19:56 23 September 2018
SNA Radio
    Brexit

    Albtraum für britische Finanzbranche? - London verliert 350 Milliarden

    © REUTERS / Neil Hall
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    3308

    Droht Großbritannien ein finanzieller Kollaps? Innerhalb eines Jahres haben europäische Banken Aktiva im Wert von Hunderten Milliarden Euro aus dem Land geschafft, schreibt die „Financial Times“. Während Experten derweil die Gründe für die Kapitalflucht untersuchen, fordert die Deutsche Bank endlich Klarheit von London.

    Aus den Statistiken wird ersichtlich, dass die in Großbritannien angelegten Wertpapiere von Banken anderer EU-Staaten um 17 Prozent geschrumpft sind – von 1,94 auf 1,59 Billionen Euro. Somit wurden innerhalb eines Jahres – nämlich zwischen Juni 2016, als das Brexit-Referendum stattfand, und Juni 2017 – Finanzaktiva im Wert von über 350 Milliarden Euro aus dem Vereinigten Königreich abgezogen.

    Experten erklären den fluchtartigen Abzug der Bankvermögen mit Ängsten über drohende Verluste im Zuge des Brexit-Prozesses und rechnen damit, dass der Finanzabfluss mindestens bis März 2019 anhält – also bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Großbritannien die EU endgültig verlassen haben soll.

    Nach den Umfrageergebnissen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA nennt ein Drittel der europäischen Finanzinstitute die möglichen Änderungen in den britischen juristischen Normen als den größten Grund für ihre Sorgen.

    Die Banken befürchten, dass die neuen Gesetzesvorschriften die Finanztransaktionen, den Datenschutz und Gerichtsprozeduren anders regulieren werden. Die Änderungen würden sich ergeben, wenn das Vereinigte Königreich tatsächlich die EU verlässt, ohne davor neue entsprechende Finanzvereinbarungen mit Brüssel ausgehandelt zu haben.

    Derweil hat sich auch die Deutsche Bank klar zu den unsicheren Zukunftsszenarien geäußert. Auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt am Freitag hat Regulierungsvorstand Sylvie Matherat erklärt, London müsse endlich für Klarheit sorgen und konkrete Antworten zu den Finanzbedingungen nach dem Brexit liefern. Nur so könne ein extrem harter Brexit abgewendet werden.

    "Die Uhr tickt. (…) Die Banken haben keine andere Wahl, als sich auf einen harten Brexit vorzubereiten", zitiert Reuters die Vertreterin der Deutschen Bank.

    Bei dem Referendum vom 23. Juni 2016 hatte die knappe Mehrheit der Briten für einen Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt.

    Das Austrittsverfahren war am 29. März 2017 gestartet worden. Genau zwei Jahre danach, am 29. März 2019, soll Großbritannien laut Artikel 50 des Vertrags von Lissabon die Europäische Union verlassen.

    Die Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens sollen bis November 2018 dauern.

    Dann müssen die nationalen Parlamente der EU-Länder das vereinbarte Brexit-Abkommen innerhalb von sechs Monaten ratifizieren.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Deutsche Banken und Behörden behindern Hilfstransporte nach Donbass
    Neue Peitsche für Madrid? Katalanen gehen gegen Banken vor
    Mythos Banken-„Flucht“: Wie stark beeinflusst Brexit Immobilienmarkt in Frankfurt
    Italien rettet Banken mit 17-Milliarden-Spritze: „Ein ganz schlimmes Zeichen“
    Tags:
    Finanzmarkt, Bankensektor, Brexit, Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA, EU, Großbritannien