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    Bau der Turkish Stream (Archiv)

    Turkish Stream erreicht Point of no Return – Ukraine als Hauptverlierer

    © AP Photo / Ali Aksoyer/DHA-Depo Photos
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    Der erste Strang der Unterwasser-Gaspipeline Turkish Stream hat am vergangenen Samstag die ausschließliche Wirtschaftszone der Türkei erreicht. Aber Meldungen darüber wurde im globalen Informationsmeer kaum Aufmerksamkeit geschenkt.

    Indes wurde dieses Ereignis an Bord des vom schweizerischen Offshore-Dienstleister Allseas zur Verfügung gestellten weltgrößten Rohrlegeschiffs "Pioneering Spirit" begangen, indem zwei abgetauchte Röhrensektionen mit der russischen und der türkischen Flagge markiert worden waren, wie der Projektbetreiber mitteilte. Nicht auszuschließen ist, dass die Russen und die Türken dieses Ereignis auch mit einem Festessen (und Trinken) begangen haben. Aber zu diesem Teil der Feierlichkeiten wird in den Medien Stillschweigen gewahrt.

    Es ist wichtig zu wissen, dass das Passieren der Grenze der ausschließlichen Wirtschaftszone der Türkei den Abschluss des Baus des Pipelineteils in der ausschließlichen Wirtschaftszone Russlands markiert hat. Die „Pioneering Spirit“ verlegte auf der russischen Seite zwei Stränge mit einer Länge von 448 Kilometern. Das heißt, dass in etwa einem halben Jahr knapp 25 Prozent der Pipeline gebaut wurden, was denn auch mit dem Terminplan übereinstimmt. Demnach dürfte erstes Gas über Turkish Stream im Dezember 2019 strömen.

    Als Baubeginn für den Unterwasserteil der Leitung gilt der 7. Mai, als das Allseas-Schiff "Audacia" die ersten Röhren im Flachwasserbereich des Schwarzen Meeres gelegt hatte. Am 31. Mai passierte die "Pioneering Spirit" den Bosporus und begann mit der Verlegung von Röhren in tiefen Bereichen des Schwarzen Meeres.

    Am 5. September wurde ein Vertrag mit dem türkischen Unternehmen Petrofac über den Bau eines Terminals auf dem türkischen Territorium geschlossen. Am 2. Oktober bestätigte die türkische Regierung einen Bericht über die Umweltbelastung durch den Unterwasserteil der Pipeline Turkish Stream.

    Die Leitung wird zwei Stränge mit einer Durchsatzkapazität von je 15,75 Milliarden Kubikmetern pro Jahr haben. Das durch den ersten Strang zu transportierende Gas ist ausschließlich für die Türkei bestimmt. Der zweite Strang wird bis zur Grenze zwischen der Türkei und der EU verlängert.

    Der Unterwasserteil ist 930 Kilometer lang. Die Leitung führt von der russischen Schwarzmeerstadt Anapa zur Ortschaft Kıyıköy im türkischen Thrakien etwa 100 Kilometer westlich von Istanbul.

    Das zeugt davon, dass die Pipeline bereits den Point of no Return erreicht hat. Übrigens wurde dieser Umstand vor kurzem indirekt auch vom Hauptgegner des Projekts – den USA – anerkannt. In Übereinstimmung mit einem vom State Department veröffentlichten Dokument werden unter neue US-Sanktionen Projekte fallen, die nach dem 2. August  2017 gestartet sind. Als Projektbeginn gelte das Datum, an dem entsprechende Verträge geschlossen worden seien, hieß es in Washington.

    Demnach sind weder Nord Stream 2 noch die beiden Stränge von Turkish Stream von US-Sanktionen bedroht, weil die meisten Investitionen in die beiden Vorhaben noch vor dem 2. August getätigt wurden.

    Spricht man vom parallelen Projekt Nord Stream 2, wird Berlin nie auf den Bau dieser Leitung verzichten, denn die Deutschen wollen zum wichtigsten Hub für russisches Gas in Europa werden. Auch die Türken sind sich ihrer Vorteile aus russischen Gasprojekten bewusst. Deshalb wird die Umsetzung solcher Projekte nur an Tempo zunehmen.

    Genauer gesagt nimmt das Bautempo bereits zu. Die "Pioneering Spirit" verlegt im Tagesdurchschnitt rund vier Kilometer Röhren. Am 1. November stellte Allseas mit 5,15 Kilometern pro Tag einen Rekord auf. Das Schwarze Meer an der Grenze der beiden Wirtschaftszonen ist 2.171 Meter tief. Das ist zugleich der tiefste Abschnitt der Pipeline.

    Deutschland und die Türkei werden an den russischen Gasprojekten massiv profitieren. Wer sind denn die Verlierer? Das ist nicht nur die Ukraine, deren Gaspipelinenetz, das noch vor wenigen Jahren das Rückgrat des Staates war, sich unweigerlich in einen nutzlosen Metallhaufen verwandeln wird. „Allein die Inbetriebnahme des ersten Stranges von Turkish Stream wird den ukrainischen Fiskus um etwa halbe Milliarde US-Dollar im Jahr erleichtern“, hatte der Chef der ukrainischen Öl- und Gaskonzerns Naftogaz, Andrej Kobolew, gestanden.

    Es sei auch auf die Bulgaren hingewiesen, die sich wohl schweren Herzens an die Zeiten erinnern, als die „türkische“ Pipeline noch South Stream geheißen hatte und auf ihren Röhren die russische und die bulgarische Flagge abgebildet waren. Die Geschichte führt vor Augen, dass in dieser Gas-Gleichung nur ein Teil konstant bleibt — die russische Flagge. Der andere Teil dürfte sich variieren.

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    Tags:
    Bau, Türkischer Strom, Ukraine, Russland, Türkei