10:51 14 Dezember 2017
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    das Klondike (Symbol)

    Der neue Goldrausch

    CC BY 2.0 / Lawrence OP / Fishpool gold coins
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    Kryptowährungen sind das neue Klondike. Wie und womit aber häufen die Goldsucher von heute ihr Vermögen an? Das russische Wochenmagazin „Profil“ ist in die geheime Welt der Bitcoins und Co. eingetaucht und klärt den ganzen Vorgang auf.

    Bitcoins haben die Marke von 11.000 Dollar geknackt, der Hype um Cyberwährungen nimmt kein Ende. Einige kaufen virtuelle Münzen und halten sie, um an Kurssteigerungen zu verdienen; andere ziehen los und schürfen das neue Geld selbst.

    Das ist absolut möglich, schreibt das Magazin: Bitcoins und andere Kryptowährungen entstehen ja erst durch die Arbeit der sogenannten Miner. Ohne sie wäre der Umsatz mit Cybergeld einfach unmöglich.

    Alle zehn Minuten entsteht ein neuer Block in der Blockchain. Das heißt, die Miner kriegen 12,5 Bitcoins und eine Provision (für die Rechenleistung). Die gesamte Bitcoin-Kette hat heute eine Leistung von 11,1 Exahash (entspricht 1018 Hash). Die Leistung eines einzigen Mining-Rechners: 14 Terahash (1012 Hash).

    Teilt man das eine durch das andere, ergibt sich, dass es heute rund 800.000 Miner auf der ganzen Welt gibt – die alten, langsameren Modelle nicht mitgerechnet. Jeder davon enthält also mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 800.000 alle zehn Minuten 12,5 Bitcoins, schreibt die Zeitschrift.

    Das ist zwar ein hübsches Sümmchen, umgerechnet 135.000 US-Dollar. Doch winkt diese Ausbeute einem Miner laut dem Magazin alle 15 Jahre (zehn Minuten multipliziert mit 800.000). Also bilden sich Mining-Gemeinschaften: In so einem Verbund wird die geschürfte Summe auf alle Miner verteilt, proportional ihres Anteils an der Rechenleistung.

    Was die Miner nutzen, um die Blocks zu generieren, sind laut dem Blatt unter anderem sogenannte ASICs: ein Gerätkasten halb so groß wie ein Tower-PC. Im Grunde handelt es sich um eine Platte mit mehreren hundert Chips, zwei Ventilatoren, einer Steuereinheit und einem Netzteil – kein Monitor, keine Tastatur, gesteuert wird von einem anderen Computer aus durch ein Netzwerk.

    Ein ASIC könnte, so die Zeitschrift, problemlos in einer ganz normalen Wohnung aufgestellt werden. Sein Stromverbrauch gleicht zwar dem eines Wasserkochers, aber das hauseigene Stromnetz hält das ja aus. Viel Platz braucht der Kasten auch nicht.

    Aber: Die Lüfter eines ASICs sind so laut wie ein Staubsauger. Daher werden sie meist nicht in der Wohnung, sondern in speziell gemieteten Räumen aufgestellt, den ASIC-Hotels, wie die Zeitschrift sie nennt. Die Miete ist meist ein geringer Teil des geschürften Gewinns.

    Hergestellt werden die ASICs von nur wenigen Firmen. Die meisten haben ihren Sitz in China, einige auch in Taiwan und den USA. Ob diese Geräte aber auch importiert werden dürfen, ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Der Preis eines solchen Miners für die Bitcoin-Kette beträgt laut dem Blatt zwischen 2.700 und 8.500 Euro. Innerhalb von fünf bis sieben Monaten rentiert sich die Anschaffung, schreibt die Zeitschrift.

    Ein nettes Zusatzeinkommen, das die Miner sich da erarbeiten, ohne auch nur einmal zur Schaufel greifen zu müssen. Probleme gibt es jedoch, so das Blatt, mit der Beschaffung der ASICs aus dem fernen China. Deshalb will eine russische Hightech-Firma – die Elara AG – eigene ASICs anbieten, unter der passenden Marke Markscheider.

    Wodurch die russischen Geräte sich von den chinesischen unterscheiden sollen, erklärte der Chef-Entwickler des Projekts, Semjon Ganitsch:

    „Wir vertrauen auf Qualität. Wir planen, Markscheider-Miner mit einer dreijährigen Garantie anzubieten.“ Auch werde der russische Hersteller seine Kunden nicht im Stich lassen, verspricht der Chef-Ingenieur laut dem Blatt: „Wir werden technischen Support rund um die Uhr anbieten, am Telefon oder über die gängigen Messenger.“

    Im ersten Schritt will Markscheider Geräte einführen, die auf dem 16-nanometer-Verfahren basieren. Dann sollen lautlose Geräte entwickelt werden. Und schließlich kommen AISCs auf den Markt, die im 7-nanometer-Verfahren arbeiten – mit höherer Rechenleistung und geringerem Strombedarf.

    Finanziert wird die Entwicklung ebenfalls mit Kryptowährungen, durch eine ICO, eine Art Crowd-Finanzierung. Markscheider hat seine eigenen Tokens auf Etherium-Basis generiert. Mit der Herstellung des ersten Geräts soll die ICO stattfinden. Sobald die Serienreife erreicht ist, folgt dann auch der Gang auf die Kryptobörse. Im kommenden Halbjahr – bis zum Sommer 2018 – soll das Ganze laut dem Blatt abgeschlossen sein.

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    Tags:
    Popularität, Risiken, Kryptowährung, Bitcoin, Dollar
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