21:35 23 November 2017
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    Tänzerinnen mit dem russischen Nationalgericht Kuchen Korovai (Archivbild)

    „Einfluss-Instrument“ und „Sicherheits-Garantie“: Russlands leckerer Trumpf

    © Sputnik/ Alexander Newezhin
    Wirtschaft
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    Der Getreidehandel macht zwar weniger Schlagzeilen als Erdöl, ist aber auch ein wichtiger Einflussfaktor, wie ein russischer Experte betont. Russland trumpft im laufenden Jahr mit einer ergiebigen Ernte auf – und könnte in Sachen Weizenexport laut Prognosen sogar die USA abhängen und die Nummer Eins weltweit werden.

    Ruslan Puchow, Chef der russischen Denkfabrik CAST, sagte dem TV-Sender Swesda: „Getreide ist ein strategischer Vorrat, eine Sicherheits-Garantie jedes beliebigen Landes sowie eine Möglichkeit, wesentliche Gewinne zu erzielen.“

    „Denken wir an die Geschichte zurück. Das russische Zarenreich – damals noch ein ausgeprägter Agrarstaat – war von keiner ausländischen Währung abhängig (…) Erdöl war damals noch kein schwarzes Gold, die Hüttenindustrie deckte nicht einmal den russischen Binnenbedarf – dafür stand Getreide hoch im Preis“, so Puchow. 

    Er betonte: „Der strategische Vorrat, für den jetzt die russische Staatsreserven-Behörde zuständig ist, muss bis oben an den Deckel voll sein. Den Überbestand kann man dagegen verkaufen. Das ist schon ein Instrument des wirtschaftlichen und daraus resultierend auch des politischen Einflusses in der Weltpolitik.“

    Der Ölpreis mache zwar mehr Schlagzeilen, sei aber von vielen Faktoren abhängig. „Als eines der Erdölförderländer hat Russland glücklicherweise auch Getreide nicht vergessen, handelt nun erfolgreich damit und diktiert faktisch die Regeln auf diesem Markt“, sagte Puchow.

    Wie der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow in der laufenden Woche mitteilte, ist die diesjährige Getreideernte in Russland groß und soll insgesamt 130 Millionen Tonnen betragen, darunter 83 Millionen Tonnen Weizen.

    „Natürlich ist das ein Rekord – und an manchen Märkten drängen wir die US-Amerikaner zurück“, so der Minister. Die Amerikaner erleiden laut Tkatschow Rückschläge, während russische Agrarbetriebe reicher werden.

    Im Hinblick auf die russische Getreide-Gesamternte betonte er: „130 Millionen Tonnen sind keine Obergrenze – das habe ich mehrmals gesagt. In Russland wären wir in der Lage, auch 150 und gar 200 Millionen Tonnen zu produzieren. Die Aufgabe ist es, sie zu verkaufen, neue Absatzmärkte zu finden und sich mit einer Weiterverarbeitung im Inland zu beschäftigen – das ist auch eine gefragte Exportware.“

    Noch im August hatte das US-Agrarministerium nach Angaben von RT einen rekordhohen Weizenexport aus Russland im laufenden landwirtschaftlichen Geschäftsjahr prognostiziert: 31,5 Millionen Tonnen. Damit soll Russland die USA auf diesem Gebiet abhängen und auf Platz eins weltweit landen – dank der diesjährigen ergiebigen Ernte. Die USA sollen in demselben Zeitraum nur noch 26 Millionen Tonnen Weizen exportieren, so die Prognose.

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    Tags:
    Export, Handel, Getreideausfuhren, USA, Russland
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