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18:01 20 September 2019
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    Turbinenproduktion bei Siemens

    Umbau oder Niedergang? – Siemens muss Tausende Stellen streichen

    © AP Photo / Jens Meyer
    Wirtschaft
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    Nun ist es beschlossene Sache. Der deutsche Traditionskonzern Siemens will insgesamt fast 7.000 Stellen aufgeben, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Das gab die Konzernführung am Donnerstag in München bekannt, schreiben verschiedene deutsche Medien. Damit reagiert der Unternehmensvorstand nach eigenen Angaben auf die katastrophale Auftragslage.

    Siemens muss seit einer längeren Zeit mit sinkenden Auftragszahlen in der Kraftwerks- und in der Antriebssparte kämpfen. Bei der Produktion von Gas- und Dampfturbinen – dem Hauptgeschäft des Unternehmens – muss das Unternehmen radikale Umbaumaßnahmen durchführen. Gerade die Abhängigkeit von Rohstoffpreisen bereitete zuletzt immer größere Probleme.

    Nun wurden vom Vorstand des Konzerns konkrete Zahlen zu den Entlassungen genannt.

    • Insgesamt will Siemens weltweit rund 6.900 Stellen streichen, davon die Hälfte in Deutschland.
    • In der Bundesrepublik werden die beiden Standorte Leipzig und Görlitz mit insgesamt 920 Stellen geschlossen.
    • Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit wird auch das Werk in Offenbach mit etwa 700 Beschäftigten den Betrieb einstellen müssen.
    • In Mülheim und Berlin sollen die Werke erhalten bleiben. Insgesamt fast 1000 Arbeitnehmer werden aber an diesen Standorten ihre Stellen verlieren.
    • Die Zukunft des Werkes in Erfurt ist noch nicht sicher. Eine der Optionen soll der Verkauf des Betriebes sein.

    Besonders brisant sind die Massenkündigungen auch deshalb, weil betriebsbedingte Kündigungen zuvor ein Tabu in dem Traditionsunternehmen waren. Nun musste der Konzern von seinen jahrzehntelangen Grundeinstellungen abkehren.

    „Die Einschnitte sind notwendig, um unser Know-how bei der Kraftwerkstechnologie, bei Generatoren und bei großen elektrischen Motoren nachhaltig wettbewerbsfähig halten zu können. Das ist das Ziel unserer Maßnahmen“, erklärte in diesem Zusammenhang Janina Kugel, die im Vorstand der Siemens AG für Human Resources zuständig ist.

    Damit reagiere das Unternehmen auf „die weltweiten Überkapazitäten und den dadurch ausgelösten Preisdruck“.

    Diese Überkapazitäten sollen dabei vor allem die Gasturbinen-Sparte betreffen. Die Nachfrage nach diesen ist laut Kugel „drastisch gesunken“ und werde sich auf rund 100 Turbinen pro Jahr einpendeln.

    Auch in anderen Bereichen wie etwa „Power Distribution“ sei die Auftragslage kompliziert. Gerade in der Stahlerzeugung, in der Bergbaubranche und im Schiffbau sei die Nachfrage nach Generatoren und großen elektrischen Motoren deutlich gesunken.

    „Eine Erholung in diesen Feldern ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten“, rechtfertigt Kugel die Massenentlassungen.

    Gewerkschaft empört – Siemens seit Jahren im Plus

    Die Gewerkschaft zeigte sich unterdessen empört über die Massenentlassungen und kündigte massiven Widerstand an.

    So kritisierte die IG Metall die Pläne als "breit angelegten Angriff auf die Arbeitnehmerseite".

    „Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist angesichts der hervorragenden Gesamtsituation des Unternehmens völlig inakzeptabel“, erklärte der Gewerkschaftsvorstand und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner.

    Die wirtschaftliche Gesamtlage für das Unternehmen sei äußerst gut.

    Das Unternehmen mache Rekordumsätze von Jahr zu Jahr und selbst die Kraftwerkssparte, die von Massenkündigungen wegen angeblich schlechter Wirtschaftslage geschlossen werden muss, mache acht Prozent Gewinn vom Umsatz, betonte Kernen weiter.

    Betriebsbedingte Kündigungen und damit das Abwälzen der Probleme auf die Arbeitnehmer seien daher unannehmbar. Die prekäre Auftragslage liege nicht an Überbelegschaft, sondern an „strukturellen Problemen“. Es sei nichts getan worden, um auf die Veränderungen der wirtschaftlichen weltweiten Rahmenbedingungen zu reagieren.

    „Für ein Unternehmen wie Siemens grenzt diese Mischung aus Tatenlosigkeit und Einfallsarmut an einen Offenbarungseid des Management“, betonte der Gewerkschaftsvorstand.

    Durch die anvisierten Maßnahmen werde die Konzernführung daher nichts anderes tun, als die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu beenden.

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    Tags:
    Kündigungen, Massenentlassungen, Wirtschaftskrise, IG Metall, Siemens, Deutschland