. Aber inzwischen gibt es Informationen, dass die Saudis den Börsengang fristlos verlegen müssen.  Die "Financial Times" schrieb unter Berufung auf eigene Quellen, dass die engen Kontakte der Behörden in Riad mit der Konzernleitung auf einmal ein Problem für die Finanzmarktregulatoren auf beiden Seiten des Atlantiks geworden seien.

    Gleichzeitig wird behauptet, dass Experten den saudischen Ölkonzern jetzt auf eine Billion Dollar schätzen, was sich von den früheren Einschätzungen unterscheidet. Warum ist denn der Preis auf einmal um 50 Prozent geschrumpft, wobei die Ölpreise in letzter Zeit sogar angestiegen sind? Die Gründe könnten unterschiedlich sein, aber es ist nicht auszuschließen, dass man den Saudis zu verstehen gibt, dass ihre Annäherung an Moskau schlimme Folgen für sie haben könnte.

    Unter den Schritten des Königshauses in Riad, die den Westen verärgern, lässt sich beispielsweise die Heranziehung Russlands zum umfassenden OPEC-Deal nennen, was praktisch Washingtons Plan zum „Erwürgen“ der russischen Wirtschaft zum Scheitern brachte.

    Hinzu kommt auch das Interesse der Saudis an den russischen Luftabwehrkomplexen S-400.

    US-Experten nannten diesen Deal „eine Veränderung der Spielregeln im Nahen Osten“ und riefen die US-Führung dazu auf, sich Gedanken darüber zu machen. Der S-400-Vertrag verkörpert quasi Riads Austritt aus dem „Schatten“ des „US-Schutzschildes“ und den Verlust des Monopols auf die „Dienstleistungen zur Förderung der Stabilität“ in der Nahost-Region durch die Amerikaner. Natürlich konnten sie so etwas unmöglich ohne Reaktion lassen.

    In den russischen Medien wird oft die Kapitalisierung Gazproms und die potenzielle Kapitalisierung der Saudi Aramco verglichen, wobei Experten manchmal bedauern, dass der arabische Konzern viel mehr kosten würde, und zwar wegen der engen Verbindung zwischen Washington und Riad. Es sieht jedoch so aus, als ob man auf diese  „Freundschaftsprämie“ gar nicht neidisch sein sollte, weil sich die Freundschaft jederzeit auflösen könnte.

    Zumal man den Saudis durch solche Beiträge in der "Financial Times" und anderen Medien zu verstehen gibt, dass der Verzicht auf den Börsengang in New York oder London ihnen „den Zugang zu den meisten Kapitalressourcen auf der Welt“ sperren würde. Eigentlich besteht eine Ähnlichkeit zu den Drohungen gegen Russland, es könne in eine finanzielle bzw. wirtschaftliche Isolation schlittern.

    Saudi-Arabien erlebt gerade eine Zeit von wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen. Das anspruchsvolle „Programm-2020“ sieht eine Transformation der saudischen Wirtschaft und den Verzicht auf das Rohstoff bezogene Entwicklungsmodell vor, und die jüngste Erklärung des Kronprinzen Mohammed bin Salman bin Abdul-Aziz Al Saud, das Land würde zum „gemäßigten Islam“ zurückkehren, gilt als Ankündigung einer „Umformatierung“ der ideologischen Landschaft und der globalen Rolle des Königreichs.

    In diesem Kontext ist der Börsengang der Saudi Aramco wichtig für Riad aus finanziellen, aber auch aus Image-Gründen. Das Geld internationaler Investoren und die Präsentation Saudi-Arabiens als moderne Wirtschaft, der internationale Geschäftskreise vertrauen, sind gleichermaßen wichtig und ausgerechnet deshalb versucht der Westen, besonders stark auf diesen „schmerzhaften“ Punkt zu drücken. Das gelingt ihm vorerst nur schwer, und auf offizieller Ebene erklärt Riad, alles würde nach Plan verlaufen, niemand würde etwas absagen, und das Königreich suche weiterhin nach der am besten passendsten Börse für sein wichtigstes Unternehmen.

    Von außen gesehen, könnte es den USA relativ leicht fallen, Riad zur Einstellung seiner Kooperation mit Moskau zu zwingen. Denn Washington könnte auch andere „Schmerzpunkte“ finden, indem es nicht nur den Börsengang der Saudi Aramco, sondern auch der saudischen Staatsanleihen behindert, mit denen quasi das Haushaltsdefizit des Königreichs finanziert wird.

    Notfalls könnten sich die Amerikaner sogar einige saudische Aktiva auf ihrem Territorium aneignen, nämlich im Kontext der Gerichtsklagen der Verwandten der 9/11-Opfer gegen Saudi-Arabien. Außerdem könnte ein weiterer „arabischer Frühling“ provoziert werden, zumal Washingtons Erfahrungen auf diesem Gebiet sehr groß sind.

    Aber auch die Saudis könnten etwas unternehmen, was für die USA schlimme Folgen haben und langfristig sogar eine Katastrophe für ihr Finanzsystem auslösen könnte.

    Riad könnte nämlich den Öl-Dollar „töten“, was für die Amerikaner große Probleme bedeuten würde, für die der Hauptanteil des Dollars am Welthandel (vor allem mit Energieträgern) lebenswichtig ist. China steht praktisch vor dem Start eines doppelten Börsensystems, mit dem Ölexporteure das „flüssige Gold“ für Yuan (in Shanghai) verkaufen und Yuan, die außerhalb der Volksrepublik nur wenig verwendet werden, sofort gegen Gold in Hongkong tauschen könnten.

    Das Schema „Öl – Yuan – Gold“ würde die Ölexporteure absolut unabhängig vom US-Dollar machen, wobei die Amerikaner ihre Öl-Dollar verlieren würden, die in ihre Staatsanleihen gesteckt werden. US-Medien halten dieses Szenario für negativ und dabei durchaus realistisch. Bloomberg und CNBC trösten ihre Leser bzw. Zuschauer nur damit, dass dies nicht so bald passieren werde.

    Russland hat jedoch Möglichkeiten, diesen Prozess zu beschleunigen und den Schaden für das US-Finanzsystem zu maximieren. Dafür müsste es den Ölhandel für Rubel an einer russischen Börse entwickeln, beispielsweise in St. Petersburg, wo bereits Futures für die „russische“ Sorte Urals in Umgang gebracht wurden.

    Der „Russland+OPEC“-Deal zeigte ganz deutlich, dass Moskau und Riad gemeinsam den globalen Energiemarkt erfolgreich beeinflussen können, und ihr gemeinsamer Verzicht auf den Ölhandel für Dollar würde eine richtige Revolution im globalen Finanzsystem bedeuten. Und als Absicherung – für den Fall, dass Washington dagegen protestieren sollte – würde Russland Saudi-Arabien seine zuverlässigen und hochpräzisen S-400-Raketen verkaufen.

    *Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Öl, Dollar, S-400, OPEC, aramco, USA, Saudi-Arabien, Russland