08:46 25 November 2017
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    Ein bei Überflut beschädigter Euro-Schein

    „Der Euro hat Krebs im Endstadium“ – Experte plädiert für „kreative Zerstörung“

    © AFP 2017/ DPA/ Fredrik von Erichsen
    Wirtschaft
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    Für eine „Katastrophe“ hält der Finanzexperte Marc Friedrich den Kurs von Mario Draghi und seiner Europäischen Zentralbank (EZB). Die Pläne würden nur zeigen, wie verzweifelt die EZB sei. Sie würde sich teuer Zeit erkaufen um das Geldkarussell weiter am Laufen zu halten – alles auf Kosten der Bürger. Andere Instrument scheine sie nicht zu haben.

    „Eigentlich hätte das Anleiheprogramm der EZB im Dezember 2017 beendet werden sollen – also auf null zurückgefahren werden“, betont der Ökonom im Sputnik-Interview.

    „Nun wird es im Gegenteil noch ausgeweitet bis September 2018. Das wird auch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Das heißt, es kommen noch einmal 270 Milliarden on Top, auf die schon 2,28 Billionen drauf, für die wir alle haften. Das ist für mich die Ausweitung eines verantwortungslosen Spiels, mit immensen Kollateralschäden für uns Bürger. Der Wahnsinn der EZB nimmt weiter Formen an und es ist eine Insolvenzverschleppung par excellence, um vor allem die südlichen Staaten Europas und Draghis Heimatland Italien zu retten. Ich kann daran nichts Positives erkennen und vor allem auch keine Zinswende, so wie es viele Medien in Deutschland beschreiben. Die Zinsen sind auch weiterhin bei null und die werden noch lange bei null bleiben.“

    Die EZB scheine komplett verzweifelt zu sein, so Friedrich. Nun würde sie sich lediglich weiterhin teuer Zeit auf Kosten der Bürger erkaufen. Durch die Fortsetzung des Nullzinses würden die Bürger enteignet. Die Altersvorsorge würde weiter schwinden und die Bürger werden wahrscheinlich in Altersarmut leben müssen. Für den Bestsellerautor Friedrich ("Sonst Knallt's") ist dies eine katastrophale Entwicklung und nur ein Beweis dafür, dass es keine Lösung gebe und dass der Crash die Lösung sei.

    Die weiteren 30 Milliarden, mit denen Draghi 2018 Staatsanliehen kaufen wolle, würden virtuell geschöpft und einfach gedruckt, erklärt der Finanzexperte. Es komme also tatsächlich aus dem nichts. Er führt aus: „Jede Geschäftsbank, aber auch die Notenbanken können aus dem Nichts Geld generieren — Geld schöpfen — und das ist fatal. Da wird natürlich die Inflation richtig angeheizt. Das sieht man an den immer neuen Hochs in den Immobil- und Aktienmärkten. Das steht aber alles auf tönernen Füßen. Da wird sozusagen mit heißer Luft gehandelt. Deswegen wird die Blase an den Finanz-, Immobil- und Aktienmärkten lediglich weiter aufgepumpt und die Kollateralschäden nehmen zu. Da wird irgendwann ein Tsunami auf uns zukommen. Dann sind die Notenbanken definitiv ohne Waffen.“

    Folge man Herrn Draghi und den offiziellen Nachrichten, gehe es uns ja super in Europa. Der Wirtschaftsaufschwung zähle aber nur für Deutschland. Der Euro sei für die Deutschen sehr günstig, für Italien oder Griechenland sei der Euro aber viel zu teuer. Während sich Deutschland über Exportrekorde freue, verharre die Südschiene Europas in der Insolvenz. Das ist eine erschreckende Entwicklung für die Gesellschaft, für die Wirtschaft, für die Volkswirtschaft und für die Menschen da unten, meint Friedrich. Man wolle die Märkte stabilisieren und die Zinspolitik wieder auf ein Normalniveau hieven, das werde aber nicht mehr passieren. Die lebende Generation würde keine markanten Zinserhöhungen mehr erleben. Man habe den Zins de facto abgeschafft – mit verheerenden Auswirkungen.

    Man könne zwar nicht erwarten, dass Mario Draghi die Politik der Politiker macht, so der Experte. Es bräuchte aber wieder ein anständiges Zinsniveau. Als weitere Lösungsansätze nennt Friedrich eine kontrollierte Auslösung der Euros, Schuldenerlasse für die Südschiene und die Einführung von nationalen, souveränen Währungen. Er betont:

    „Das sind natürlich radikale Einschnitte, aber ich möchte es so darstellen. Unser Finanzsystem und der Euro haben Krebs im Endstadium. Der ist präfinal. Es gibt keine Rettung, das sehen wir ja schon seit Jahren. Das heißt, man müsste jetzt wirklich chirurgisch eingreifen, den Tumor entfernen und die kreative Zerstörung suchen. Denn nur dann kann auch etwas gesundes Neues entstehen. Mit der momentanen lediglich lebensverlängernden Therapie wird es keine Besserung geben. Das Einzige, was wir erreichen ist, dass die Volkswirtschaften weiterhin vor sich hinvegetieren, dass es den Menschen immer schlechter geht, und dass extreme Parteien vom linken und rechten Rand immer stärker werden."    

    Bolle Selke

    Das komplette Interview mit Marc Friedrich zum Nachhören:

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    Tags:
    Prognose, Geld, Abwertung, Krise, Euro, Eurozone, EU, Europäische Zentralbank (EZB), Mario Draghi, Marc Friedrich, Europa
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