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01:20 19 Juli 2019
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    EU-Flagge in Brüssel

    Ausbau von Turkish Stream: Geld aus Moskau erst wenn EU zu dem Projekt steht

    © Sputnik / Alexej Witwitzkij
    Wirtschaft
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    Die Gasleitung Turkish Stream auszubauen, ist wirtschaftlich sinnvoll. Auch wäre die Versorgung Südeuropas mit russischem Gas dadurch gesichert – ganz ohne unzuverlässige Transitländer. Doch die Frage ist wieder wie bei Nord Stream 2: Will die EU das Projekt flankieren oder torpedieren?

    Eine Entscheidung über den Ausbau von Turkish stream hat Russland noch nicht getroffen, wie das Portal rueconomics.ru schreibt.

    Gebaut werde der zweite Strang dieser Schwarzmeer-Gasleitung jedenfalls erst, wenn Moskau von der Europäischen Kommission und der gesamten politischen Führung der EU „feste und verbindliche Garantien“ dafür erhalte, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit dem Verband der europäischen Wirtschaft in der russischen Hauptstadt.

    Das Interesse am Ausbau des Turkish Stream sei zwar groß – vor allem in den Ländern des Balkans und Südeuropas, so der russische Außenminister. Aber eine Erfahrung wie mit South Stream wolle Russland nicht noch einmal machen. Der Bau dieser Pipeline musste auf Brüssels und Washingtons Druck hin eingestellt werden. Ein zweiter Strang des Turkish Stream sei deshalb nur möglich, wenn die EU ihre Garantien auch vertraglich verbürge, so Lawrow.

    Die Situation mit dem Ausbau von Turkish Stream sei noch schwieriger als mit Nord Stream 2, betont der Konfliktforscher Konstantin Woronow von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    „Der erste Strang dieser Gasleitung wird sicherlich fertiggestellt, weil darüber allein der türkische Binnenmarkt versorgt werden soll. Doch der zweite Strang muss über Griechenland und Bulgarien weiter in die Balkanländer verlegt werden – und das ist ja bereits EU-Gebiet“, gibt der Analyst zu bedenken.

    „Es kann ja sein, dass diese Länder am Ausbau von Turkish Stream interessiert sind, nur fehlt es ihnen in Brüssel an Gewicht. Athen und Sofia können sich für die Pipeline längst nicht so starkmachen wie etwa Berlin für den Bau von Nord Stream 2.“

    Andererseits, so der Experte, „haben viele in der Europäischen Union die Abhängigkeit vom ukrainischen Gastransit inzwischen satt.“ Dies spreche dann eher für die Erweiterung der Schwarzmeer-Leitung.

    Dass Moskau auf EU-Garantien bestehe, sei durchaus nachvollziehbar. „Rund zehn Milliarden Dollar würde der Bau des zweiten Stranges kosten.“ Ein zweites South Stream wolle man sich einfach nicht leisten.

    „Wirtschaftlich betrachtet ist das Ausbauprojekt absolut gerechtfertigt. Und die Länder Südeuropas brauchen russisches Gas, das dann über diese Route strömen würde. Der Ausbau ist auch deutlich lukrativer als der ukrainische Gastransit, der in den letzten Jahren nicht nur instabil geworden ist, sondern auch noch ständig teurer wird“, erklärt der Analyst.

    Die Versorgung Südeuropas mit russischem Erdgas über den zweiten Strang von Turkish Stream „wäre erst recht lukrativer als das US-amerikanische Flüssiggas“, zumal dafür noch eine millionenschwere Infrastruktur errichtet werden müsse, mahnt der Experte. „Eine Versorgung von Polen oder Kroatien aus könnte auf dem Balkan auch niemand gebrauchen, bedenkt man die günstigen Konditionen, die Gazprom diesen Ländern bietet.“

    Man müsse also feststellen: Das Interesse am Ausbau der Schwarzmeer-Pipeline sei da, „wirtschaftlich wäre die Gasleitung auch“… Doch wie geht Brüssel damit um?

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    Tags:
    Bau, Streit, Flüssiggas, Gaslieferung, Nord Stream 2, Türkischer Strom, USA, Russland