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    Für die großen europäischen Unternehmen ist es wichtig, Informationen über die wirtschaftliche und politische Situation in und um Russland aus erster Hand zu bekommen, wie Dr. Frank Schauff, Generaldirektor der Assoziation des Europäischen Business (AEB) im Interview mit Sputnik sagte.

    „Für die großen Unternehmen spielt natürlich die gesamte außenpolitische  Dimension eine große Rolle, wenn es sich um Investoren handelt, weil Investitionen über das politische Umfeld entschieden werden. Natürlich spielt auch die Frage der US-Politik gegenüber Russland vor dem Hintergrund der neuen US-Sanktionen eine Rolle. Die Lage ist komplex. Ich glaube, dass auch die Diskussion mit Sergej Lawrow wieder ergeben hat, dass sich alle Seiten bemühen müssen, eine sinnvolle politische Lösung in der Frage der Ukraine und der Sanktionen zu finden.“

    Ungeachtet der Sanktionen sei die Kommunikation zwischen beiden Partnern auf dem Europäischen Kontinent im Vergleich zu den Jahren 2014-2015 intensiver geworden, so der AEB-Generaldirektor.

    „Wenn ich mir den Reiseverkehr zwischen Moskau und europäischen Hauptstädten anschaue, so scheint es eine positive Bewegung zu geben. Vor kurzem war der Bundespräsident in Moskau, es waren andere Minister hier – aus Italien, aus Frankreich, eine Delegation aus Brüssel usw. Das mag auch im Bereich des Ukraine-Konflikts und der damit verbundenen Sanktionen hilfreich sein, die Schritte in hoffentlich naher Zukunft einzuleiten, die uns zu einer Lösung führen.“  

    Die negative Einwirkung der Sanktionen auf die Industrie der EU-Mitgliedsstaaten hat Dr. Schauff in seiner Rede im Handelsausschuss des Europäischen Parlaments hervorgehoben. Er war darüber erstaunt, wie stark das Interesse im Europaparlament an dieser Fragestellung war.

    „Die europäischen politischen Institutionen beobachten natürlich die bilateralen Verhältnisse zwischen Russland und der EU, um sich anzuschauen, welche Effekte beiderseitige Sanktionen haben. Im Handelsausschuss konnte ich die AEB-Sicht der Dinge diesbezüglich darstellen. Ich habe festgestellt, dass egal, wie die politischen Motivationen für die Sanktionen sind, sie dazu führen werden, dass sich die starke Position Europas im Zusammenhang mit den russischen wirtschaftlichen Außenbeziehungen verschlechtern wird.“

    Die Wendung Russlands nach Osten würden die europäischen Unternehmen als nicht dramatisch betrachten, unterstrich der AEB-Generaldirektor. Es gab viele Diskussionen darüber in den Jahren 2014-2015.

    „Insbesondere werden chinesische Firmen in Russland stärker vertreten sein, aber ich würde das eher als Normalisierung bezeichnen als die Wendung nach Osten. Meine Beobachtung ist die, dass die russischen Unternehmen aus verschiedenen Gründen eher mit europäischen Firmen Geschäftsabschlüsse machen möchten als mit den östlichen.“

    In Beantwortung einer Frage zum Investitionsklima in Russland unterstrich Dr. Schauff, dass sich der russische Markt in den letzten paar Monaten wieder deutlich verbessert habe. Davon zeuge die AEB-Automobilstatistik vom Oktober 2017, die im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres 17 Prozent Verkaufswachstum ausgewiesen habe. Der Zufluss von Direktinvestitionen steige langsam aber sicher wieder an. Es seien nicht die Toppositionen der besten Jahre, aber die Situation verbessere sich.

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    Tags:
    Unternehmen, Sanktionen, Partnerschaft, Sergej Lawrow, Deutschland, Russland