22:36 20 April 2019
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    Bau der Gaspipeline Nord Stream

    Russland wird Ukraine ohne Kampf bekommen - finnische Zeitung

    © AP Photo / Dmitry Lovetsky
    Wirtschaft
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    Das schwedischsprachige finnische Blatt Hufvudstadsbladet hat eine pessimistische Prognose für die ukrainische Wirtschaft aufgezeigt. Laut den finnischen Journalisten kann die Umsetzung des Nord Stream-2 Projektes Russland praktisch die volle Kontrolle über die Ukraine geben.

    Das Projekt Nord Stream-2 ist bereits seit seinem Start ein ständiges Thema hitziger Diskussion unter westeuropäischen Staaten. Die Meinungen darüber, welche Auswirkungen es sowohl auf die Gasimporteure als auch auf die Transitländer, zu denen die Ukraine gehört, haben könnte, gehen dabei weit auseinander.

    Wie stark sich die Einstellung zu diesem Projekt auch unter Nachbarländern unterscheiden kann, ist gerade in Skandinavien gut zu beobachten.

    So hat beispielsweise die finnische Regierung die Nord Stream-2 Pipeline bislang als ein gewöhnliches Gastransitprojekt betrachtet, das in erster Linie die Umweltauflagen zu erfüllen hat und mehr nicht. 

    In Schweden dagegen betrachtet man das Projekt vor allem aus der politischen Perspektive und sieht es als eine zukünftige Herausforderung für die Ukraine. Ebenfalls skeptisch positioniert sich Dänemark, wo im Moment ein Gesetzespaket vorbereitet wird, das solche Gasprojekte wie Nord-Stream-2 generell verbieten soll.

    Die Journalisten von Hufvudstadsbladet merken nun an, dass sobald Nord Stream-2 in seiner vollen Auslastung funktionieren werde, es ein spürbarer Schlag gegen die Ukraine werden könnte.

    Russland wäre nicht mehr auf die ukrainischen Transitnetze angewiesen und würde keine Verträge mit Kiew mehr verlängern müssen.

    In erster Linie werde dies dazu führen, dass das ukrainische „Regime den großen Teil seiner Einnahmen verlieren wird“, so das Blatt.

    Diese Situation könnte zu erheblichen sozialen Unruhen in dem Land führen, in Folge derer pro-russische Kräfte an die Macht kommen könnten.

    „Russland könnte die Kontrolle über die ganze Ukraine ohne Kampf bekommen“, schreibt Hufvudstadsbladet.

    Im Umkehrschluss bedeute dies, so die Meinung des russischen Nachrichtenportals rueconomics, dass die aktuell noch aktive russische Gas-Transitpipeline durch die Ukraine praktisch eine der wenigen sicheren Finanzierungsquellen des jetzigen ukrainischen Regimes sei.

    Derweilen rätseln auch Beobachter und Internetnutzer, wie die Ukraine zu solch einer großen finanziellen (und nicht nur) Abhängigkeit von Russland gekommen sei. Schließlich versuche Kiew im Moment alles, um jegliche Bindungen nach Russland zu kappen.

    Eine Kommentatorin hebt die paradoxe Situation hervor: Eine russische Pipeline, erbaut noch in der von der jetzigen ukrainischen Führung verhassten Sowjetunion, sei eine der letzten Chancen derselben ukrainischen Führung, überhaupt noch über die Runden zu kommen.

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    Tags:
    Nord Stream 2, Gaslieferungen, Gastransit, Gazprom, Russland, Ukraine