08:34 25 November 2017
SNA Radio
    Yaskawa-Produktion

    Wie viele Jobs stehlen uns die Roboter? Wirtschaftsexperte klärt auf

    © Foto: Yaskawa
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    91647827

    Die Digitalisierung wälzt die Arbeitswelt stark um. Viele Jobs fallen ihr zum Opfer. Dennoch glauben Wirtschaftsforscher nicht, dass dieser Prozess zur Massenarbeitslosigkeit führen wird. Denn es entstehen laufend neue Arbeitsplätze. Was Not tut, ist eine solide Weiterbildungspolitik.

    Deutschland hat den fünftgrößten Robotermarkt der Welt nach Südkorea, Singapur, den USA und Japan. 309 Roboter kommen derzeit im Schnitt auf 10.000 Mitarbeiter in der deutschen Industrie. Zum Vergleich: In Südkorea sind es 630 Roboter je 10.000 menschliche Arbeitnehmer. Das zeigen Erhebungen der International Federation of Robotics (IFR) und legen eine Wachstumsrate des Robotermarkts für das nächste Jahr um zwölf Prozent nahe.

    Der Roboter – Freund oder Feind?
    © Foto: Stäubli
    Der Roboter – Freund oder Feind?

    Viele Arbeitnehmer aus der Bevölkerung bangen angesichts einer solch rasanten Entwicklung um ihre Arbeitsplätze. Die Sorge ist, dass die automatischen Kollegen irgendwann im Verbund mit Künstlicher Intelligenz ihre Aufgaben übernehmen und die Arbeiter obsolet machen könnten. Viele befürchten deswegen eine baldige neue Welle der Massenarbeitslosigkeit.

    Doch Roboter sind nicht erst seit gestern im Einsatz und haben längst viele Tätigkeiten übernommen – und trotzdem arbeiten in Deutschland so viele Menschen wie noch nie. Um zu prüfen, wie die Digitalisierung in Wirklichkeit die Arbeitswelt verändert hat und was kommen könnte, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Studie durchgeführt, in der die Veränderungen in Zahlen festgehalten werden. Die Ergebnisse dieser Studie erklärt der daran beteiligte Wirtschaftsforscher Prof. Enzo Weber vom IAB im Interview.

    „Keinesfalls mehr Entlassungen“ – Ängste bestätigen sich nicht

    Die Studie analysierte dabei den Wandel der letzten fünf Jahre und formulierte eine Prognose für die kommenden fünf Jahre. Und obgleich die Forscher einen deutlichen Anstieg der Digitalisierung in der Mehrzahl der Betriebe feststellen konnten, trat der befürchtete Effekt nicht ein, Digitalisierung führte „keineswegs zu mehr Entlassungen oder weniger Neuanstellungen“, so Weber.

    Denn auf der einen Seite fielen Arbeitsplätze in den Bereichen der Fertigung, der Steuerung von Maschinen, der Bearbeitung von Materialien, aber auch Bürojobs weg. Auf der anderen Seite wüchsen jedoch neue Jobs im IT-Bereich nach. Und der Bedarf im Bereich Gesundheit, Soziales und Pflege steige. Deswegen lautet Webers Fazit: „Das Beschäftigungsniveau wird durch die Digitalisierung insgesamt nicht sinken und ist bisher auch nicht gesunken.“

    Es braucht eine solide Weiterbildungspolitik

    Solche Prozesse laufen allerdings nicht von selbst ab, es bedarf einer guten Planung, einer weitsichtigen Politik, damit die Menschen wirklich weitergebildet werden oder ihr Berufsfeld ändern können und nicht plötzlich vor der Arbeitslosigkeit stehen.

    „Das Ziel insgesamt muss es sein, dass die Menschen, die jetzt beschäftigt sind, mit diesem digitalen technologischen Wandel mitgehen können“, sagt der Wirtschaftsforscher. Deswegen ist bei dieser Entwicklung nach Webers Ansicht eine wohlstrukturierte Weiterbildungspolitik notwendig, damit es nicht zum Phänomen der Massenentlassung kommt. Als historisches Beispiel führt der Forscher die 70er-Jahre an, in denen die Arbeitslosigkeit anstieg, weil “die Kompetenzen der Menschen einfach nicht mehr dem entsprachen, was dann am Arbeitsmarkt gefordert war.“

    Dass der Mensch durch die Maschine in nächster Zeit überflüssig wird, glaubt Weber nicht: „Die Welt ist voll von ungelösten Problemen und Arbeit – diese Arbeit muss nur richtig organisiert werden“, lautet sein Fazit. Es gebe auch viele Jobs, in denen Maschinen eher unerwünscht sind, wie in der Pflege und Erziehung. Für den Menschen sollte es also bei einer vernünftigen Weiterbildungspolitik noch lange Zeit genug zu tun geben. Allerdings muss eine solche Politik dringend her, denn sonst kommt es vielleicht doch zur Massenarbeitslosigkeit.

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Аrktische Roboter für Ölförderung
    Roboterfrau „Sophia“ bekommt saudische Staatsbürgerschaft - VIDEO
    Humanoider Roboter bekommt Platz im neuen russischen Raumschiff
    Google baut Geisterstadt für Roboter-Autos – VIDEO
    Tags:
    Experte, Entlassungen, Risiko, Wirtschaft, Roboter, Arbeitslosigkeit, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren