08:34 25 November 2017
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    China plant mit auf Yuan basierenden Öltermingeschäften Schlag gegen US-Dollar

    © REUTERS/ Kim Kyung-Hoon
    Wirtschaft
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    China will die Regeln auf dem globalen Ölmarkt ändern. Die Schanghaier Börse startet demnächst auf der chinesischen Währung basierende Öltermingeschäfte, wobei eine Konvertierung des Yuan ins Gold nicht ausgeschlossen wird, teilten von der Nachrichtenagentur Sputnik befragte chinesische Experten mit.

    Solche Termingeschäfte können dem US-Dollar bei internationalen Verrechnungen im Ölgeschäft zum ersten Mal einen herben Schlag versetzen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der vom ägyptisch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Ibrahim Oweiss geprägte Begriff „Petrodollar“ künftig durch „Petroyuan“ ersetzt wird. Die japanische Zeitung „Nikkei“ hatte vor kurzem unter Berufung auf eigene anonyme Quellen berichtet, dass die ersten Yuan-Terminverträge noch bis Jahresende abgeschlossen werden.

    Die Nachricht machte westliche Medien besorgt, weil der US-Dollar als globales Zahlungsmittel im Handel mit dem wichtigsten Rohstoff zum ersten Mal ernsthaft gefährdet wird. Bislang gibt es zwei wichtigste Termingeschäfte auf der Dollar-Basis – mit Öl der Marken Brent und WTI. Da China mittlerweile zu einem der weltgrößten Ölabnehmer aufgestiegen ist, dürften neue Termingeschäfte auf der Yuan-Basis ebenfalls wichtig werden.

    Das Petrodollar-System hatte eine uneingeschränkte Nachfrage nach der US-Währung zur Folge, wodurch der Dollar die dominierende Stellung in der globalen Wirtschaft erlangte. Aber jetzt wird sich die Situation ändern. China führt derzeit mit rund 8,96 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag mehr Öl ein als die USA, die nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) im Tagesdurchschnitt 7,6 Millionen Barrel beziehen.

    Zugleich gehen auf den Yuan lautende Terminverträge mit gewissen Risiken für das chinesische Finanzsystem einher. Sollten Ölgeschäfte in Yuan abgewickelt werden, wird die Nachfrage nach der chinesischen Währung in anderen Ländern steigen. Das wird eine Festigung des Wechselkurses des Yuan zur Folge haben, während der starke Yuan den chinesischen Export schwächen dürfte. Es gibt auch einige andere Nachteile.

    Aber positive Momente gewinnen die Oberhand. „Ungeachtet der vorhandenen Risiken wird China unweigerlich den Weg einer Internationalisierung des Yuan gehen“, sagte Cheng Fengying, Mitarbeiterin des Instituts für Weltwirtschaft der Chinesischen Akademie für internationale Beziehungen, in einem Sputnik-Interview.

    Seinerseits wies Wang Zhimin, Direktor des Forschungsinstituts für Probleme der Globalisierung und Modernisierung Chinas bei der Universität für globale Wirtschaft und Außenhandel auf die Möglichkeit der Konvertierung ins Gold als auf einen ernsthaften Vorteil gegenüber den Geschäften mit Brent- und WTI-Öl hin. „Einige Länder haben sich bereits auf die Umstellung auf den Yuan im Ölhandel geeinigt. zum Beispiel China und Russland. Die Möglichkeit einer Konvertierung (ins Gold) wird die Zahl der Yuan-Anhänger nur weiter nach oben treiben“, sagte Wang.

    Russland nimmt seit Juni dieses Jahres den Yuan für sein an China geliefertes Öl entgegen. Vor kurzem hatte auch Venezuela den Wunsch geäußert, sein Rohöl im Ausland gegen den Yuan zu verkaufen. „Saudi-Arabien zögert noch, wird sich aber letztendlich gezwungen sehen, sich im Ölgeschäft ebenfalls auf den Yuan umzustellen“, meinte Wang.

    „Die Schieferöl-Revolution in den USA wird deren Abhängigkeit von Öleinfuhren nach und nach verringern, während die chinesischen Importe nur weiter wachsen werden… Eben deshalb werden die Sauditen es sich nicht leisten können, den chinesischen Markt zu verlieren“, sagte der Experte.

    Das umso weniger, als Russland diese Nische gerne einnehmen würde. Seit Jahresbeginn führte Russland 52,5 Millionen Tonnen Öl im Wert von 16,87 Milliarden Dollar nach China ein, während sich die saudischen Ölexporte ins Reich der Mitte mit 51 Millionen Tonnen bzw. 15,57 Milliarden Dollar beziffern.

    Saudi-Arabien ist sich aller Risiken bewusst und wird wenigstens einen Teil seiner Ölexporte auf den Yuan umstellen. Vor kurzem gab Riad bereits bekannt, dass eine Emission von auf den Yuan lautenden Bonds im Land vorbereitet wird.

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    Tags:
    Schlag, Währung, Öl, USA, China
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